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Kettner Edelmetalle
26.05.2026
06:01 Uhr

Industrieller Kahlschlag am Niederrhein: Venator dreht in Krefeld endgültig den Hahn zu

Industrieller Kahlschlag am Niederrhein: Venator dreht in Krefeld endgültig den Hahn zu

Es ist ein weiteres trauriges Kapitel im fortschreitenden Niedergang der deutschen Chemieindustrie: Der Spezialchemie-Hersteller Venator schließt zum Ende des Monats Mai seinen Standort im Chempark Krefeld-Uerdingen. Mehr als 380 Beschäftigte verlieren damit ihre Arbeit. Nach einer monatelangen, letztlich vergeblichen Suche nach einem Investor zieht der Insolvenzverwalter nun die Reißleine. Was bleibt, ist ein weiterer leerer Industriestandort am Niederrhein – und die bittere Erkenntnis, dass der einst stolze Chemiestandort Deutschland Stück für Stück abgewickelt wird.

Wenn kein Käufer mehr klopft

Die Hoffnung war lange Zeit dünn, doch sie existierte. Der Insolvenzverwalter führte Gespräche, sondierte den Markt, suchte nach einem Retter. Vergeblich. Kein Investor sah sich offenbar in der Lage, am Standort Krefeld-Uerdingen eine tragfähige Zukunft zu gestalten. Und das hat Gründe, die weit über das einzelne Unternehmen hinausreichen. Wer würde sich heute noch ein Chemiewerk in Deutschland ans Bein binden, wo die Energiekosten in astronomische Höhen geschossen sind, die Bürokratie jeden unternehmerischen Atemzug ersticken will und die politischen Rahmenbedingungen so stabil wirken wie ein Kartenhaus im Sturm?

Produktion stand bereits seit September still

Wirklich überraschend kommt die Entscheidung für die Belegschaft nicht. Bereits seit September 2025 ruhte die Produktion in Uerdingen. Ein Werk ohne laufende Bänder ist im Grunde nur noch eine teure Immobilie mit Vergangenheit. Genau diese Stille war es auch, die potenzielle Käufer abschreckte. Wer übernimmt schon einen Standort, der erst wieder hochgefahren werden müsste – mit allen Risiken, Investitionskosten und unsicheren Renditeperspektiven? Die monatelange Stilllegung wirkte wie ein Todesurteil auf Raten.

Eine Transfergesellschaft als magere Trostpflaster

Für die Betroffenen soll nun eine Transfergesellschaft den schroffen Übergang abfedern. Sie soll qualifizieren, vermitteln und beim Sprung in den nächsten Job helfen. Doch machen wir uns nichts vor: Eine Transfergesellschaft ist kein Ersatz für einen sicheren Arbeitsplatz in einem gut bezahlten Industriejob. Sie ist ein bürokratisches Pflaster auf eine klaffende Wunde. Familien in Krefeld stehen vor existenziellen Fragen, während die Politik weiterhin Pressemitteilungen über die angeblich erfolgreiche Transformation der deutschen Wirtschaft verschickt.

Krefeld verliert ein Stück industrielle Identität

Der Chempark Uerdingen ist seit Generationen einer der traditionsreichsten Chemiestandorte der Republik. Jeder Einschnitt dort wirkt wie ein Schlag ins Herz der regionalen Wirtschaft. Zulieferer, Dienstleister, das Handwerk, die Gastronomie – sie alle leben mittelbar vom Puls der großen Werke. Wenn ein Betrieb wie Venator stirbt, bluten viele kleinere mit. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern industrielle Realität, wie sie Ökonomen seit Jahren beschreiben.

Symptom eines systemischen Problems

Wer den Fall Venator isoliert betrachtet, übersieht das größere Bild. Wacker Chemie streicht 1.300 Stellen in Burghausen. BASF baut massiv ab, verlagert Investitionen nach China und in die USA. Lanxess kämpft, Evonik kämpft, der gesamte Mittelstand der Branche ächzt. Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein Muster. Die deutsche Chemieindustrie, einst Aushängeschild und Beschäftigungsgarant, wird von einer Politik in die Knie gezwungen, die Ideologie über industriepolitische Vernunft stellt.

Die Gründe sind altbekannt und werden seit Jahren von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Unternehmensführern wie ein Mantra wiederholt: Strompreise, die in der Spitze das Drei- bis Vierfache vergleichbarer Industrieländer betragen. Eine Bürokratie, die jede Genehmigung zur Geduldsprobe macht. Eine CO₂-Politik, die deutsche Standorte einseitig belastet, während die Konkurrenz aus Asien und Amerika weiterproduziert wie bisher. Und ein politisches Klima, in dem Industrie zunehmend als Problem statt als Wohlstandsmotor wahrgenommen wird.

Die neue Bundesregierung – alter Wein in neuen Schläuchen?

Seit Mai 2025 regiert in Berlin eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Kanzler Friedrich Merz. Mit 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur soll der Standort gerettet werden. Doch was nützt es einem Chemiewerk in Uerdingen, wenn anderswo Brücken saniert werden? Die strukturellen Probleme – horrende Energiekosten, ideologische Klimavorgaben, regulatorische Lähmung – bleiben weitgehend ungelöst. Stattdessen wurde die Klimaneutralität bis 2045 sogar im Grundgesetz verankert. Wer hier von einer wirtschaftspolitischen Trendwende spricht, sollte den Beschäftigten von Venator einmal direkt in die Augen schauen.

Was bleibt: Sachwerte als Anker in stürmischer See

Die Schließungen wie jene bei Venator sind mehr als betriebswirtschaftliche Einzelfälle. Sie sind Warnsignale für jeden, der sein Erspartes in einer Volkswirtschaft anlegt, deren industrielle Substanz Stück für Stück erodiert. Wer auf eine starke deutsche Wirtschaft setzt, sollte sich angesichts solcher Nachrichten zumindest die Frage stellen, wie krisenfest sein Portfolio aufgestellt ist. Historisch betrachtet haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber in Phasen industrieller Umbrüche, hoher Inflation und geopolitischer Spannungen ihren Wert als verlässlicher Anker bewiesen. Sie eignen sich nicht als Allheilmittel, wohl aber als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Für Krefeld bleibt vorerst nur die nüchterne Bilanz: Ein weiterer Industriebetrieb verschwindet. Mehr als 380 Familien stehen vor einer ungewissen Zukunft. Und Deutschland verliert ein weiteres Stück jener Wertschöpfung, die einmal das Fundament seines Wohlstands bildete. Wer das achselzuckend hinnimmt, hat die Tragweite der Entwicklung nicht verstanden.

Ein Land, das seine Industrie verliert, verliert mehr als nur Arbeitsplätze. Es verliert Wissen, Kompetenz und die Grundlage seines Wohlstands.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und basieren auf den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich selbst umfassend zu informieren und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen. Für getroffene Anlageentscheidungen übernehmen wir keine Haftung.

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