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17.03.2026
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Phantom-Drohungen im Ländle: CDU-Spitzenkandidat Hagel in Erklärungsnot

Phantom-Drohungen im Ländle: CDU-Spitzenkandidat Hagel in Erklärungsnot

Es ist eine Geschichte, die das ohnehin ramponierte Vertrauen der Bürger in die politische Klasse weiter erschüttert. Manuel Hagel, CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, sprach im Wahlkampf öffentlich von Morddrohungen gegen sich und seine Familie. Dramatische Worte, die Mitleid erzeugen, die Sympathien wecken, die den Bedrohten zum Opfer stilisieren. Nur: Die zuständige Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart weiß offenbar nichts davon.

Die „Rehaugen"-Affäre als Auslöser

Der Hintergrund ist schnell erzählt. Ein acht Jahre altes Interview wurde ausgegraben, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren „rehbraunen Augen" schwärmte. Was folgte, war eine orchestrierte Empörungswelle – nach Überzeugung der Union gezielt von den Grünen lanciert, um den CDU-Kandidaten kurz vor der Wahl zu beschädigen. Man mag von der Aussage halten, was man will. Doch die politische Instrumentalisierung eines harmlosen Interviews aus vergangenen Tagen offenbart einmal mehr, mit welch schmutzigen Methoden in der deutschen Politik gekämpft wird.

Hagel reagierte auf die Kampagne, indem er sich als Opfer inszenierte. In einem Podcast-Format erklärte er: „Leider ja. Das ist für uns auch neu, auch als Familie." Er habe Morddrohungen erhalten, so etwas habe er bisher nicht gekannt. Die Parteigremien seien informiert worden. Starker Tobak – wenn es denn stimmt.

Die Staatsanwaltschaft weiß von nichts

Denn genau hier wird es brisant. Journalisten versuchten, den Sachverhalt zu überprüfen, und stießen auf eine Mauer des Schweigens. Die CDU-Landtagsfraktion wollte das Thema „nicht weiter kommentieren" und verwies auf den Schutz der Familie. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte zwar einen Prüfvorgang – dieser sei jedoch „von Amts wegen" eingeleitet worden, also erst nachdem die Medien über die angeblichen Drohungen berichtet hatten. Hagel selbst habe nach Informationen aus Sicherheitskreisen keine Anzeige erstattet.

Und dann der eigentliche Paukenschlag: Erst nachdem rechtliche Schritte angedroht wurden, beantwortete ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft die entscheidende Frage, ob entsprechende Drohschreiben vorlägen oder jemals vorgelegen hätten. Die Antwort, knapp und vernichtend: „Nein."

Ein Politiker, der Morddrohungen behauptet, aber keine Anzeige erstattet?

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Spitzenpolitiker berichtet öffentlich von Morddrohungen gegen sich und seine Familie – und erstattet keine Anzeige? Bewahrt die Schreiben nicht auf? Wendet sich nicht an die Polizei? Erfahrene Ermittler bezeichnen ein solches Verhalten als „sehr ungewöhnlich". Das ist diplomatisch formuliert. In Wahrheit ist es schlicht unglaubwürdig.

Natürlich gibt es die Möglichkeit mündlicher Drohungen ohne Zeugen, die sich schwer nachweisen lassen. Doch wer öffentlich von Morddrohungen spricht – und damit bewusst eine Eskalationsstufe wählt, die maximale Aufmerksamkeit und Solidarität erzeugt –, der muss sich gefallen lassen, dass Journalisten und Bürger Belege sehen wollen. Das Versteckspiel der CDU-Fraktion, die jede Nachfrage abblockt, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil.

Die Opferrolle als politisches Instrument

Was hier möglicherweise zutage tritt, ist ein Phänomen, das in der deutschen Politik längst epidemische Ausmaße angenommen hat: die strategische Instrumentalisierung der Opferrolle. Wer sich als Bedrohter inszeniert, entzieht sich der inhaltlichen Kritik. Wer Morddrohungen anführt, macht jeden Angreifer zum potenziellen Mittäter. Es ist ein rhetorischer Schachzug, der in einer Gesellschaft, die reflexhaft mit Betroffenheit reagiert, erschreckend gut funktioniert – solange niemand nachhakt.

Dass ausgerechnet ein CDU-Politiker zu diesem Mittel greift, ist bezeichnend für den Zustand der einstigen Volkspartei. Statt mit Rückgrat und Charakter auf eine durchsichtige Schmutzkampagne zu reagieren, statt die lächerliche Skandalisierung eines harmlosen Interviews souverän zurückzuweisen, flüchtete sich Hagel in die Rolle des Verfolgten. Das zeugt nicht von Führungsstärke, sondern von genau jener Schwäche, die die CDU seit Jahren kennzeichnet.

Vertrauen verspielt – wieder einmal

Sollte sich herausstellen, dass die Morddrohungen tatsächlich erfunden oder zumindest massiv übertrieben waren, wäre Hagel als Politiker nicht mehr tragbar. Doch selbst wenn er sich auf mündliche, nicht nachweisbare Drohungen berufen sollte – das Gesamtbild bleibt verheerend. Keine Anzeige, keine Beweise, eine Staatsanwaltschaft, die erst auf Druck überhaupt antwortet, und eine Partei, die mauert. So sieht keine transparente, bürgernahe Politik aus.

Die Bürger in Baden-Württemberg und ganz Deutschland haben ein Recht darauf zu erfahren, ob ihre gewählten Vertreter die Wahrheit sagen. Gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in die politischen Institutionen auf einem historischen Tiefpunkt angelangt ist, wiegt jede Lüge, jede Halbwahrheit, jede Übertreibung doppelt schwer. Wer Morddrohungen als Wahlkampfinstrument missbraucht, der verhöhnt nicht nur jene Politiker, die tatsächlich bedroht werden – er verhöhnt vor allem die Wähler, die ihm vertraut haben.

Deutschland braucht Politiker mit Charakter und Aufrichtigkeit. Was es nicht braucht, sind weitere Akteure in einem politischen Marionettentheater, in dem Wahrheit und Inszenierung längst nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

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