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20.08.2026
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NS-Akten unter Verschluss: Wie Washington Bonn jahrzehntelang hinhielt

NS-Akten unter Verschluss: Wie Washington Bonn jahrzehntelang hinhielt
Symbolbild: KI-generiert

Es ist eines der brisantesten Archive der deutschen Geschichte – und es lag jahrzehntelang in amerikanischer Hand. Medienberichten zufolge verweigerten die USA über Jahre hinweg die Rückgabe der NSDAP-Mitgliederkartei, die ihnen 1945 in die Hände gefallen war. Das gehe aus Unterlagen im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes und im Bundesarchiv hervor.

Ein Vertragsentwurf, den niemand unterschrieb

Die Vorgeschichte liest sich wie ein Lehrstück über die Grenzen deutscher Souveränität im Kalten Krieg. 1978 fasste die Regierung von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) den Beschluss, die Kartei und weitere NS-Dokumente zurückzuholen.

Verwahrt wurden die Papiere im Berlin Document Center (BDC) in West-Berlin, das die US-Armee unmittelbar nach Kriegsende als Sammelstelle beschlagnahmter NS-Unterlagen für Nürnberger Prozesse und Entnazifizierung eingerichtet hatte. 1980 einigten sich Diplomaten aus Bonn und Washington auf einen Vertragsentwurf. Unterschrieben haben ihn die Amerikaner nie.

Ein US-Spitzendiplomat räumte später ein, das State Department habe gehofft, eine Einigung komme gar nicht erst zustande. Den Deutschen empfahl er dem Bericht zufolge, das BDC "möglichst zu vergessen".

Die Angst vor dem Zugriffsverlust

Das Kalkül dahinter war handfest: US-Behörden fahndeten damals nach NS-Kriegsverbrechern, die in die Vereinigten Staaten eingewandert waren. Die Sorge sei gewesen, nach einer Rückgabe nur noch eingeschränkten oder gar keinen Zugang mehr zu den Beständen zu haben.

Als die Bundesregierung nach dem Mauerfall 1989 erneut drängte, wurde der Ton dem Bericht zufolge bemerkenswert deutlich. Der Berlin-Referent im US-Außenministerium, Charles Skinner, habe deutsche Diplomaten gewarnt, sein Ministerium wolle bei der Herstellung der deutschen Einheit wirklich helfen – die Deutschen sollten aber besser

vermeiden, dass in der amerikanischen Öffentlichkeit Themenkomplexe hochkommen, die dabei störend wirken.

Übersetzt: Wer die Wiedervereinigung will, stellt keine unbequemen Fragen. Für viele Beobachter ist das ein Musterbeispiel dafür, wie Geschichte zum diplomatischen Faustpfand wird.

1994: Übergabe unter Misstrauen

Erst 1994 wechselte das BDC nach langjährigen Verhandlungen in die Verwaltung des Bundesarchivs. Selbst da blieb das Misstrauen groß: Auf amerikanischer Seite habe die Sorge bestanden, die Deutschen könnten die Kartei vernichten. Staatssekretär Dieter Kastrup versicherte der US-Botschaft in Bonn schriftlich, dass "alle Dokumente so erhalten bleiben, wie sie zum Zeitpunkt der Übergabe vorhanden sind".

Der Bestand ist gewaltig. Nach Angaben des Bundesarchivs umfasst allein die zentrale Mitgliederkartei der NSDAP rund 12,7 Millionen Karteikarten, dazu kommen Hunderttausende Personalunterlagen von SS und SA sowie Akten der Reichskulturkammer. Vereinbart wurde damals auch, dass Mikrofilm-Kopien in den USA verbleiben – inzwischen sind Digitalisate über die US-Nationalarchive öffentlich zugänglich.

Was bleibt: eine Lehre über Abhängigkeit

Der Fall zeigt nüchtern, wie lange die Bundesrepublik in zentralen Fragen ihrer eigenen Geschichte am kürzeren Hebel saß. Aus Sicht unserer Redaktion ist das mehr als eine Archiv-Anekdote: Wer über seine Vergangenheit nicht souverän verfügt, verhandelt auch über seine Gegenwart aus der zweiten Reihe.

Souveränität – politisch wie finanziell – entsteht nicht durch Vertrauen in fremde Zusagen, sondern durch Unabhängigkeit. Was man selbst besitzt und selbst verwahrt, kann einem niemand jahrzehntelang vorenthalten. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten vielen Anlegern genau deshalb als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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