
Ostdeutschlands Landwirtschaft vor dem Kollaps: Wenn der Nachwuchs flieht und die Politik versagt
Die deutsche Landwirtschaft steht vor einem dramatischen Generationswechsel – oder besser gesagt: Sie steht davor, dass es keinen mehr geben wird. Während in Brüssel über Fördermillionen debattiert wird, kämpfen junge Landwirte wie der 27-jährige Christian Braune aus Brandenburg ums nackte Überleben. Seine Geschichte offenbart das ganze Ausmaß einer verfehlten Agrarpolitik, die kleine Familienbetriebe systematisch in den Ruin treibt.
David gegen Goliath auf ostdeutschen Äckern
Mit seinen knapp 50 Hektar wirkt Braune wie ein Zwerg zwischen den Agrargiganten Ostdeutschlands, wo Betriebe durchschnittlich über 200 Hektar bewirtschaften. Doch was ihn wirklich zum Nebenerwerb zwingt, ist nicht nur die Größe – es ist ein System, das kleine Betriebe strukturell benachteiligt. Die EU-Förderung, die nach Hektarzahl verteilt wird, bevorzugt die Großen. Ein Teufelskreis, der junge Landwirte bereits an der Startlinie scheitern lässt.
Besonders perfide: Während die Bundesregierung von regionaler Landwirtschaft und Nachhaltigkeit schwadroniert, importiert sie gleichzeitig zollfrei Getreide aus der Ukraine und drückt damit die heimischen Preise in den Keller. Die Produktionskosten haben sich verdoppelt, die Erzeugerpreise sind im freien Fall. Wer soll da noch investieren?
Bürokratiewahnsinn statt Bauernhilfe
Als wäre der wirtschaftliche Druck nicht genug, erstickt die ausufernde Bürokratie jeden Funken Unternehmertum. Braune berichtet von nächtlichen Antragsmarathons, Push-Nachrichten, die Feldfotos aus mehreren Richtungen fordern, und Zertifikatsnachweisen, die trotz digitaler Verfügbarkeit manuell hochgeladen werden müssen. Ein Irrsinn, der Zeit und Nerven kostet – Ressourcen, die ein Landwirt nicht hat.
"Ich habe einmal stundenlang versucht, Bäume einzutragen, die Teil meines Systems sind, aber das Programm war dafür gar nicht ausgelegt."
Diese Aussage zeigt exemplarisch, wie realitätsfern die Verwaltung agiert. Während in Berlin über Digitalisierung philosophiert wird, scheitern Landwirte an Software, die ihre Arbeitsrealität nicht abbilden kann.
Die psychische Last des Bauernstands
Was die Politik gerne verschweigt: Landwirte haben nach englischen Studien die zweithöchste Suizidrate aller Berufsgruppen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie Kredite über 20 bis 30 Jahre aufnehmen müssen, während sich Gesetze und Auflagen alle paar Jahre ändern. Planungssicherheit? Fehlanzeige. Stattdessen hagelt es Kritik von allen Seiten – online, in den Medien, im Dorf.
Braune erzählt von nächtlichen Spritzfahrten mit Mikronährstoffen, die sofort als Giftattacke missverstanden werden. Die Gesellschaft fordert regionale, nachhaltige Lebensmittel, will aber weder dafür zahlen noch die Realität der Produktion akzeptieren. Ein Spagat, der viele zerreißt.
Der Import-Wahnsinn und seine Folgen
Besonders bitter: Während deutsche Landwirte höchste Umwelt- und Sozialstandards erfüllen müssen, flutet Billigware aus dem Ausland den Markt. In Sachsen wurden bereits Hunderte Hektar Apfelbäume gerodet – die Ernte lohnt sich nicht mehr, wenn polnische oder mexikanische Äpfel zum Spottpreis importiert werden. Die Große Koalition unter Friedrich Merz verspricht zwar Unterstützung für die heimische Landwirtschaft, doch die Realität sieht anders aus.
Innovation als letzter Strohhalm?
Trotz allem gibt Braune nicht auf. Er setzt auf Agroforstsysteme, pflanzt Baumstreifen gegen Winderosion und experimentiert mit neuen biologischen Verfahren. Doch auch hier bremst die Politik: Feldroboter dürfen nur 1,5 km/h fahren – bis sich die Vorschriften wieder ändern und die teure Investition zur Fehlanschaffung wird.
Die Wahrheit ist unbequem: Deutschlands Agrarpolitik treibt eine ganze Generation junger Landwirte in die Flucht. Während in Brüssel über Verdopplungen von Zuschlägen diskutiert wird, die am Ende doch nur den Großbetrieben zugutekommen, stirbt die kleinbäuerliche Landwirtschaft einen leisen Tod. Was bleibt, sind industrielle Agrarfabriken und Importabhängigkeit – genau das Gegenteil dessen, was eine verantwortungsvolle Politik anstreben sollte.
Die bittere Erkenntnis: Wer regionale Lebensmittel will, muss endlich aufhören, diejenigen zu schikanieren, die sie produzieren. Sonst werden wir bald feststellen, dass unsere Äcker zwar noch da sind – aber niemand mehr, der sie bestellt.
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