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17.10.2026
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Aus nach 15 Monaten: Warum muss Ueckermündes Gießerei sterben?

Aus nach 15 Monaten: Warum muss Ueckermündes Gießerei sterben?
Symbolbild: KI-generiert

Die Eisengießerei in Ueckermünde schließt am 31. Dezember 2026 endgültig. Das bestätigte die Geschäftsführung der Breyden-Gruppe nach einem Krisentreffen in Berlin am Freitag. Rund 300 Beschäftigte verlieren damit ihren Job, und das nur 15 Monate, nachdem der Finanzinvestor Aequita das Werk übernommen hatte.

Für eine vorpommersche Kleinstadt mit etwa 8500 Einwohnern ist das ein Schlag in die Magengrube. Je nach Quelle ist von 290 bis 320 direkt Betroffenen die Rede. Zulieferer, Handwerker, Händler und die Stadtkasse trifft es mit.

Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall

Zur Erinnerung: Zum 1. Juli 2025 kaufte Aequita der bisherigen Eigentümerin MAT Holdings ein ganzes Paket ab. Neben Ueckermünde gehörten dazu die Werke in Altenburg, Immenhausen und Neunkirchen. Im Dezember 2025 wurden alle vier Standorte unter der Marke Breyden zusammengeführt. Aus dem Bremsscheibenhersteller sollte damals ein breit aufgestellter Spezialist für Brems- und Antriebstechnik werden.

Aequita bezeichnet sich selbst als Investor für Abspaltungen, Nachfolgefälle und Restrukturierungen. Erklärtes Ziel war es, einen defizitären und energiehungrigen Verbund profitabel zu machen. Die Probleme kannte man also. Was hat sich dann innerhalb so kurzer Zeit so stark verändert?

Ein Minister, der nichts wusste

Besonders heikel ist der zeitliche Ablauf. Am 17. September 2026 besuchte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) das Werk. Das Ministerium nannte danach ausdrücklich Kostendruck und schwache Nachfrage, von einer Schließung war aber keine Rede. Zwei Wochen später, am 2. Oktober, erfuhr die Belegschaft vom Aus.

„Bei meinem Besuch im September war seitens der Geschäftsführung von einer Schließung keine Rede.“

Blank betonte, es gehe um Menschen und nicht nur um Kennzahlen. Retten konnte er das Werk trotzdem nicht. Medienberichten zufolge hatte er eine Woche vor dem Berliner Treffen noch erklärt, der Standort solle unbedingt erhalten bleiben. Jetzt bleibt nur der Sozialplan, über den ab der kommenden Woche verhandelt werden soll.

Breyden: „Bereits heute defizitär“

Das Unternehmen bestreitet, dass es sich um einen Schnellschuss handle. Eine Sprecherin erklärte, der Standort sei bereits jetzt defizitär und auf erhebliche finanzielle Unterstützung angewiesen. Die Auslastung werde weiter sinken, auch zusätzliche Investitionen würden das Grundproblem nicht lösen.

Geschäftsführer Sebastian Simon nannte laut NDR hohe Energie- und Personalkosten sowie wachsende Konkurrenz aus China als Gründe. Hinzu kämen teure Transporte für Altmetall, den wichtigsten Rohstoff. Im Vergleich zum saarländischen Werk Neunkirchen seien die Wege nach Ueckermünde deutlich länger. Neunkirchen solle unbedingt erhalten bleiben. Altenburg hat derweil einen neuen Auftrag eines internationalen Nutzfahrzeugherstellers gewonnen, dort wird investiert.

Die offene Frage der Verlagerung

Ob Aufträge aus Ueckermünde künftig an andere Breyden-Standorte gehen, ist öffentlich nicht bekannt. Für die Bewertung wäre das entscheidend. Dann läge es nicht nur an fehlender Nachfrage, sondern auch an einer internen Standortentscheidung. Ein Hoffnungsschimmer immerhin: Die Silbitz Group, die im nahen Torgelow eine Gießerei mit Aufträgen bis 2030 betreibt, will Beschäftigte übernehmen.

Eine Branche im freien Fall

Ueckermünde ist kein Einzelfall. Laut Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie sank die Produktion 2025 um rund vier Prozent auf etwa 3,3 Millionen Tonnen. Der Umsatz fiel um sieben Prozent auf unter zwölf Milliarden Euro, die Zahl der Beschäftigten um sechs Prozent. Eine Erholung erwartet der Verband für 2026 nicht.

Die Ursachen sind bekannt: teure Energie, eine schwächelnde Autoindustrie, Überkapazitäten in Asien und hohe Kosten für den klimapolitischen Umbau. Aus Sicht vieler Beobachter sind das auch Folgen einer Standortpolitik, die energieintensive Industrie seit Jahren mit hohen Kosten belastet. Solange Berlin daran nichts Grundlegendes ändert, dürfte Ueckermünde nicht die letzte Gießerei bleiben, deren Öfen ausgehen.

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