
„Deutschland, aber helal“: Der Deradikalisierer, der beim Islamisieren mitfeiert

Es gibt Geschichten, die man sich nicht ausdenken kann, weil kein Drehbuchautor sie durchbekäme. Diese hier gehört dazu. Der mutmaßliche Täter des Anschlags auf den Berliner CSD, Abdul Ballout, war vor seiner Tat zweimal im Gespräch mit einer staatlich finanzierten Organisation, die sich der „Deradikalisierung“ islamistischer Gefährder verschrieben hat. Geschäftsführer dieses Netzwerks: Thomas Mücke. Und derselbe Thomas Mücke sitzt im Vorstand eines weiteren, ebenfalls überwiegend aus öffentlichen Kassen gespeisten Vereins, dessen Berliner Gruppen in den sozialen Medien Motive verbreiteten, die eine islamkonforme Republik nicht bekämpfen, sondern feiern.
Vom Präventionsprofi zum Werbeträger der Scharia-Folklore?
Die Rede ist vom Gangway e.V., einem Straßensozialarbeitsverein, der sich aus dem Berliner Senat und den Bezirksämtern finanziert. Offiziell kümmert man sich um Jugendliche und Obdachlose, offiziell kämpft man gegen Rassismus, offiziell begreift man kulturelle Vielfalt als Bereicherung. Was das in der Praxis heißt, ließ sich auf den Instagram-Kanälen der Weddinger Gruppe nachlesen. Dort wurden Grafiken einer lokalen Antirassismus-Initiative geteilt, die Wahlplakate konservativer und rechter Parteien umdichten. Aus dem AfD-Slogan „Deutschland. Aber normal.“ wurde „Deutschland, aber helal“.
Man muss sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen. „Helal“ ist die türkische Variante von „halal“ – jenem Begriff, der bezeichnet, was nach den Vorschriften der Scharia erlaubt ist. Kein Schweinefleisch, kein Alkohol, und in der Konsequenz eben auch keine Lebensweise, die dem islamischen Regelwerk widerspricht. Das Gegenstück heißt „haram“, das Sündhafte. Ein aus Steuergeld finanzierter Sozialverein, dessen Vorstandsmitglied hauptberuflich Islamisten zur Vernunft bringen soll, verbreitet also eine Parole, die genau jenes Ordnungsmodell als Zukunftsvision inszeniert, gegen das sich die eigene Präventionsarbeit richten müsste.
Wer Gefährder deradikalisieren will, sollte nicht zugleich Reklame für deren Gesellschaftsentwurf machen. Das ist keine Kleinigkeit, das ist ein Widerspruch, der die gesamte Geschäftsgrundlage sprengt.
„Die Kartoffel gehört nicht zu Deutschland“
Es ging weiter. Der Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ wurde in „Die Kartoffel gehört nicht zu Deutschland“ verdreht – ein Wortspiel, das ausgerechnet dort mit einem herabsetzenden Etikett gegen Deutsche arbeitet, wo man Rassismuskritik im Selbstverständnis führt. Auch ein FDP-Plakat zur Berliner Wiederholungswahl wurde in Gelb-Magenta persifliert, aus „alten Problemen“ machte man „alten Rassismus“. Und der Unionsslogan über das Jagen von Verbrechern mit modernster Ausrüstung mutierte zum Aufruf, Verbrechen mit „Aufklärung“ zu verjagen. Zur Einordnung wurde auf rassistische Alltagssprache und den Anschlag von Hanau verwiesen – ein Kurzschluss, der konservative Wahlwerbung in die Nähe eines Mörders rückt.
Das ist keine Sozialarbeit. Das ist Wahlkampf gegen die bürgerliche Mitte, bezahlt von den Menschen, die morgens früh aufstehen und Steuern abführen. Nach Recherchen soll der Verein zwischen 2014 und 2024 fast 70 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln erhalten haben. Man müsste diese Summe einmal in Polizisten, Grenzkontrollen und funktionierende Abschiebungen umrechnen – die Rechnung wäre unangenehm.
Die Bilanz: freundlich, angepasst, ausweichend
In den ARD-Tagesthemen schilderte Mücke am Sonntag, Ballout sei bei den Gesprächen freundlich und nicht aggressiv aufgetreten, zugleich angepasst und bei Fragen zu seinen ideologischen Einstellungen ausweichend gewesen. Ob überhaupt eine Arbeitsbeziehung zu ihm hätte entstehen können, sei unklar geblieben. Insgesamt habe man in 490 Fällen mit Personen aus dem islamistischen Spektrum gearbeitet, und nur in einem einzigen Fall sei es zu einem Rückfall gekommen.
Eine Erfolgsquote von 99,8 Prozent also. Wer solche Zahlen im Wirtschaftsleben präsentiert, wird geprüft, nicht beklatscht. Denn was ist ein „Rückfall“ in einem System, in dem der Klient erzählt, was der Sozialarbeiter hören möchte, und in dem niemand die Wirksamkeit unabhängig evaluiert? Wer Erfolg selbst definiert, hat immer Erfolg. Und wer Misserfolg hat, bekommt im deutschen Fördermittelbetrieb nicht die Kündigung, sondern die Anschlussfinanzierung.
Ein Staat, der sich selbst bekämpft
Der eigentliche Skandal liegt tiefer. Deutschland hat den Kampf gegen den Islamismus in weiten Teilen an einen Sektor delegiert, der von der Existenz des Problems lebt, politisch links steht und dessen Rechenschaftspflicht sich in Sachberichten erschöpft. Statt Grenzsicherung, konsequenter Ausweisung von Gefährdern und harter Strafverfolgung setzt man auf Gesprächskreise – und wundert sich, wenn die Realität in Form eines Anschlags zurückkommt. Ein Großteil der Bürger hat längst begriffen, dass dieses Modell gescheitert ist. Es ist nicht nur die Auffassung unserer Redaktion: Wer Sicherheit will, muss Zuständigkeiten und Geldflüsse dieses Milieus schonungslos durchleuchten.
Wer den CSD als schützenswertes Symbol der Freiheit beschwört und gleichzeitig ein „helales“ Deutschland als hübsche Instagram-Kachel verbreitet, hat entweder den Kompass verloren – oder nie einen besessen. Beides wäre ein Grund, den Geldhahn zuzudrehen. Sofort.

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