
Völler erteilt WM-Boykott-Debatte eine klare Absage – und hat damit völlig recht
Während sich selbsternannte Moralwächter des deutschen Fußballs wieder einmal in politischen Grundsatzdebatten verlieren, bringt DFB-Sportdirektor Rudi Völler die Dinge auf den Punkt: Die Diskussion über einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA sei schlicht „sinnlos". Eine erfrischend nüchterne Einschätzung in Zeiten, in denen der deutsche Fußball offenbar lieber Politik spielen möchte als das eigentliche Spiel.
St. Paulis Klubchef als Stichwortgeber der Tugendwächter
Angestoßen wurde die jüngste Boykott-Debatte maßgeblich von Oke Göttlich, dem Präsidenten des FC St. Pauli – einem Verein, der sich bekanntlich mehr für politische Statements als für sportliche Höchstleistungen einen Namen gemacht hat. Man könne ein Thema nicht totschweigen, der Fußball funktioniere nicht im „Reagenzglas der gesellschaftlichen Themen", so Göttlich. Klingt zunächst vernünftig. Doch was genau soll ein Boykott bewirken? Wird Donald Trump seine Politik ändern, weil die deutsche Nationalmannschaft nicht antritt? Die Frage stellt sich von selbst – und beantwortet sich ebenso.
Hintergrund der Diskussion sind unter anderem die Besitzansprüche des US-Präsidenten auf Grönland sowie das teils harte Vorgehen der amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE gegen illegale Migranten, bei dem auch zwei Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Zweifellos sind das Themen, die man kritisch betrachten darf und muss. Doch die Instrumentalisierung eines Sportereignisses als politisches Druckmittel hat noch nie funktioniert – und wird es auch diesmal nicht tun.
Völlers historisches Gedächtnis als Korrektiv
Der 65-jährige Weltmeister von 1990 erinnerte bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin an seine eigenen Erfahrungen als junger Fußballprofi. Die gegenseitigen Boykotte der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles hätten nichts bewirkt – außer dass Athleten um ihre einmalige Chance gebracht wurden. „Ich war schon immer gegen einen Boykott, weil es halt nichts bringt", stellte Völler unmissverständlich fest. Die Leidtragenden seien stets die Sportler, die jahrelang auf diesen einen Moment hinarbeiten.
Man muss sich das einmal vergegenwärtigen: Während die politische Klasse und linke Vereinsfunktionäre über Boykotte philosophieren, stehen junge Athleten vor der Frage, ob ihnen das größte Turnier ihres Lebens genommen wird – nicht wegen sportlicher Gründe, sondern wegen ideologischer Befindlichkeiten. Es ist dieselbe Mentalität, die bereits die WM 2022 in Katar zu einem unerträglichen Politikum machte, als die Debatte um Regenbogen-Kapitänsbinden mehr Aufmerksamkeit erhielt als das sportliche Geschehen auf dem Platz.
Katar-Debakel als warnendes Beispiel
Genau diese Wiederholung möchte Völler verhindern. „Wir sind vor Ort, um Fußball zu spielen", sagte er unmissverständlich. Gleichzeitig betonte er, dass es keine Maulkörbe gebe – jeder könne seine Meinung äußern und Dinge kritisch sehen, „aber nicht am Tag vor dem Spiel". Eine Haltung, die man sich von so manchem deutschen Politiker wünschen würde: klare Prioritäten setzen, statt sich in endlosen Grundsatzdebatten zu verzetteln.
Mexikos Gewalteskalation – das eigentliche Problem
Weitaus besorgniserregender als die politische Lage in den USA ist die Situation im Co-Gastgeberland Mexiko. Seit das Militär den mächtigen Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes – bekannt als „El Mencho" – getötet hat, versinkt der Bundesstaat Jalisco in Chaos und Gewalt. Anhänger des Kartellführers setzen Autos, Banken und Tankstellen in Brand, errichten Straßensperren und terrorisieren die Bevölkerung. Ausgerechnet in der Hauptstadt Guadalajara, wo eines der drei mexikanischen WM-Stadien steht und vier Vorrundenspiele angesetzt sind, herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände.
Völler bezeichnete diese Entwicklung als „erschreckend" und äußerte die Hoffnung, dass sich die Lage bis zum Turnierstart beruhigen werde. Doch hier zeigt sich die ganze Absurdität der deutschen Boykott-Debatte: Während man sich hierzulande über die US-Migrationspolitik echauffiert, brennen in Mexiko buchstäblich die Straßen. Von einem Boykott wegen der mexikanischen Kartellgewalt spricht freilich niemand – das passt offenbar nicht ins gewünschte Narrativ.
Sport als Sport begreifen
Es wäre an der Zeit, dass der deutsche Fußball wieder zu dem zurückfindet, was ihn einst groß gemacht hat: sportliche Exzellenz statt moralischer Selbstbeweihräucherung. Rudi Völler hat mit seiner klaren Absage an die Boykott-Fantasien einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Denn eines ist gewiss: Die Welt wird nicht dadurch besser, dass Deutschland bei einer Weltmeisterschaft fehlt. Sie wird besser, wenn man miteinander spricht, sich begegnet – und ja, auch wenn man gemeinsam Fußball spielt. Alles andere ist, um es mit Völlers Worten zu sagen, schlicht sinnlos.
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