
Arktis-Überraschung: Das Meereis blamiert die Prognose-Profis!

Im September 2026 hat sich die Arktis nicht an die Vorhersagen gehalten. Das Meereis war am Ende des Sommers deutlich größer, als die führenden Prognosemodelle im Juli berechnet hatten. Je nach Datensatz lagen sie um 8 bis 13 Prozent daneben. In den großen Schlagzeilen kam das so gut wie nicht vor.
Die Experten lagen daneben, und zwar nach unten
Im Juli hatte das Sea Ice Prediction Network (SIPN) die Vorhersagen zahlreicher Forschergruppen gesammelt. Für die mittlere Eisausdehnung im September lag der Median bei 4,45 Millionen Quadratkilometern. Die mittlere Hälfte aller Prognosen bewegte sich zwischen 4,20 und 4,67 Millionen.
Gemessen wurde dann deutlich mehr. Der Sea Ice Index (SII) des US-Datenzentrums NSIDC kam auf 4,81 Millionen Quadratkilometer, das Messsystem MASIE sogar auf 5,04 Millionen. Statistik, komplexe Klimamodelle und maschinelles Lernen waren im Einsatz, und trotzdem lagen die Vorhersagen klar daneben. Nach Angaben des Netzwerks streuten ausgerechnet die aufwendigen dynamischen Modelle mehr als doppelt so stark wie die einfacheren statistischen Verfahren.
Vom tiefen Minus ins Plus
Dabei fing das Jahr schlecht an. Im Januar fehlten einer Auswertung zufolge mehr als 2,3 Millionen Quadratkilometer gegenüber dem Mittel der Jahre 2007 bis 2026, im Februar noch rund 1,3 Millionen. Ab März wurde die Lücke dann jeden Monat kleiner.
Im August lag MASIE erstmals über dem Mittel, im September dann auch der SII. Nach MASIE betrug das Plus mehr als 330.000 Quadratkilometer, fast die Fläche Deutschlands. Mehr Eis gab es vor allem in der Tschuktschen-, der Ostsibirischen und der Laptewsee, außerdem in der Beaufortsee und im Kanadisch-Arktischen Archipel. Weniger Eis als im Mittel gab es vor allem in der Kara- und der Barentssee.
Gleiches Eis, verschiedene Zahlen
Brisant ist der Abstand zwischen den beiden Messreihen. Er beträgt rund 230.000 Quadratkilometer, also fast die Fläche Großbritanniens, und er ist kein Zufall. Im Jahr 2025 stellte das NSIDC seinen Index auf Version 4 um. Der Grund: Der Zugang zu Daten der SSMIS-Sensoren auf Satelliten des US-Verteidigungsministeriums sollte wegfallen. Version 4 nutzt deshalb Daten des japanischen Satelliten GCOM-W1.
Seit dem 14. März 2025 liegen die neuen Werte durchgehend niedriger. Der Analyst Ron Clutz dokumentiert das nach eigener Darstellung seit Monaten und habe beim NSIDC nachgefragt, bisher ohne befriedigende Antwort. Im Juli 2025 lag die Abweichung zu MASIE bei rund 282.000, im August bei etwa 440.000 Quadratkilometern. Die Wahl des Datensatzes entscheidet also mit, wie die Schlagzeile ausfällt.
Was in den offiziellen Meldungen untergeht
Am 23. September meldete das NSIDC das Jahrestief: 4,60 Millionen Quadratkilometer am 12. September. Das ist zusammen mit 2008, 2010 und 2025 das zehntniedrigste Minimum seit Beginn der Satellitenmessungen vor fast 48 Jahren. Die NASA bestätigt diese Zahlen. Das britische Met Office kam mit einem anderen Datensatz auf 5,06 Millionen.
Zur Einordnung: Das Minimum liegt laut NSIDC 1,62 Millionen Quadratkilometer unter dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Die 20 niedrigsten Werte stammen alle aus den letzten 20 Jahren. In derselben Mitteilung räumt das Institut aber ein, dass die September-Minima in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht signifikant gesunken seien. Woran diese Abflachung liegt, werde in der Arktisforschung derzeit lebhaft diskutiert.
Mehr Bescheidenheit, auch in der Politik
Die Arktis ist über die Jahrzehnte geschrumpft, daran ändert der September 2026 nichts. Er zeigt aber zweierlei: Kurzfristige Prognosen sind deutlich unsicherer, als sie oft dargestellt werden. Und wie hoch die Werte ausfallen, hängt auch an Fragen der Messtechnik.
Das betrifft auch Deutschland. Die Klimaneutralität bis 2045 steht inzwischen im Grundgesetz, und die Bürger tragen die Milliardenkosten der Klimapolitik über Steuern, Abgaben und Energiepreise. Kritiker fordern deshalb, dass die Unsicherheiten der Forschung auch in Berlin ehrlich berücksichtigt werden. Wer Prognosen als Gewissheiten ausgibt, hat Rhetorik statt Wissenschaft auf seiner Seite.

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