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31.05.2026
12:25 Uhr

Bruderkrieg bei den Liberalen: Kubicki zeigt Strack-Zimmermann, „wo der Hammer hängt“

Bruderkrieg bei den Liberalen: Kubicki zeigt Strack-Zimmermann, „wo der Hammer hängt“

Es sind Szenen, die man in der Politik selten so offen erlebt. Die FDP, einst stolze Partei des Wirtschaftsliberalismus und des freien Bürgertums, präsentiert sich nach ihrem jüngsten Parteitag als zerrissener Haufen, der seine internen Machtkämpfe nun in aller Öffentlichkeit austrägt. Der frischgekürte Vorsitzende Wolfgang Kubicki, mit 74 Jahren ein politisches Urgestein, hat seiner unterlegenen Konkurrentin Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine verbale Abreibung verpasst, die in ihrer Schärfe selbst hartgesottene Beobachter überraschte.

Ein Machtwort mit dem Holzhammer

„Marie-Agnes, du hast nur 40 Prozent. Und jetzt weißt du, wo der Hammer hängt“, soll Kubicki gegenüber der „Bild“ verkündet haben. Es ist ein Satz, der weniger nach liberaler Streitkultur klingt als nach einem Wirtshausstreit kurz vor Sperrstunde. Und Kubicki legte gleich nach: Wolle Strack-Zimmermann die Partei „in die Bedeutungslosigkeit führen“, dann solle sie nur so weitermachen wie bisher.

Die Wahl selbst war alles andere als eine Formsache. Kubicki, lange Zeit als einziger Anwärter gehandelt, setzte sich am Ende mit 59,3 Prozent der Stimmen durch. Auf Strack-Zimmermann, die kurzfristig und für viele überraschend ins Rennen gegangen war, entfielen knapp 40 Prozent. Für eine Partei, die ohnehin um ihre politische Existenz ringt, ist ein solches Ergebnis keine triumphale Geschlossenheit, sondern ein Alarmsignal.

Versöhnung? Fehlanzeige

Wer nach einer solchen Kampfabstimmung auf einen geläuterten, integrierenden Parteichef gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Auf die Frage, wie er denn das Lager seiner Rivalin für sich gewinnen wolle, antwortete Kubicki im ARD-Interview lapidar mit einem einzigen Wort: „Gar nicht.“ Seine Aufgabe sei es nicht, „irgendjemanden zu gewinnen“, sondern dafür zu sorgen, dass die Wähler die FDP wieder ernst nähmen.

Eine Partei, die sich nicht einmal selbst ernst nimmt, kann schwerlich erwarten, vom Wähler ernst genommen zu werden.

Der tiefe Fall der einstigen Funktionspartei

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, in welch desolatem Zustand sich die einstige Funktionspartei befindet. Nach dem Bruch der Ampel-Koalition im Herbst 2024 und dem darauffolgenden Absturz bei den Neuwahlen ist die FDP politisch marginalisiert. Statt nun mit klarer Linie und inhaltlicher Stärke einen Neuanfang zu wagen, verliert sich die Truppe in persönlichen Grabenkämpfen und Eitelkeiten. Wer den Wähler von sich überzeugen will, sollte zunächst beweisen, dass er die eigenen Reihen zusammenhalten kann – eine Lektion, die in Düsseldorf und Berlin offenbar noch niemand gelernt hat.

Immerhin: In einem Punkt zeigte sich Kubicki standhaft. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss er kategorisch aus. Ob diese Abgrenzungsrhetorik der FDP allerdings die dringend benötigten Wähler zurückbringt, darf bezweifelt werden. Denn am Ende interessiert die Bürger weniger, mit wem eine Partei nicht koalieren möchte, als vielmehr, welche konkreten Antworten sie auf die drängenden Fragen unserer Zeit hat.

Was bleibt vom liberalen Anspruch?

Die deutsche Parteienlandschaft befindet sich im Umbruch, und die FDP droht dabei zwischen den Mühlsteinen zerrieben zu werden. Während eine schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz munter Schulden auftürmt und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen verteilt, fehlt eine wirtschaftsliberale Stimme, die wirklich Gehör findet. Stattdessen liefert die FDP ein Schauspiel der Selbstzerfleischung, das die Bürger verständlicherweise eher abschreckt als überzeugt.

Ob Kubicki mit seiner ruppigen Art den Karren noch aus dem Dreck ziehen kann, wird sich zeigen. Die Hoffnung darf man haben – die Erwartung sollte man dämpfen.

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