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04.09.2026
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Xi in Kairo: Wie China Amerikas Rolle im Nahen Osten aushöhlt

Xi in Kairo: Wie China Amerikas Rolle im Nahen Osten aushöhlt
Symbolbild: KI-generiert

Chinas Staatschef Xi Jinping ist am 1. September in Kairo gelandet – zum ersten Staatsbesuch in Ägypten seit zehn Jahren. Empfangen wurde er von Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit militärischen Ehren und 21 Salutschüssen. Und mit einer Botschaft, die in Washington alarmierend klingen dürfte.

„Herren des eigenen Schicksals" – ein Satz mit Sprengkraft

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, auf die sich Reuters und AFP berufen, rief Xi die Staaten der Region dazu auf, „Herren ihres eigenen Schicksals" zu sein und über eine neue regionale Sicherheitsarchitektur nachzudenken. Man müsse sich „externer Einmischung" widersetzen.

Den Namen USA nannte Xi nicht. Er musste es auch nicht. Nach Monaten des von den USA und Israel geführten Krieges gegen den Iran versteht in Kairo, Riad und Abu Dhabi jeder, wer gemeint ist.

„Wir müssen daran festhalten, dass die Menschen des Nahen Ostens die Herren ihrer eigenen Angelegenheiten sind, uns externer Einmischung widersetzen und die Länder der Region dabei unterstützen, den Dialog über Frieden und Sicherheit zu stärken." – Xi Jinping laut Xinhua

Handel, Halbleiter – und der Abschied vom Dollar

Konkret bot Peking an, gemeinsam mit den Anrainern die internationalen Schifffahrtsrouten zu sichern. Ein heikler Punkt: Der Verkehr durch die Straße von Hormus und das Bab al-Mandab wurde durch den Krieg massiv gestört. Beide Präsidenten vereinbarten zudem eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit und Koordination bei der Terrorbekämpfung.

Noch bemerkenswerter ist die gemeinsame Erklärung: Kooperation bei Rechenzentren, Halbleitern und kritischen Metallen – und die verstärkte Nutzung der eigenen Währungen im gegenseitigen Handel. Der Dollar wird also Stück für Stück aus dem Geschäft gedrängt. Wer wissen will, warum die Notenbanken des Globalen Südens seit Jahren Gold horten, findet hier einen Teil der Antwort.

Berichten zufolge unterzeichneten beide Seiten die dritte Ausbaustufe der ägyptisch-chinesischen Industriezone am Suezkanal. Nach Angaben des Präsidialamts sind dort bereits rund 200 Unternehmen mit etwa vier Milliarden Dollar engagiert. Chinas Handelsüberschuss mit Ägypten erreichte laut chinesischen Zolldaten allein in den ersten sieben Monaten 2026 rund zwölf Milliarden Dollar.

Ein US-Verbündeter probt die Emanzipation

Das Pikante daran: Ägypten zählt mit rund 1,3 Milliarden Dollar jährlich zu den größten Empfängern amerikanischer Militärhilfe. Im August hielt dieselbe Luftwaffe große gemeinsame Luftkampfübungen mit chinesischen Verbänden ab – inklusive Kampfjets vom Typ J-16.

Sisi selbst sprach in einem Zeitungsbeitrag von einer „unabhängigen Außenpolitik" – wenige Tage, nachdem eine Auslandsniederlassung einer großen ägyptischen Bank von US-Sanktionen getroffen worden war. Beobachter wie die Nahost-Expertin Mirette Mabrouk werten das nicht als Bruch mit Washington, sondern als bewusste Diversifizierung: Man wolle sich nicht länger an eine einzige Macht binden.

Und Europa? Schaut zu

Für Berlin und Brüssel ist das eine unbequeme Lektion. Während die EU ihre Außenpolitik gern mit Wertekatalogen und Auflagen verknüpft, kommt Pekings Angebot ohne solche Bedingungen daher – Häfen, Fabriken, Chips, dazu ein Sicherheitsversprechen. Kein Wunder, dass es angenommen wird.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Kairo, wie schnell alte Gewissheiten kippen können. Wenn Handelsströme, Währungsordnung und Bündnissysteme gleichzeitig in Bewegung geraten, wird die Frage nach krisenfesten Werten für Sparer drängender denn je.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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