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Kettner Edelmetalle
28.09.2026
09:44 Uhr
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Atom-Comeback im Mini-Format: Die Welt baut, Deutschland schaut zu!

Atom-Comeback im Mini-Format: Die Welt baut, Deutschland schaut zu!
Symbolbild: KI-generiert

Von der Arktis bis nach Wyoming bauen Staaten und Konzerne derzeit kleine modulare Kernreaktoren, sogenannte SMR. Russland und China betreiben bereits erste Anlagen, Kanada, die USA und mehrere europäische Länder ziehen nach. Ein Land bleibt dabei bewusst draußen: Deutschland.

Was hinter den Mini-Meilern steckt

SMR steht für Small Modular Reactor. Laut Definition liefern solche Anlagen höchstens 300 Megawatt. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was ein klassisches Großkraftwerk leistet. Die Reaktoren sollen in Serie in der Fabrik entstehen, per Lkw zum Standort kommen und dadurch günstiger und flexibler sein als große Kraftwerke.

Allerdings steckt die Technik noch in den Kinderschuhen. Weltweit laufen bisher nur zwei Anlagen im kommerziellen Betrieb.

Russland schwimmt, China glüht

Die erste Anlage ist die „Akademik Lomonossow“. Das schwimmende Kraftwerk liegt im Hafen von Pewek im äußersten Nordosten Russlands. Seine zwei Druckwasserreaktoren leisten zusammen 77 Megawatt. Seit Mai 2020 liefert es Strom und Fernwärme für die abgelegene Arktisregion. Theoretisch würde das für eine Stadt mit 100.000 Einwohnern reichen.

Die zweite Anlage steht in Shidaowan in der chinesischen Provinz Shandong. Dort liefern seit Dezember 2023 zwei gasgekühlte Kugelhaufenreaktoren zusammen 210 Megawatt. Fällt die Kühlung aus oder reißen Leitungen, kühlt sich der Kern von selbst ab. Eine Kernschmelze ist bei dieser Bauweise nicht möglich.

Die Idee stammt aus Deutschland

Ausgerechnet diese Technik wurde vor mehr als 50 Jahren in Deutschland entwickelt. Heute profitiert China von der Arbeit deutscher Ingenieure. Ist das Ironie der Geschichte? Oder zeigt es eine Energiepolitik, die eigenes Know-how leichtfertig aufgibt?

Der Nachschub rollt an

Auf der Insel Hainan steht Chinas „Linglong One“ mit 125 Megawatt kurz vor dem Start. Der Reaktor soll noch in diesem Jahr ans Netz gehen und jährlich eine Milliarde Kilowattstunden erzeugen. Das würde rechnerisch für 526.000 Haushalte reichen. Russland baut den bleigekühlten Reaktor BREST-OD-300, der im Winter 2027/28 fertig sein soll. Auch Usbekistan setzt auf russische SMR-Technik und will Ende 2029 den ersten Reaktor anschalten.

In Kanada wird seit dem 26. Juni 2026 in Darlington ein BWRX-300 mit 300 Megawatt gebaut. Er könnte der erste SMR der westlichen Welt werden. In Wyoming baut TerraPower seit April 2026 einen Natrium-Reaktor. Er soll 2030 fertig sein und seine Leistung für rund fünf Stunden auf 500 Megawatt steigern können. So soll er die Schwankungen von Wind- und Solarstrom ausgleichen. Auch Google steigt ein: Der 50-Megawatt-Reaktor Hermes 2 der Firma Kairos soll Rechenzentren in Tennessee und Alabama mit Strom versorgen.

Europa bewegt sich, Deutschland nicht

Rolls-Royce SMR hat nach eigenen Angaben Verträge mit Großbritannien, Tschechien und Schweden abgeschlossen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte dazu:

„In Europa sollen unsere ersten Anlagen im Vereinigten Königreich und in der Tschechischen Republik Mitte der 2030er Jahre in Betrieb gehen.“

Die Türkei will bis 2050 SMR mit insgesamt 5.000 Megawatt aufbauen. Italien, Polen und Norwegen wollen neu in die Kernkraft einsteigen. Belgien und Dänemark zeigen Interesse an SMR.

In Deutschland verbietet das Atomgesetz dagegen jede kommerzielle Stromerzeugung aus Kernkraft. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich im März zwar für SMR ausgesprochen, und die AfD fordert eine vollständige Rückkehr zur Kernkraft. Konkrete Pläne für einen SMR gibt es hierzulande aber nicht.

Kein Selbstläufer, aber eine Option

Die Technik hat Probleme. In Argentinien stockt das Projekt CAREM-25 nach technischen und finanziellen Schwierigkeiten. In Rumänien gibt es Ärger um Grundstück, Finanzierung und Zeitplan. In Kanada und Rumänien fielen neue Kostenschätzungen höher aus als geplant.

Trotzdem stellt sich eine Frage: Kann sich ein Industrieland mit hohen Strompreisen leisten, eine ganze Technologie per Gesetz auszuschließen? Andere Länder testen, bauen und lernen dazu. Deutschland schaut dagegen nur zu.

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