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Kettner Edelmetalle
23.04.2026
20:38 Uhr

Kupfer unter Strom: Wie ein unscheinbarer Rohstoff die Weltmärkte ins Wanken bringt

Kupfer unter Strom: Wie ein unscheinbarer Rohstoff die Weltmärkte ins Wanken bringt

Wer glaubt, Rohstoffkrisen kündigten sich stets mit Pauken und Trompeten an, der irrt. Manchmal genügt ein Stoff, den kaum jemand auf dem Radar hat, um die Preise eines ganzen Weltmarkts ins Rutschen zu bringen. Genau das erleben wir derzeit beim Kupfer. Das rote Metall notiert hartnäckig oberhalb von 13.200 US-Dollar je Tonne, zwischenzeitlich kletterte es sogar über die Marke von 13.300 US-Dollar. Vier Wochen in Folge ging es nach oben – und der Abstand zu den Rekordständen vom Jahresbeginn schrumpft zusehends.

Schwefelsäure – die heimliche Achillesferse der Kupferindustrie

Der Schlüssel zur aktuellen Marktnervosität liegt in einem chemischen Grundstoff, den die breite Öffentlichkeit kaum wahrnimmt: Schwefelsäure. Ohne sie läuft im SX-EW-Verfahren, also der Laugung oxidischer Erze, schlicht nichts. Goldman Sachs beziffere den Anteil dieses Verfahrens am globalen Kupferangebot auf rund 17 Prozent, Reuters nenne gar ein Fünftel des primär raffinierten Kupfers. Ein Engpass trifft also nicht etwa ein paar Nischenproduzenten, sondern rüttelt an den Fundamenten des Weltmarkts.

Die Lage sei, so der Befund der Analysten, alles andere als entspannt. Die Kriegshandlungen im Nahen Osten hätten die Lieferketten rund um die strategisch hochsensible Straße von Hormus empfindlich gestört. Wer dort Schwefel oder die daraus gewonnene Säure verschifft, sieht sich mit Risiken konfrontiert, die in Friedenszeiten undenkbar gewesen wären. Hinzu kommt: China, der weltgrößte Produzent von Schwefelsäure, werde ab dem 1. Mai seine Exporte drosseln oder gänzlich stoppen, um die eigene Versorgung abzusichern. Ein Schachzug, der typisch ist für Peking – Eigeninteresse zuerst, der Rest der Welt möge sehen, wie er zurechtkommt.

Chile und Kongo: Wenn das Öl der Minen versiegt

Besonders exponiert seien nach Einschätzung von Goldman Sachs Chile und die Demokratische Republik Kongo. In letzterer reichten die Lagerbestände der Unternehmen gerade einmal zwei bis drei Monate. Sollten sich die Lieferprobleme über Ende Mai hinaus bis in den Juni ziehen, drohe ein Produktionsausfall von rund 125.000 Tonnen Kupfer allein in diesem Jahr. Der Grund: Der Kongo beziehe den Löwenanteil seiner Schwefelsäure aus der Golfregion – ein Klumpenrisiko, das sich nun bitter rächen könnte.

Chile, der unangefochtene Primus der globalen Kupferproduktion, steht ebenfalls mit dem Rücken zur Wand. Reuters berichtet, dass China im März 2026 erstmals seit Juli 2023 keine einzige Tonne Schwefelsäure mehr nach Chile verschifft habe. Zum Vergleich: Im Februar seien es noch 31.870 Tonnen gewesen, im März 2025 stolze 151.268 Tonnen. Sollte die chinesische Exportbremse Bestand haben, könnten laut Goldman rund 200.000 Tonnen chilenischer Produktion auf dem Spiel stehen – das entspreche immerhin rund einem Prozent des globalen Angebots. Morgan Stanley taxiert die chilenische SX-EW-Produktion auf etwa 1,125 Millionen Tonnen jährlich, wobei rund 20 Prozent der benötigten Säure aus China importiert würden.

Selbst wenn nicht sofort Minen stillstehen, kann eine längere Unterbrechung bei der Säureversorgung die Produktionsprofile wichtiger Länder spürbar verändern.

Nachfrage aus China – der zweite Preistreiber

Während die Angebotsseite unter Druck steht, liefert die Nachfrage zusätzlichen Rückenwind. China, der größte Kupferverbraucher weltweit, sende weiterhin konstruktive Signale. Bloomberg meldete Anfang der Woche einen Rekordausstoß chinesischer Kupferschmelzen im März. Parallel dazu schrumpfen die Bestände an der Shanghai Futures Exchange, während die saisonale Nachfrage sich robust zeige.

Entsprechend munter präsentiert sich der Markt. Am Mittwoch kletterte Kupfer auf 13.448,5 US-Dollar je Tonne – der höchste Stand seit mehr als sieben Wochen. Das Rekordhoch vom 29. Januar 2026 bei 14.527,5 US-Dollar sei damit wieder in Sichtweite. Wer hier an Zufall glaubt, verkennt die Brisanz der Gemengelage: Fundamentaldaten und Geopolitik gehen Hand in Hand – und beide weisen derzeit nach oben.

Langfristig bleibt der Ausblick bullish

Auch wenn Goldman Sachs kurzfristig auf das Spannungsfeld zwischen erwartetem Überschuss von 490.000 Tonnen und den realen Lieferkettenrisiken verweise, bleibt der Grundton im Markt optimistisch. Auf dem Financial Times Commodities Global Summit in Lausanne zeigte sich auch der Rohstoffhändler Traxys zuversichtlich. CEO Mark Kristoff erwarte, dass Kupfer in den kommenden 24 bis 36 Monaten auf 15.000 US-Dollar je Tonne klettern könnte. Ein unmittelbarer Sprung sei zwar nicht garantiert, doch die Richtung stehe fest.

Das übergeordnete Bild ist klar: Kupfer profitiert von strukturellen Megatrends – Elektrifizierung, Infrastrukturausbau, industrielle Transformation. Während Politiker in Berlin und Brüssel mit schöner Regelmäßigkeit milliardenschwere Programme für Energiewende und grüne Transformation durchwinken, ohne die Rohstofffrage ernsthaft zu adressieren, zeigt der Markt, wie abhängig der Westen von Lieferketten ist, die jederzeit reißen können. Deutschland, das sich mit 500 Milliarden Euro Sondervermögen und Klimaneutralität im Grundgesetz in die nächste Schuldenorgie stürzt, wird diese Rechnung noch präsentiert bekommen.

Was bedeutet das für Anleger?

Der Kupfermarkt führt eindrucksvoll vor Augen, wie verwundbar ein hochgezüchtetes globales Wirtschaftssystem sein kann, wenn eine einzige Stellschraube – hier die Schwefelsäure – klemmt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber bleiben in einem solchen Umfeld das, was sie seit Jahrtausenden waren: ein bewährter Anker zur Vermögenssicherung, unabhängig von politischen Verwerfungen, gestörten Lieferketten und den kreativen Geldexperimenten der Notenbanken. Wer sein Portfolio breit aufstellt, ist gut beraten, die Realwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren – und sich die Versicherung Edelmetall ins Depot zu legen.

Haftungsausschluss: Der vorliegende Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Wertpapiere, Rohstoffe oder sonstige Finanzprodukte dar. Die dargestellten Informationen spiegeln die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der verfügbaren Quellen wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Für Vermögensschäden, die aus Handlungen auf Basis dieses Artikels entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung. Bei Unsicherheit sollte ein unabhängiger Finanzberater hinzugezogen werden.

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