
Spahns letztes Parteiamt ist weg: 30 Jahre CDU-Karriere enden in Havixbeck

Es war das Ende einer Ära im Kleinen — mit großer Symbolkraft. Auf dem CDU-Bezirksparteitag in Havixbeck trat Jens Spahn am Wochenende nicht erneut als Bezirksvorsitzender im Münsterland an. Damit hat der 46-Jährige zum ersten Mal seit rund drei Jahrzehnten kein Parteiamt mehr inne.
Zur Nachfolgerin wählten die Delegierten die von Spahn selbst vorgeschlagene NRW-Schulministerin Dorothee Feller. Sie erhielt 106 von 111 abgegebenen Stimmen — nach Angaben der CDU entspricht das 95,5 Prozent. Ein Ergebnis, das nach Machtübergabe aussieht und wie ein Schlussstrich wirkt.
„Ich war zu feige" — der Absturz eines Machtpolitikers
Der Auslöser ist bekannt: Spahn hatte öffentlich gemacht, dass er und sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen haben. Die Kritik kam vor allem aus der eigenen Partei. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, die CDU spricht sich klar gegen eine Legalisierung aus — und Spahn selbst hatte diese Position früher vertreten.
Ende Juli trat er deshalb als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Zum Nachfolger wählte die Fraktion Medienberichten zufolge am 29. Juli Thorsten Frei. Bemerkenswert: Erst im Mai war Spahn mit 86,5 Prozent im Amt bestätigt worden — ein Absturz in wenigen Wochen.
In einem Brief an die Parteifreunde in seinem Wahlkreis Steinfurt/Borken hatte er zuvor um Entschuldigung gebeten:
„Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen"
Applaus statt Aussprache — die CDU schweigt sich weiter
In Havixbeck sagte Spahn, es falle ihm sehr schwer, nach 30 Jahren ohne Parteiamt dazustehen. Er habe Vertrauen enttäuscht und entschuldige sich dafür erneut ausdrücklich. Die Delegierten reagierten mit langem, kräftigem Applaus. Wortmeldungen in der anschließenden Aussprache? Keine.
Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der eigentlich brisante Punkt: Eine Partei, die sich programmatisch auf Familie und den Schutz der Würde beruft, verabschiedet einen Spitzenmann mit warmem Beifall — und diskutiert den Kern des Konflikts nicht. Wer glaubwürdig für Werte eintreten will, muss sie auch dann verteidigen, wenn es die eigene Führungsriege trifft.
Bundestagsmandat bleibt — und Spahn wacht künftig über Milliarden
Sein Mandat im Bundestag behält Spahn. Künftig sitzt er unter anderem im Haushaltsausschuss — jenem Gremium, das über die Ausgaben des Bundes und damit über Milliarden an Steuergeld entscheidet. Gerade in Zeiten des 500-Milliarden-Sondervermögens und wachsender Schuldenberge ist das keine Nebenrolle, sondern eine Schaltstelle.
Feller, 60, Juristin aus Dorsten und vor ihrem Ministeramt 2022 Regierungspräsidentin in Münster, gab in ihrer Vorstellungsrede die Marschrichtung vor: Die Landtagswahl 2027 müsse gewonnen werden, es gebe keine Alternative zu einer CDU-geführten Landesregierung in NRW und „erst recht keine blaue Alternative". Man müsse fragen, wieso der Populismus so erfolgreich sei, und wieder mehr zuhören.
Die Frage, die sich die Union stellen müsste
Vielleicht liegt die Antwort näher, als der Union lieb ist. Wähler laufen selten wegen fehlender Gesprächsformate davon — sondern wenn zwischen Programm und Personalpolitik eine sichtbare Lücke klafft. Spahn war zwei Jahre Bezirkschef; sein Vorgänger Karl-Josef Laumann hatte den Posten 21 Jahre gehalten.
Stabilität sieht anders aus. Und Vertrauen, das gilt in der Politik wie beim Vermögen, lässt sich schneller verspielen als wiederaufbauen.
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