
Brüssels Rohstoff-Wette: 46 neue Projekte, aber das Geld fehlt!

Die EU-Kommission legt im Wettlauf um kritische Rohstoffe nach: Am 9. Oktober 2026 hat sie 46 weitere strategische Projekte im Rahmen des Critical Raw Materials Act (CRMA) ausgewählt. Damit umfasst das Portfolio innerhalb der EU nun 93 Vorhaben. Ein Name sticht heraus: der polnische Kupfer- und Silberriese KGHM Polska Miedź. Das Problem dahinter ist allerdings groß: Einem Investitionsbedarf von rund 21,1 Milliarden Euro stehen erst gut 2 Milliarden Euro an öffentlichen Förderzusagen gegenüber.
Europas Abhängigkeit als Achillesferse
Der CRMA wurde im Mai 2024 verabschiedet. Er soll Europa aus der gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Lieferländern befreien, allen voran China. Wie schnell Peking den Hahn zudrehen kann, haben die Exportbeschränkungen für Gallium, Germanium und Seltene Erden in den vergangenen Jahren gezeigt.
Die erste Liste mit 47 EU-Projekten folgte im März 2025. Im Juni 2025 kamen 13 Vorhaben in Drittstaaten und Überseegebieten dazu. Laut Kommission zählt der CRMA insgesamt nun 106 strategische Projekte. Auf dem Papier ist das beeindruckend. Doch Papier allein fördert bekanntlich kein einziges Gramm Kupfer zutage.
KGHM: Kupfer und Silber für Generationen
Der staatlich kontrollierte polnische Konzern KGHM ist mit zwei Großprojekten dabei, die zusammen über 9,5 Milliarden Zloty schwer sind. Die neue Lagerstätte Retków-Grodziszcze soll bis 2055 knapp 1,5 Millionen Tonnen Kupfer und mehr als 5.000 Tonnen Silber liefern.
Gleichzeitig soll die Hütte in Legnica zur Recyclinganlage umgebaut werden. Geplant ist eine Jahreskapazität von 135.000 Tonnen Elektrolytkupfer und 250 Tonnen Nickel. Gerade beim Silber zeigt sich, wie eng Industriemetall und Edelmetall miteinander verflochten sind. Ohne Silber gibt es keine Solarzellen, keine Elektronik und keine Energiewende.
Die zweite Welle in Zahlen
- 19 Projekte setzen auf Recycling, 11 auf Verarbeitung, 8 auf Gewinnung und 8 auf integrierte Wertschöpfungsstufen.
- Abgedeckt sind 15 der 17 kritischen EU-Rohstoffe, darunter Lithium, Nickel, Kobalt, Graphit, Seltene Erden, Magnesium und Wolfram.
- Zum Förderrahmen gehören auch Branchengrößen wie Aurubis, Umicore, Zinnwald Lithium und die griechische Skouries-Mine.
Genehmigungs-Turbo statt Geldsegen
Was bringt der begehrte CRMA-Status konkret? Vor allem Tempo bei den Behörden. Über zentrale Anlaufstellen in 26 Mitgliedstaaten wurden Berichten zufolge Umweltprüfungen und Baugenehmigungen für fast die Hälfte der 2025 ausgewählten Projekte in Rekordzeit erteilt. Im Bergbau, wo Vorlaufzeiten von mehr als zehn Jahren üblich sind, ist das ein echter Fortschritt.
Die Ironie dabei: Brüssel lobt sich dafür, die Hürden abzubauen, die es zum großen Teil selbst errichtet hat. Jahrzehntelang haben Auflagen, Klagewege und Bürokratie den europäischen Bergbau fast zum Stillstand gebracht. Der Rohstoffhunger der Energiewende zwingt die EU nun zur Kehrtwende.
Direkte Zuschüsse sind mit dem Status nicht verbunden. Er erleichtert lediglich den Zugang zu Kreditgebern. Die rund 2 Milliarden Euro stammen aus dem EU-Innovationsfonds, von der Europäischen Investitionsbank und aus staatlichen Beihilfen. Die übrigen rund 19 Milliarden Euro müssen am privaten Kapitalmarkt eingesammelt werden.
Das Risiko, über das niemand gern spricht
Selbst die Kommission räumt eine Schwachstelle ein: Genehmigte und finanzierte Anlagen sind nur dann erfolgreich, wenn die europäische Industrie langfristige Abnahmeverträge unterschreibt. Und genau hier wird es heikel. Europas Industrie ächzt unter hohen Energiepreisen und Regulierung, und auch Deutschland hat mit Abwanderung zu kämpfen. Wer soll da die Abnahme garantieren?
Die EU hat also den Rahmen gesetzt, der wirtschaftliche Durchbruch steht aber noch aus. Für Sparer ist das eine wichtige Lehre: Der weltweite Kampf um knappe Metalle ist längst zum geopolitischen Machtfaktor geworden. Physisches Gold und Silber können als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio helfen, das eigene Vermögen gegen solche Verwerfungen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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