
Atom-Klatsche aus dem eigenen Haus: Reiches Mini-AKW-Traum wackelt!

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will mit kleinen, modularen Kernreaktoren eine Rückkehr zur Atomkraft in Deutschland einleiten. Jetzt bremsen sie ausgerechnet ihre eigenen Fachleute. Medienberichten zufolge hat ihr Ministerium dem Bundestag ein vertrauliches Papier geschickt, das die Technologie als „derzeit noch nicht marktfähig“ bezeichnet.
Große Worte in Houston
Aufgetreten war Reiche im März auf der Energiekonferenz CERA Week im texanischen Houston, einem der wichtigsten Branchentreffen der fossilen Energiewirtschaft. Dort soll sie auch Vertreter von ExxonMobil und Global Infrastructure Partners, einer Tochter von BlackRock, getroffen haben. Ihr Urteil über die deutsche Energiepolitik fiel deutlich aus:
„Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein großer Fehler.“
Viele Bürger dürften ihr da zustimmen. Nach Fukushima 2011 beschloss die Regierung Merkel den Atomausstieg. Im April 2023 wurden mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 die letzten drei Meiler abgeschaltet, mitten in der Energiekrise. Die Rechnung dafür zahlen Industrie und Haushalte bis heute über ihre Stromrechnung. Als Ausweg schlägt Reiche einen Mix aus Wind, Sonne, Gas und sogenannten Small Modular Reactors (SMRs) vor.
Das Papier, das die Ministerin bloßstellt
Das Dokument aus ihrem eigenen Haus zerlegt diesen Plan. Die Experten schreiben laut dem Bericht, es gebe „bislang keine kommerziell etablierten, serienmäßig vorgefertigten SMRs“. Dabei ist genau die günstige Serienfertigung das zentrale Verkaufsargument der Technik. Echte Kostenvorteile durch die modulare Bauweise seien „nicht empirisch belegt“.
Es kommt noch schlimmer: Den Fachleuten zufolge wäre Strom aus Mini-Reaktoren sogar teurer als der ohnehin kostspielige Strom aus klassischen Kernkraftwerken. Prototypen betrieben bislang nur China und Russland. Als Partner für Deutschland kommen diese beiden Länder kaum infrage.
Der kanadische Kostenbrocken
Das Ministerium nennt das kanadische Projekt mit dem Reaktortyp BWRX-300 als Beispiel. Es ist das einzige seiner Art in einem westlichen Land und läuft nur dank massiver staatlicher Hilfe. Nach Angaben des Betreibers Ontario Power Generation kosten die vier Reaktoren am Standort Darlington zusammen rund 20,9 Milliarden kanadische Dollar. Zwei staatliche Fonds beteiligen sich mit bis zu drei Milliarden. Ans Netz gehen soll der erste Block frühestens Ende 2030.
Subventionen abbauen, aber neue schaffen?
Hier liegt der eigentliche Widerspruch. Reiche will Subventionen kürzen, vor allem bei Wind- und Solarenergie. Nach Einschätzung ihrer eigenen Experten wären SMR-Projekte aber auf „finanzielle Unterstützung durch die staatliche Hand angewiesen“. In dem Papier heißt es außerdem, private Investoren zeigten bislang nur begrenztes Interesse, das erhebliche Kostenrisiko selbst zu tragen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das bezeichnend: Der Staat würde eine Förderung abbauen und gleich die nächste einführen. Die Zeche zahlt am Ende wieder der Steuerzahler, der schon das 500-Milliarden-Sondervermögen der Großen Koalition abstottern muss.
Das Atomgesetz steht im Weg
Auch rechtlich ist der Weg versperrt. Das bayerische Umweltministerium hielt bereits im Frühjahr 2026 fest, dass für SMRs das Verbot neuer kommerzieller Kernkraftwerke im Atomgesetz des Bundes fallen müsste. Dasselbe gelte für das Verbot der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente.
Umweltverbände lehnen die Pläne ohnehin ab. BUND-Chef Olaf Bandt nannte SMRs im Tagesspiegel „teuer, gefährlich“ und einen „Wiederaufguss alter Atomkonzepte“. Unterstützung bekommt Reiche dagegen von Jens Spahn und CSU-Chef Markus Söder, die sich wiederholt für eine Rückkehr zur Kernkraft oder zumindest für eine offene Debatte darüber ausgesprochen haben.
Unser Fazit
Dass der Atomausstieg ein Fehler war, lässt sich gut begründen. Die Mini-Reaktoren lösen dieses Problem aber vorerst nicht, sie verschieben es nur. Deutschland braucht bezahlbaren Strom, und zwar bald, nicht erst in 15 Jahren. Solange die Regierung keinen belastbaren Plan vorlegt, bleibt die Vision der Ministerin vor allem eines: ein teures Versprechen.
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