
Wenn Politik den Rasen erobert: USA stoppen iranischen Funktionär an der WM-Schwelle

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sollte ein Fest des Sports werden – stattdessen wird sie zur Bühne eines geopolitischen Schaubildes, das deutlicher kaum sein könnte. Während der Ball über die Plätze von Los Angeles und Tijuana rollt, spielt sich abseits des Rasens ein Drama ab, das mit dem schönen Spiel wenig, mit harter Realpolitik dafür umso mehr zu tun hat. Die Vereinigten Staaten haben einem hochrangigen iranischen Fußballfunktionär die Einreise verweigert – wegen mutmaßlicher Verbindungen zu den Revolutionsgarden, jener berüchtigten Eliteeinheit des Teheraner Regimes.
Ein Funktionär, der nicht ins Flugzeug durfte
US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin gab sich gegenüber dem Sender „Fox News“ wenig diplomatisch. Der Mann, der gemeinsam mit der iranischen Nationalmannschaft in die USA habe einreisen wollen, habe „definitiv Verbindungen zu den IRGC“ gehabt, so Mullin. Die Behörden hätten daraufwhin kurzerhand die Einreise untersagt. Nach Angaben aus Teheran soll es sich bei der betroffenen Person um Mehdi Taj handeln – seines Zeichens Präsident des iranischen Fußballverbandes, gewählt im Jahr 2022.
Brisant: Bereits im April hatten die kanadischen Behörden demselben Taj die Einreise zu einem FIFA-Kongress in Toronto verwehrt. Man muss kein ausgewiesener Nahost-Experte sein, um zu erkennen, dass hier ein Muster sichtbar wird. Wer dem westlichen Bündnis unangenehm auffällt, bleibt eben draußen – selbst wenn er sich hinter einem Fußballverband zu verstecken sucht.
Die Revolutionsgarden – Terrororganisation im Trikot?
Die iranischen Revolutionsgarden stehen in den USA seit Jahren auf der Liste ausländischer Terrororganisationen. Sie gelten als Drahtzieher und Unterstützer terroristischer Aktivitäten rund um den Globus. Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Militäroperationen gegen den Iran Ende Februar sollen sie zudem mehrere Angriffe auf US-Militäreinrichtungen im Nahen Osten verübt haben. Vor diesem Hintergrund erscheint die Vorsicht der US-Behörden nicht als überzogene Paranoia, sondern als nüchterne Konsequenz.
„Der Mann, der gestern versuchte, ins Flugzeug zu kommen, hatte definitiv Verbindungen zu den IRGC.“ – US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin
Der iranische Fußballverband indes weist sämtliche Vorwürfe von sich. In einer reichlich gewundenen Stellungnahme heißt es, der Versuch, den Funktionären andere als rein berufliche Motive zu unterstellen, sei eine „falsche Behauptung“ ohne jegliche Grundlage. Gleichzeitig ließ man verlauten, die iranischen Begleiter hätten ohnehin „kein Interesse“, sich im „gesetzesbrecherischen Land der Vereinigten Staaten“ aufzuhalten. Man fragt sich unwillkürlich: Wer protestiert hier eigentlich gegen wen?
Sport und Politik – eine unauflösliche Verbindung
Die Idee, der Sport stehe über der Politik, ist eine schöne Illusion – und nicht mehr. Wer ein autoritäres Regime an internationale Wettbewerbe heranlässt, holt sich dessen Apparat gleich mit ins Haus. Die iranische Mannschaft hat ihr Quartier vorsorglich im mexikanischen Tijuana bezogen und reist für ihre Spiele auf US-Boden jeweils an. Nationaltrainer Amir Ghalenoei beklagte sich derweil über fehlende Erholungszeiten und zeigte sich „sehr irritiert“. Sportlich überrascht das Team durchaus: Zwei Unentschieden in den ersten beiden Gruppenspielen, darunter gegen Favorit Belgien, bedeuten derzeit Platz zwei der Gruppe.
Eine deutliche Lehre für Europa
Während Washington klare Kante zeigt und seine Sicherheitsinteressen kompromisslos verteidigt, fragt man sich, wann eine vergleichbare Entschlossenheit auch auf dem europäischen Kontinent Einzug halten wird. Wer die Augen vor den Verflechtungen autoritärer Regime verschließt, riskiert mehr als nur einen diplomatischen Eklat bei einem Fußballturnier. Die USA setzen hier ein Zeichen, das anderswo gerne überhört wird.
Die Weltmeisterschaft fällt mitten in eine Phase extremer Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran. Dass sich diese Konflikte nicht an den Stadiontoren brechen lassen, sondern bis auf den Rasen durchschlagen, ist eine bittere, aber lehrreiche Wahrheit. Der Ball mag rund sein – die Welt ist es schon lange nicht mehr.
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