
Gold und Silber: Kurze Atempause, dann kam der Zins-Hammer

Am 2. September 2026 beendeten die Gold-Futures in New York eine Serie von drei Verlusttagen. Der Grund: Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben nach, außerdem fielen die US-Arbeitsmarktdaten schwach aus. Wer damals auf eine Wende gehofft hatte, wurde in den folgenden Wochen jedoch enttäuscht.
Schwache Jobzahlen sorgen für Rückenwind
Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ stieg der Gold-Frontmonat um 0,4 Prozent auf 4.366,30 US-Dollar je Feinunze. Silber legte um 0,2 Prozent auf 64,72 Dollar zu. Im Tagesverlauf hatte Gold zur Lieferung im Dezember sogar 4.428,50 Dollar erreicht. Silber kam zwischenzeitlich auf 65,91 Dollar.
Auslöser war der Arbeitsmarktbericht des Dienstleisters ADP. Die US-Privatwirtschaft schuf im August nur 38.000 neue Stellen. Ökonomen hatten Medienberichten zufolge mit rund 47.000 gerechnet. Das war der schwächste Monat seit Januar, die Industrie verlor 17.000 Jobs. Für Edelmetalle war das eine gute Nachricht. Ein schwächerer Arbeitsmarkt drückt die Erwartung weiterer Zinserhöhungen, und davon profitieren Gold und Silber.
Warum Zinsen für Gold so wichtig sind
Gold zahlt keine Zinsen. Werfen Staatsanleihen wieder mehr ab, entgehen Goldbesitzern also Erträge, die sie anderswo bekommen könnten. Genau diese steigenden Renditen hatten die Edelmetalle in den Tagen davor nach unten gedrückt. Hinzu kam der Ölpreis: Steigt er wegen des Nahost-Konflikts, wächst die Angst vor Inflation und damit vor einer strengeren Notenbank.
Ein Marktbeobachter des Brokers Kudo.com sah die Lage damals gespalten. Schwache Daten könnten das Abwärtsrisiko verringern. Starke Zahlen oder harte Worte der US-Notenbank Fed dagegen könnten neue Verluste auslösen. Peter Cardillo von Spartan Capital war optimistischer. Gold und Silber hätten Kursniveaus erreicht, die sich in der Vergangenheit als stabile Unterstützung erwiesen hätten. Sie könnten deshalb attraktive Einstiegspunkte sein.
Die Notenbanken ziehen die Zügel an
Am Ende kam es so, wie die Vorsichtigen befürchtet hatten. Am 10. September erhöhte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf 2,5 Prozent. Am 16. September folgte die Fed: Sie hob den Zins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Das war die erste Zinserhöhung in den USA seit Juli 2023. Auch die Bank of Japan erhöhte ihren Leitzins.
Damit stellte sich Fed-Chef Kevin Warsh gegen den Mann, der ihn ins Amt gebracht hatte. Donald Trump fordert Berichten zufolge einen Leitzins von einem Prozent oder weniger. Kein Wunder: Die USA haben rund 40 Billionen Dollar Schulden, und jeder Zinsanstieg macht diese Last teurer.
Die September-Bilanz
- Gold verlor im September in US-Dollar rund 6,5 Prozent, in Euro etwa 4,7 Prozent.
- Silber gab in US-Dollar um rund 6,4 Prozent nach.
- Im Vergleich zum Vorjahr liegt Gold aber weiter rund 14 Prozent im Plus, Silber sogar mehr als 30 Prozent.
Was Edelmetall-Anleger daraus lernen
Kurzfristig bestimmen Zinsen, Dollar und Ölpreis den Kurs. Langfristig zählt etwas anderes. Die Zentralbanken kauften laut Branchendaten auch im Sommer weiter Gold, allen voran China. Polen hat seinen Goldbestand seit Jahresbeginn um rund 90 Tonnen auf etwa 640 Tonnen erhöht. Wenn selbst Notenbanken ihre Reserven in Gold aufstocken, sagt das viel über ihr Vertrauen in das Papiergeld.
Für Sparer in Deutschland ist die Lage deutlich. Die Inflation liegt im Euroraum wieder bei 3,2 Prozent, und auch die Bundesregierung macht hohe neue Schulden. Kursrücksetzer wie im September ändern nichts daran, dass Gold seit Jahrhunderten als Schutz für Vermögen dient. Physische Edelmetalle können deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.












