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17.04.2026
08:29 Uhr

Pekings perfider Propagandakrieg: Wie China Taiwans eigene Stimmen als Waffe einsetzt

Während chinesische Kriegsschiffe und Kampfjets im Dezember vergangenen Jahres massive Militärmanöver rund um Taiwan durchführten, tobte zeitgleich eine ganz andere Schlacht – eine, die nicht mit Raketen, sondern mit Algorithmen und Videoclips geführt wird. Auf Douyin, der chinesischen Version von TikTok, veröffentlichte ein Nachrichtenportal der Kommunistischen Partei ein 51-Sekunden-Video der taiwanesischen Oppositionsführerin Cheng Li-wun, in dem diese Präsident Lai Ching-te beschuldigte, chinesische Aggression geradezu herauszufordern. Lai treibe alle 23 Millionen Taiwanesen in eine „Sackgasse, einen Weg in den Tod", so Cheng. Binnen kürzester Zeit tauchte der Clip auf Facebook, YouTube und anderen in Taiwan populären Plattformen auf.

Die Mechanik der Manipulation

Was hier geschieht, ist nichts Geringeres als ein systematischer Informationskrieg – und er hat eine erschreckend raffinierte Dimension erreicht. Chinesische Staatsmedien verstärken gezielt die Stimmen taiwanesischer Kritiker der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), darunter Influencer und Politiker der oppositionellen Kuomintang (KMT). Das belegen Daten der in Taipeh ansässigen Forschungsgruppe IORG, die von fünf taiwanesischen Sicherheitsbeamten bestätigt werden.

Die Vorgehensweise ist so simpel wie effektiv: China importiert öffentliche Aussagen führender KMT-Vertreter und anderer Oppositionsfiguren, die sich kritisch über die taiwanesische Regierung äußern, und schleust sie in einer wahren Flut anti-DPP-Botschaften durch chinesische Staatsmedien und soziale Netzwerke. Diese Clips werden anschließend weiterverbreitet, oft neu verpackt und so aufbereitet, dass Chinas Urheberschaft verschleiert wird. Vertraute Stimmen und Akzente klingen eben glaubwürdiger als die plumpe Propaganda eines fremden Staates.

Erschreckende Zahlen belegen das Ausmaß

Die Dimensionen dieser Kampagne sind beeindruckend – und beunruhigend zugleich. Im vierten Quartal 2025 wurden rund 560.000 Videos auf Douyin von 1.076 Accounts veröffentlicht, die offiziellen Medien der Kommunistischen Partei zugeordnet werden. Etwa 18.000 dieser Videos befassten sich mit Taiwan. Mittels Gesichtserkennungstechnologie identifizierte IORG 57 taiwanesische Persönlichkeiten in 2.730 Clips. Die Anzahl der Videos mit taiwanesischen Stimmen habe sich im Oktober und November gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, die monatliche Sendezeit sei um 164 Prozent auf 369 Minuten gestiegen.

Besonders aufschlussreich ist die Zusammensetzung der meistzitierten Personen: Von den 25 am häufigsten vorkommenden taiwanesischen Figuren seien 13 der KMT zuzuordnen – von amtierenden Abgeordneten über Parteivertreter bis hin zu ehemaligen Regierungsbeamten früherer KMT-geführter Regierungen. Zwei weitere gehörten einer kleinen Partei an, die die Wiedervereinigung mit China unterstütze, während zehn als Influencer bekannt seien, die regelmäßig die regierende DPP kritisieren.

Oppositionsführerin als unfreiwilliger Propagandastar

KMT-Chefin Cheng Li-wun rangierte als meistgezeigte taiwanesische Persönlichkeit in den chinesischen Clips – sie tauchte in 460 Videos auf 68 Douyin-Accounts auf und generierte mehr als fünf Millionen Interaktionen. Die Videos verstärkten ihre Aufrufe zum „Frieden" mit China, ihre Kritik an Präsident Lai als „Marionette" externer Kräfte und ihre Darstellung der DPP-Haltung zur taiwanesischen Unabhängigkeit als destruktiv. Die KMT verteidigte sich mit der Erklärung, Chengs Äußerungen spiegelten die „Mainstream-Bestrebungen des taiwanesischen Volkes nach Frieden" wider. Selbst wenn chinesische Staatsmedien vermehrt taiwanesische Stimmen einbezögen, basiere dies auf der „Vielfalt der öffentlichen Meinung, die in Taiwan bereits existiert".

Man muss kein Geopolitik-Experte sein, um die Naivität – oder Kalkül – hinter dieser Argumentation zu erkennen. Cheng traf sich erst kürzlich mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking, wo dieser erklärte, KMT und Kommunistische Partei müssten „politisches gegenseitiges Vertrauen festigen" und „gemeinsam eine strahlende Zukunft der Wiedervereinigung des Vaterlandes schaffen". Deutlicher kann man die Absichten kaum formulieren.

Pensionierte Generäle und Bodybuilder als nützliche Idioten

Neben Politikern bedient sich Peking auch prominenter Influencer und pensionierter Militärs. Der Bodybuilder Holger Chen Chih-han, der besonders bei jüngeren Zielgruppen beliebt sei, gratulierte China in einem YouTube-Livestream Ende September zum Nationalfeiertag mit den Worten „Alles Gute zum Geburtstag, Vaterland" und erklärte, die Menschen in Taiwan und China seien „eine Familie". Kurze Ausschnitte dieser Sendung wurden anschließend von chinesischen Staatsmedien weiterverbreitet.

Noch brisanter: Fünf pensionierte hochrangige taiwanesische Militäroffiziere tauchen regelmäßig in den Videos auf und kritisieren die DPP sowie Taiwans Verteidigungsfähigkeiten. Ein ehemaliger Armee-Oberst behauptete in einem von China News Service veröffentlichten Video, chinesische Drohnen seien während der Dezember-Manöver unbemerkt in Taiwan eingedrungen – und deutete an, China könnte einen Enthauptungsschlag gegen „pro-Unabhängigkeits-Führer" im Schlaf durchführen. Taiwans Verteidigungsministerium wies die Drohnen-Behauptung zurück. Taiwans Festlandrat äußerte die Hoffnung, die pensionierten Offiziere mögen „die öffentliche Wahrnehmung im Auge behalten" und dürften „den Eid nicht vergessen, den sie einst geschworen haben, Taiwan treu zu sein".

Das strategische Kalkül hinter der Kampagne

Das Ziel dieser ausgeklügelten Informationsoffensive ist vielschichtig. Zum einen soll die DPP-Regierung diskreditiert werden, die Peking der Unabhängigkeitsbestrebungen bezichtigt. Zum anderen – und das ist militärstrategisch besonders relevant – zielt die Kampagne offenbar darauf ab, die taiwanesische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass Chinas militärische Übermacht so erdrückend sei, dass es sinnlos wäre, 40 Milliarden Dollar für zusätzliche Verteidigungsausgaben und amerikanische Waffen auszugeben.

Bonnie Glaser, Leiterin des Indo-Pazifik-Programms beim German Marshall Fund, brachte es auf den Punkt: Die Botschaftsflut schaffe „ein Umfeld, in dem China leichter Unterstützung gewinnen kann, weil seine Strategie wirklich darauf abzielt, die Moral zu senken, ein Gefühl psychologischer Verzweiflung einzuflößen, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie keine Zukunft in der Autonomie haben und ihre beste Option darin besteht, sich China anzuschließen".

Taiwans Gegenwehr – und die Lehren für den Westen

Taiwan reagiert auf diese Bedrohung mit verstärkter Medienkompetenz-Schulung und psychologischer Resilienz seiner Streitkräfte. Präsident Lais Büro betonte, dass Frieden in der Taiwanstraße „auf Stärke aufgebaut sein muss, nicht auf Zugeständnissen an autoritären Druck". Taiwans Geheimdienst registrierte im vergangenen Jahr über 45.000 Sets unauthentischer Social-Media-Accounts und 2,3 Millionen Desinformationsinhalte zu China-Taiwan-Themen. Ein Zivilschutzhandbuch, das die Regierung an alle Haushalte verteilte, stellte sogar vorsorglich klar, dass bei erhöhten Spannungen mit China jegliche Behauptungen über eine Kapitulation Taiwans als falsch zu betrachten seien.

Was sich hier im Pazifik abspielt, sollte auch in Europa – und ganz besonders in Deutschland – aufmerksam verfolgt werden. Denn die Methoden, die Peking gegen Taiwan einsetzt, sind keineswegs auf den asiatischen Raum beschränkt. Informationskriegsführung, die Instrumentalisierung innenpolitischer Spaltungen und die gezielte Unterwanderung demokratischer Diskurse durch autoritäre Regime sind Phänomene, die auch westliche Demokratien zunehmend betreffen. Deutschland, das sich unter der neuen Regierung Merz gerade erst mühsam aus der sicherheitspolitischen Lethargie der Ampel-Jahre zu befreien versucht, täte gut daran, aus Taiwans Erfahrungen zu lernen.

Denn eines zeigt der Fall Taiwan mit erschreckender Klarheit: Wer seine Verteidigung vernachlässigt und innenpolitische Spaltungen nicht ernst nimmt, macht sich zum leichten Ziel für autoritäre Mächte. Stärke – militärisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich – bleibt der beste Garant für Frieden. Eine Lektion, die man auch in Berlin endlich beherzigen sollte, statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren.

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