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14.04.2026
08:28 Uhr

Machtkampf in der AfD: Verteidigungsexperte Lucassen wirft das Handtuch

Machtkampf in der AfD: Verteidigungsexperte Lucassen wirft das Handtuch

Was sich seit Monaten hinter den Kulissen der AfD-Bundestagsfraktion zusammenbraute, hat nun seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Rüdiger Lucassen, einer der profiliertesten Sicherheitspolitiker der Partei und ehemaliger Bundeswehr-Oberst, hat sämtliche Ämter innerhalb der Fraktion niedergelegt. Der 74-jährige frühere Hubschrauberpilot tritt als Vorsitzender des parteiinternen Arbeitskreises Verteidigung, als verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion und als AfD-Vertreter im Verteidigungsausschuss des Bundestages zurück. Ein Paukenschlag – und zugleich ein Symptom für tieferliegende Verwerfungen.

Dem eigenen Sturz zuvorgekommen

Lucassen kam seinen Kritikern zuvor. Für Dienstag war bereits eine Abstimmung über seine Abwahl im Arbeitskreis Verteidigung angesetzt gewesen. In einem entsprechenden Antrag sei von Vertrauensverlust, Alleingängen und einem Führungsdefizit die Rede gewesen. Statt sich diesem Votum zu stellen, reichte Lucassen seinen Rücktritt in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla ein.

Offiziell begründete er den Schritt mit den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Personaldebatten wolle er der Partei ersparen. Doch zwischen den Zeilen klingt Bitterkeit durch. Lucassen sprach von einer „Freund-Feind-Spirale", die sich um seine Person entwickelt habe – eine bemerkenswert offene Formulierung für einen Mann, der jahrzehntelang militärische Disziplin gelebt hat.

Ein Konflikt mit langer Vorgeschichte

Die Wurzeln des Zerwürfnisses reichen weit zurück. Bereits Ende 2025 hatte der Fraktionsvorstand ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen eingeleitet. Der Auslöser? Eine Bundestagsrede, in der er den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wegen dessen Haltung zur Wehrpflicht scharf attackiert hatte. Wer in der AfD Höcke öffentlich kritisiert, der spielt mit dem Feuer – das dürfte auch einem erfahrenen Soldaten wie Lucassen bewusst gewesen sein.

Noch am vergangenen Wochenende hatte Lucassen den Konflikt auf der Plattform X offen ausgetragen. An den Abgeordneten Torben Braga gerichtet schrieb er: „Dissens ist eingetreten." Er beklagte eine regelrechte Kampagne gegen sich und ordnete Teile der Partei einem „digitalen Habitat" zu, aus dem heraus gegen ihn mobilisiert werde. Gleichzeitig stellte er unmissverständlich klar, dass er nicht aus der Partei austreten werde.

Lucassens nüchterne Analyse der Parteipolitik

Besonders aufhorchen ließ ein Satz, der das Wesen innerparteilicher Machtkämpfe auf den Punkt bringt: „Eine Partei ist kein Freundeskreis. Eine Partei ist ein Instrument zur Erlangung politischer Macht." Nüchterner kann man die Realität des politischen Betriebs kaum zusammenfassen. Und doch offenbart dieser Satz auch die Enttäuschung eines Mannes, der offenbar erfahren musste, dass Loyalität in der Politik eine flüchtige Währung ist.

Inhaltlich unbequem – und genau deshalb wertvoll

Was Lucassen für viele konservative Beobachter so interessant machte, war seine inhaltliche Standfestigkeit. Als ehemaliger Berufssoldat vertrat er einen klassischen sicherheitspolitischen Kurs: Landes- und Bündnisverteidigung als Kernauftrag der Bundeswehr, Skepsis gegenüber undefinierten Auslandseinsätzen, klare Forderung nach dem Zwei-Prozent-Ziel der NATO und ein konsequentes Eintreten für die Wiedereinführung der Wehrpflicht. In Zeiten, in denen die sicherheitspolitische Lage in Europa so angespannt ist wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr, sind solche Stimmen von unschätzbarem Wert.

Auch in der Ukraine-Frage bezog Lucassen eine differenzierte Position. Er bejahte das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine, lehnte Waffenlieferungen jedoch ab – nicht aus prorussischer Sympathie, sondern weil diese aus seiner Sicht die ohnehin ausgedünnte Bundeswehr weiter schwächten. Eine Position, die man teilen kann oder nicht, die aber zumindest in sich schlüssig argumentiert war.

Der „Volksverrat"-Eklat und die Warnung vor dem „Anti-BRD-Sound"

Für besondere Irritationen hatte Lucassen gesorgt, als er einen Auftritt des AfD-Abgeordneten Eugen Schmidt im russischen Fernsehen als „Volksverrat" bezeichnete. Eine Wortwahl, für die er sich später entschuldigen musste. Doch der Vorfall illustriert einen grundsätzlichen Konflikt innerhalb der AfD: Wie nah darf man Moskau stehen? Und wo verläuft die Grenze zwischen diplomatischer Offenheit und politischer Naivität?

In seinem letzten großen Statement auf X warnte Lucassen zudem vor einem „Anti-BRD-Sound" in Teilen der Partei und kritisierte die pauschale Abwertung staatlicher Institutionen. Die Bundesrepublik sei „der mittlerweile älteste Staat auf deutschem Boden", so Lucassen. Schmähungen gegen den Staat führten „nicht zur Rettung Deutschlands". Eine Mahnung, die man sich in manchen Kreisen durchaus zu Herzen nehmen sollte – denn wer den Staat, den man regieren will, permanent delegitimiert, der sägt am eigenen Ast.

Was bleibt – und was kommt

Lucassen bleibt Mitglied der Fraktion. Der hessische Abgeordnete Jan Nolte soll den Arbeitskreis Verteidigung vorerst kommissarisch führen. Über die endgültige Nachfolge muss die Fraktion noch entscheiden. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Kann es sich die AfD leisten, einen ihrer kompetentesten Sicherheitspolitiker derart zu verschleißen?

Deutschland steht vor gewaltigen verteidigungspolitischen Herausforderungen. Die Bundeswehr ist nach Jahren der Vernachlässigung durch wechselnde Bundesregierungen in einem desolaten Zustand. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz wird die Schulden explodieren lassen, ohne dass eine echte Trendwende bei der Verteidigungsfähigkeit garantiert wäre. In dieser Lage braucht es in allen Parteien Fachleute, die wissen, wovon sie reden – und nicht Ideologen, die innerparteiliche Machtkämpfe über die Sache stellen.

Der Fall Lucassen ist mehr als eine Personalie. Er ist ein Lehrstück darüber, wie Parteien ihre besten Köpfe verlieren, wenn Loyalität wichtiger wird als Kompetenz. Und er ist eine Warnung: Wer in der Opposition glaubwürdig sein will, der muss sich auch intern den unbequemen Debatten stellen – statt sie durch Abwahlverfahren zu ersticken.

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