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25.07.2026
12:48 Uhr

Der selbsternannte Weihnachts-Retter: Wenn ein Kulturstaatsminister mit MĂ€rchen gegen die Opposition zu Felde zieht

Der selbsternannte Weihnachts-Retter: Wenn ein Kulturstaatsminister mit MĂ€rchen gegen die Opposition zu Felde zieht

Es gibt Politiker, die suchen sich ihre Gegner mit Bedacht aus. Und es gibt solche, die sich Gegner einfach erfinden, wenn ihnen die realen Argumente ausgehen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer scheint fest entschlossen, in die zweite Kategorie einzugehen. In einem Interview mit der Welt am Sonntag inszeniert sich der parteilose Politiker als tapferer Verteidiger des christlichen Abendlandes – ausgerechnet gegen jene Partei, die traditionelle Werte lauter propagiert als jede andere im Bundestag.

Ein Feindbild aus der Retorte

Weimer verkĂŒndet mit staatsmĂ€nnischem Pathos: „Ich nehme inzwischen auch bewusst die Rolle eines politischen Gegenspielers der AfD ein.“ Und dann kommt der große Wurf, der Satz, der die Nation aufrĂŒtteln soll: Wenn die AfD „Weihnachten durch germanische Feiertage ersetzen möchte, dann bin ich entschieden Team Weihnachten“.

Team Weihnachten. Man muss sich diese Wortwahl auf der Zunge zergehen lassen. Ein Kulturstaatsminister der Bundesrepublik, der sich rhetorisch aufplustert, als hĂ€tte er persönlich das Christkind vor der Abschaffung bewahrt. Nur – und das ist der kleine, unbequeme Schönheitsfehler in dieser heroischen ErzĂ€hlung – die Behauptung ist schlicht falsch.

Was wirklich geschah

Die Faktenlage ist ernĂŒchternd fĂŒr den selbsternannten Weihnachtsretter. Auf einem Landesparteitag in Sachsen-Anhalt existierte ein Antrag, der Winter- und Sommersonnenwende als gesetzliche Feiertage etablieren wollte. Zwei bestehende Feiertage hĂ€tten dafĂŒr weichen mĂŒssen. Von einer Abschaffung des Weihnachtsfestes war an keiner Stelle die Rede. Und – man höre und staune – der Antrag wurde nicht einmal angenommen.

Ein abgelehnter Antrag ĂŒber zwei Sonnenwendfeiertage wird zur angeblichen Vernichtung des christlichen Weihnachtsfestes umgedeutet. So funktioniert politische Legendenbildung im Jahr 2026.

Man muss kein AnhĂ€nger der AfD sein, um diese Methode durchschaubar zu finden. Hier wird eine Position bewusst verzerrt, aufgeblasen und zur Bedrohung stilisiert. Der Zweck ist offensichtlich: Wer die Opposition in die NĂ€he germanisch-heidnischer Umtriebe rĂŒckt, bedient ganz gezielt eine bestimmte historische Assoziation. Das ist billig, durchsichtig und eines Kulturstaatsministers unwĂŒrdig.

Die eigentliche Bedrohung fĂŒrs Weihnachtsfest

Bemerkenswert ist, wogegen Weimer nicht kĂ€mpft. WĂ€hrend er sich an einem abgelehnten Parteitagsantrag abarbeitet, verwandeln sich landauf, landab WeihnachtsmĂ€rkte klammheimlich in „WintermĂ€rkte“. Betonpoller schĂŒtzen die letzten christlichen Traditionsveranstaltungen vor jenen, die mit dem Abendland und seinen Festen wenig anzufangen wissen. Doch darĂŒber verliert der große KulturkĂ€mpfer kein Wort.

Es ist eine bittere Ironie: Die reale, sichtbare Erosion unserer christlich-abendlĂ€ndischen Feiertagskultur findet nicht durch die Opposition statt, sondern durch eine ĂŒber Jahre verfehlte Migrations- und Gesellschaftspolitik, an der die etablierten Parteien maßgeblich mitgewirkt haben. Doch dieser unbequeme Befund passt nicht ins Drehbuch des Herrn Weimer.

Der Griff nach TikTok

Doch das Interview hatte noch mehr zu bieten. Weimer fordert allen Ernstes, die chinesische Plattform TikTok „in europĂ€ische HĂ€nde“ zu ĂŒberfĂŒhren. Die Pressevielfalt in Deutschland, so seine Sorge, werde durch die „Macht der großen Plattformen bedroht“. Deshalb wolle er bei TikTok die „Eigentumsfrage“ stellen.

Die Eigentumsfrage. Man reibt sich die Augen. Ein deutscher Regierungsvertreter spricht offen davon, ein auslĂ€ndisches Unternehmen in europĂ€ische HĂ€nde zu zwingen. Wie genau er sich diese elegante Enteignung vorstellt, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht schwebt ihm ja ein volkseigener Betrieb vor – nostalgische Erinnerungen an vergangene Wirtschaftsordnungen inklusive.

Was Weimer freilich unter „Pressevielfalt“ versteht, wird schnell deutlich: die traditionellen Zeitungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, jene schwerfĂ€lligen Kolosse also, die Jahr fĂŒr Jahr Leser und Zuschauer verlieren. Statt sich zu fragen, warum die Menschen diesen Angeboten davonlaufen, will der ehemalige Chefredakteur die Plattformen regulieren, die den BĂŒrgern eine Alternative bieten. Der freie Wettbewerb der Meinungen – fĂŒr manche offenbar ein Ärgernis.

Ein Minister, der austeilt und selbst nicht sauber ist

Pikant wird die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass Weimer selbst zuletzt medial in ErklĂ€rungsnot geriet. Wer als Politiker mit glĂ€sernen WĂ€nden bewirft, sollte sein eigenes Haus in Ordnung haben. Doch das große Maul ĂŒber angebliche Weihnachtsvernichter ist offenbar leichter aufgerissen als die eigene Vergangenheit aufgearbeitet.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Politikers, der lieber WindmĂŒhlen bekĂ€mpft, als sich den realen Problemen dieses Landes zu stellen. Die KriminalitĂ€t steigt, die Wirtschaft schwĂ€chelt, das Vertrauen der BĂŒrger in die etablierte Politik schwindet – und der Kulturstaatsminister erklĂ€rt sich zum Retter eines Festes, das niemand abschaffen wollte. Das ist keine Kulturpolitik. Das ist eine Nebelkerze.

Vielleicht sollte Herr Weimer weniger Zeit mit erfundenen Feindbildern verbringen und mehr mit der Frage, warum immer mehr BĂŒrger das GefĂŒhl haben, ihre Regierung regiere gegen und nicht fĂŒr dieses Land. Diese EinschĂ€tzung teilt, das darf getrost gesagt werden, ein betrĂ€chtlicher Teil der deutschen Bevölkerung.

BestÀndige Werte in unbestÀndigen Zeiten

Wenn Politiker mit erfundenen Geschichten hantieren und ganze Anlageklassen von politischen Launen abhĂ€ngen, zeigt sich einmal mehr der Wert von etwas Handfestem. WĂ€hrend Regierungsvertreter ĂŒber die Enteignung von Unternehmen sinnieren und der Staat immer tiefer in EigentumsverhĂ€ltnisse eingreifen will, behalten physische Edelmetalle wie Gold und Silber ihre ĂŒber Jahrtausende bewĂ€hrte Funktion als krisenfeste Wertspeicher – unabhĂ€ngig von politischen Nebelkerzen. Als sinnvolle Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bieten sie das, was Weimers Rhetorik vermissen lĂ€sst: echte BestĂ€ndigkeit.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie uns vorliegende Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenstĂ€ndig zu informieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst. FĂŒr Investitionsentscheidungen sollte gegebenenfalls fachkundiger Rat eingeholt werden.

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