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07.01.2026
09:48 Uhr

Traktoren rollen wieder: Bauernproteste kehren mit voller Wucht zurück

Traktoren rollen wieder: Bauernproteste kehren mit voller Wucht zurück

Zwei Jahre nach den aufsehenerregenden Bauernprotesten, die Deutschland im Winter 2024 in Atem hielten, formiert sich der Widerstand der Landwirte erneut. Am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, werden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die Motoren der Traktoren angeworfen – und diesmal lassen sich die Bauern weder von klirrendem Frost noch von heftigem Schneetreiben aufhalten.

Autobahnauffahrten im Visier der Protestierenden

Die Aktionen konzentrieren sich auf neuralgische Verkehrspunkte entlang der A24 und A11. Von Kremmen bis Putlitz, von Bernau bis Schmölln bei Penkun – zwischen 7 und 17 Uhr werden genehmigte Versammlungen an zahlreichen Auffahrten stattfinden. Pendler und Reisende müssen sich auf erhebliche Verkehrsbehinderungen einstellen. Organisiert werden die Proteste von Land schafft Verbindung Mecklenburg-Vorpommern und den Freien Bauern, zwei Verbänden, die sich nicht mit diplomatischen Floskeln zufriedengeben wollen.

Was treibt die Landwirte bei Eiseskälte auf die Straße? Die Antwort liegt in Brüssel, wo über das Schicksal der europäischen Landwirtschaft verhandelt wird. Das Mercosur-Freihandelsabkommen, dessen Unterzeichnung im Dezember nach massiven Protesten verschoben wurde, steht nun im Januar erneut zur Abstimmung. Für viele bäuerliche Betriebe ist aus stiller Sorge längst offener Protest geworden.

Mercosur: Ein Abkommen auf Kosten der heimischen Bauern?

Die Befürchtungen der Landwirte sind konkret und nachvollziehbar. Rindfleisch und Zucker aus Südamerika könnten in erheblichem Umfang auf den europäischen Markt strömen – produziert unter Bedingungen, die mit den strengen Standards der EU kaum vergleichbar sind. Während deutsche Bauern immer schärferen Auflagen bei Tierwohl, Düngung, Pflanzenschutz und CO₂-Bepreisung unterworfen werden, dürfen südamerikanische Konkurrenten ihre Überschüsse zu Dumpingpreisen in Europa absetzen.

„Das ist Export um jeden Preis. Und den zahlen unsere Höfe."

Mit diesen Worten bringt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, die Frustration auf den Punkt. Er spricht von einer „schreienden Ungerechtigkeit". In Südamerika würden Flächen ausgeweitet, teils auf Kosten des Regenwaldes, die Tierhaltung sei weniger reglementiert, Umweltauflagen geringer. Der Bayerische Bauernverband formuliert die zentrale Forderung unmissverständlich: Importe müssten denselben Anforderungen genügen wie die landwirtschaftliche Erzeugung in der Europäischen Union.

Brüssel im Dezember: Wasserwerfer gegen Kartoffeln

Die Protestwelle hat längst europäische Dimensionen erreicht. Mitte Dezember versammelten sich rund 7300 Landwirte mit Hunderten Traktoren im Brüsseler Europaviertel. Die Bilder gingen um die Welt: Wasserwerfer gegen Demonstranten, Brände, Pyrotechnik, das Europaparlament unter Beschuss von Kartoffeln und Feuerwerk. Mindestens ein Mensch wurde verletzt, mehrere Parlamentsgebäude beschädigt. Etwa 500 deutsche Landwirte sollen sich an den Protesten beteiligt haben.

Der Druck zeigte Wirkung – zumindest vorübergehend. Die geplante Unterzeichnung des Abkommens wurde kurzfristig verschoben. Doch Mitte Januar soll ein neuer Anlauf im EU-Rat erfolgen. Italien gilt als Zünglein an der Waage: Stimmt das Land zu, könnte die erforderliche qualifizierte Mehrheit zustande kommen und ablehnende Mitgliedstaaten wie Frankreich, Polen, Ungarn oder Österreich überstimmt werden.

Schutzklauseln als Feigenblatt?

Das Europäische Parlament hat auf Druck des Landwirtschaftsausschusses Schutzklauseln verbessert, die bei Marktverwerfungen greifen sollen. Diese Mechanismen könnten bereits ab einer Importzunahme von fünf Prozent aktiviert werden. Doch die Landwirte winken ab: Schutzklauseln seien kein Ersatz für ein ausgewogenes Handelsabkommen mit fairen Wettbewerbsbedingungen von Anfang an. Ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde, könnte man sagen.

Gespaltene Verbände, unterschiedliche Strategien

Bemerkenswert ist die Uneinigkeit innerhalb der Bauernschaft. Der Deutsche Bauernverband ruft nicht zum Protest auf, sondern fordert lediglich Nachbesserungen. DBV-Präsident Joachim Rukwied erklärte, das Mercosur-Abkommen habe Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, dürfe aber nicht zulasten der Landwirtschaft gehen. Eine diplomatische Formulierung, die vielen Bauern zu zahm erscheint.

In Sachsen geht man andere Wege. Land schafft Verbindung Sachsen plant ab 14 Uhr eine Demonstration vor der Dresdner Frauenkirche – ohne große Traktoren, aber mit 300 kleinen Tret-Traktoren. Man wolle keinen Anlass für Kritik aus der Bevölkerung geben, heißt es aus dem Vorstand. Eine kreative Lösung, die zeigt, dass die Bauern durchaus lernfähig sind.

Die Protestierenden kritisieren die Nähe des etablierten Bauernverbandes zu Politik und Wirtschaft. Verhandelt werde seit Jahren, geändert habe sich wenig. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe habe sich dagegen spürbar verschlechtert. Ein Vorwurf, der nicht von der Hand zu weisen ist.

CO₂-Bepreisung: Der stille Würgegriff

Neben Mercosur richtet sich der Protest auch gegen die CO₂-Bepreisung. Der Emissionshandel, so die Kritik, existiere vor allem in Modellrechnungen. In der Praxis führe er zu steigenden Energiepreisen und sinkenden Erlösen. Viele Landwirte fühlen sich als Puffer für politische Ziele, deren Kosten sie tragen müssen – während die Politik sich mit grünen Lorbeeren schmückt.

Am Protesttag soll Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus ein Aktionspapier übergeben werden. Gespräche mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und CDU-Chef Friedrich Merz sind eingefordert. Sollte es bei der bisherigen Linie bleiben, kündigen die Organisatoren weitere Aktionen an. Die Bauern haben bewiesen, dass sie hartnäckig sein können. Und sie haben nichts mehr zu verlieren.

Die Rückkehr der Bauernproteste ist mehr als ein Verkehrshindernis. Sie ist ein Symptom einer verfehlten Agrarpolitik, die heimische Produzenten mit Auflagen überhäuft, während sie ausländischen Konkurrenten die Tore öffnet. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz die Zeichen der Zeit erkennt – bevor weitere Höfe aufgeben müssen.

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