
Atomkraft-Gipfel in Paris: 30 Nationen planen die nukleare Zukunft – und Deutschland schaut zu
Während sich die Welt neu formiert und rund 30 Staaten in Paris über den massiven Ausbau der Kernenergie beraten, glänzt Deutschland durch demonstrative Abwesenheit. Kein Regierungsvertreter, kein Minister, nicht einmal ein Staatssekretär – die Bundesrepublik hat sich offenbar endgültig aus dem Kreis der energiepolitisch ernstzunehmenden Nationen verabschiedet. Ein Trauerspiel, das seinesgleichen sucht.
Macron als Taktgeber einer nuklearen Renaissance
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lässt keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht. Der Élysée-Palast wird zum Epizentrum einer globalen Atomenergie-Offensive, die nicht nur dem Klimaschutz dienen soll, sondern ganz unverblümt auch den Interessen der französischen Nuklearindustrie. Sechs weitere Reaktoren plant Paris derzeit – und das ist erst der Anfang. Macron will den weltweiten Aufschwung der Kernkraft nicht nur begleiten, sondern aktiv befeuern und sein Land als führenden Exporteur nuklearer Technologie positionieren.
Die Stoßrichtung ist klar: Frankreich fordert, dass Atomenergie in der Europäischen Union endlich mit erneuerbaren Energien gleichgestellt wird – auch und gerade bei der finanziellen Förderung. Eine Forderung, die angesichts der Tatsache, dass Kernkraft praktisch CO₂-frei Strom produziert, kaum von der Hand zu weisen ist. Doch in Berlin scheint man diese simple physikalische Wahrheit nach wie vor nicht wahrhaben zu wollen.
Mini-Meiler: Die Zukunft der Energieversorgung?
Besondere Aufmerksamkeit dürfte bei dem Pariser Treffen den sogenannten Small Modular Reactors (SMR) zukommen – kleinen Atomkraftwerken der neuen Generation, die in mehreren Ländern mit Hochdruck entwickelt werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen werde sich voraussichtlich zu diesen Mini-Meilern äußern, heißt es aus Brüssel. Diese kompakten Reaktoren versprechen nicht nur eine flexiblere und dezentralere Energieversorgung, sondern auch deutlich geringere Baukosten und kürzere Bauzeiten als konventionelle Großkraftwerke.
Länder wie die USA, Großbritannien, Kanada und Südkorea investieren Milliarden in diese Technologie. Selbst Polen, das historisch nie auf Kernkraft gesetzt hat, plant den Einstieg. Und Deutschland? Deutschland hat im April 2023 seine letzten drei funktionierenden Kernkraftwerke abgeschaltet – ein energiepolitischer Schildbürgerstreich, der in der Geschichte der Industrienationen wohl einzigartig bleiben dürfte.
Deutschlands selbstverschuldete Isolation
Man muss sich die Absurdität der Situation einmal vor Augen führen: Ein Land, das einst zu den führenden Nationen in der Kernenergieforschung gehörte, das Weltklasse-Ingenieure und Physiker hervorbrachte, sitzt nicht einmal mehr am Tisch, wenn über die Zukunft einer der wichtigsten Energietechnologien des 21. Jahrhunderts verhandelt wird. Die ideologisch motivierte Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke – ein Erbe der grünen Energiepolitik, das auch die neue Große Koalition bislang nicht zu korrigieren wagt – erweist sich zunehmend als strategische Katastrophe.
Während andere Nationen pragmatisch auf einen breiten Energiemix setzen, hat sich Deutschland in eine gefährliche Abhängigkeit von Gaskraftwerken und wetterabhängigen erneuerbaren Energien manövriert. Die Folgen sind bereits spürbar: explodierende Strompreise, die den Industriestandort Deutschland zunehmend unattraktiv machen, und eine Versorgungssicherheit, die bei jeder Dunkelflaute auf dem Prüfstand steht.
Ein Land, das sich selbst ins Abseits stellt
Die Abwesenheit Deutschlands beim Pariser Atomgipfel ist mehr als nur ein diplomatisches Versäumnis. Sie ist ein Symbol für den energiepolitischen Irrweg, den dieses Land seit Jahren beschreitet. Während Macron die Weichen für eine prosperierende Nuklearindustrie stellt, während selbst ehemals atomkritische Länder umdenken, verharrt Berlin in einer ideologischen Starre, die an Realitätsverweigerung grenzt.
Bundeskanzler Friedrich Merz, der im Wahlkampf noch eine technologieoffene Energiepolitik versprochen hatte, schweigt zu dem Thema beharrlich. Die SPD als Koalitionspartner dürfte wenig Interesse daran haben, die Kernkraft-Debatte neu zu eröffnen. Und so bleibt Deutschland das einzige große Industrieland der Welt, das freiwillig auf eine bewährte, emissionsarme Grundlasttechnologie verzichtet – und sich dafür auch noch auf die Schulter klopft.
Die Geschichte wird über diese Entscheidung richten. Und das Urteil dürfte vernichtend ausfallen.

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