
Porsche gesteht das Offensichtliche: Der Kunde war der Politik im Weg

Es gibt Sätze, die eine ganze Epoche der Industriegeschichte in wenigen Worten erledigen. Der neue Porsche-Chef Michael Leiters hat einen solchen Satz gesprochen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung räumte er ein, man habe bei der Elektromobilität den Kunden vergessen. Vergessen. Nicht übersehen, nicht falsch eingeschätzt – vergessen. Es ist das Eingeständnis eines strategischen Totalausfalls, verpackt in die Höflichkeitsformel eines Vorstandsvorsitzenden.
Wenn Ingenieure für Paragraphen bauen statt für Menschen
Leiters benannte in aller Deutlichkeit, woran es gehapert habe: Man habe zu lange auf den Gesetzgeber geschaut und zu wenig auf jene, die die Autos am Ende bezahlen sollen. Künftig wolle sich Porsche weniger von Regulierung begrenzen lassen und mehr über Innovation nachdenken. Man muss diesen Vorgang einen Moment auf sich wirken lassen: Ein deutscher Premiumhersteller, dessen Markenkern seit Jahrzehnten Fahrfreude, Emotion und Handwerk ist, hat sich freiwillig an Brüsseler Verordnungstexte gekettet – und stellt nun fest, dass Verordnungen keine Autos kaufen.
Wer für den Gesetzgeber entwickelt, verkauft an den Gesetzgeber. Und der fährt bekanntlich Dienstwagen mit Chauffeur.
Genau hier liegt die politische Dimension dieser Nachricht. Das Verbrenner-Aus, die Flottengrenzwerte, die Förderkulissen und der moralische Dauerdruck aus Berlin und Brüssel haben eine ganze Branche in eine Planwirtschaft mit Ledersitzen verwandelt. Der Markt wurde nicht erobert, er wurde verordnet. Und Märkte, die man verordnet, kollabieren, sobald die Subvention endet.
Die Zahlen sind gnadenlos
Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Anteil rein batterieelektrischer Auslieferungen bei Porsche von 23,5 auf 19,4 Prozent. Der Taycan, einst als leuchtendes Symbol der elektrischen Zukunft gefeiert, verlor gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Viertel seiner Auslieferungen. Der gute alte 911 hingegen – ein Auto mit Verbrennungsmotor, dessen Grundkonzept älter ist als die meisten Klimakonferenzen – legte um 19 Prozent zu. Beim Macan setzte Porsche außerhalb der Europäischen Union 19.695 Verbrenner ab, während weltweit nur 15.620 Elektro-Exemplare einen Käufer fanden. Deutlicher kann ein Markt nicht sprechen.
Die Konsequenzen: weniger Varianten, neue Verbrenner, Tausende Stellen weg
Leiters zieht daraus Schlüsse, die vor drei Jahren als Ketzerei gegolten hätten. Ein neuer Macan mit Verbrennungsmotor soll voraussichtlich 2028 oder 2029 spürbar zu Umsatz und Gewinn beitragen. Einen vollelektrischen 911 schließt er aus. Die Modellpalette wird gestrafft, die Zusammenarbeit mit Volkswagen enger, der Sparkurs härter – Tausende Arbeitsplätze fallen weg. Das ist die Rechnung. Sie wird nicht von Ministern bezahlt, die Zielvorgaben ins Gesetzblatt schreiben, sondern von Facharbeitern in Zuffenhausen und Leipzig.
Ein Muster, kein Einzelfall
Wer die Wirtschaftsnachrichten dieser Monate liest, erkennt das Muster: BMW baut 8.000 Stellen ab, Mercedes senkt Umsatzziele, der VW-Gewinn bricht im zweiten Quartal um ein Drittel ein, bei BASF in Ludwigshafen arbeiten erstmals seit 1954 weniger als 30.000 Menschen. Und die Bundesnetzagentur soll sich Berichten zufolge auf wochenlangen Strommangel vorbereiten – ausgerechnet in dem Land, das seine Mobilität komplett auf Strom umstellen wollte. Man könnte lachen, wenn es nicht um das industrielle Rückgrat Europas ginge.
Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt. Der Bruch mit der ideologischen Industriepolitik der Vorgängerregierung? Er blieb aus. Stattdessen wird weiter geplant, gefördert und verschuldet, während Vorstände wie Leiters die schmerzhafte Wahrheit aussprechen müssen, die Politiker nicht hören wollen: Kunden lassen sich nicht regulieren.
Was das für Sparer bedeutet
Wenn Leitindustrien schrumpfen, Stellen verschwinden und der Staat die Lücke mit neuen Schulden füllt, dann ist das Ergebnis absehbar: Die Kaufkraft der Währung leidet, die Steuer- und Abgabenlast steigt, kommende Generationen zahlen die Zinsen. Wer sein Vermögen nicht ausschließlich an das Wohlergehen einer politisch gesteuerten Volkswirtschaft koppeln möchte, sollte über echte, physische Werte nachdenken. Gold und Silber haben Währungsreformen, Kriege und Industriekrisen überdauert – sie brauchen keine Förderprämie und kein Gesetz, um Wert zu behalten.
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