
Gold-Rallye mit Ansage: Jetzt lockt die Marke von 4.700 Dollar

Der Goldpreis hat in nur drei Wochen einen Satz von rund 4.020 auf 4.697 US-Dollar hingelegt – und danach binnen weniger Tage wieder 400 Dollar abgegeben. Wer in diesem Sommer auf ruhige Märkte gehofft hatte, wurde eines Besseren belehrt. Die entscheidende Frage lautet nun: War das schon der Höhepunkt – oder erst die Ouvertüre?
19 Prozent bei Gold, 30 Prozent bei Silber
Vom Korrekturtief bei 3.942 US-Dollar am 30. Juni aus hat sich Gold laut der vorliegenden Analyse um 19,15 Prozent erholt. Silber fand seinen Boden erst am 17. Juli bei 54,74 US-Dollar – und schoss anschließend bis auf 71,16 US-Dollar nach oben.
Macht rund 30 Prozent Plus für das kleine Edelmetall. Silber bleibt damit seinem Ruf treu: Es folgt Gold, aber mit deutlich schärferer Klinge – nach oben wie nach unten.
Der Finanzminister greift ein – gleich zweimal
Ausgelöst wurde die Bewegung nach Einschätzung der Analyse durch das Eingreifen von US-Finanzminister Scott Bessent am Devisenmarkt Ende Juli, als er zugunsten des japanischen Finanzministeriums in den Yen-Kurs intervenierte. Der Yen legte binnen eines Monats über fünf Prozent gegenüber dem Dollar zu.
Das klingt technisch, hat aber Sprengkraft: Carry-Trader, die sich billig in Yen verschuldet und damit US-Staatsanleihen gekauft haben, könnten zu Verkäufen gezwungen werden. Genau jene Nachfrage nach US-Papieren, die Washington dringend braucht, gerät ins Wanken.
Prompt folgte der zweite Eingriff. Nachdem die Rendite 30-jähriger US-Anleihen Mitte August zeitweise ein 19-Jahres-Hoch erreicht hatte, kündigte Bessent überraschend eine Ausweitung der Treasury-Rückkäufe an – mindestens eine Verdopplung auf vier Milliarden Dollar pro Operation. Er selbst betonte, es gehe nicht um ein bestimmtes Zinsniveau, sondern darum, „disorderly moves“ zu verhindern.
„Operation Twist light“ – und wachsende Kritik
Am Markt wurde das Manöver als „Operation Twist light“ gedeutet. Kritiker wie Investor Stanley Druckenmiller hätten davor gewarnt, dass hier eine gefährliche Grenze zwischen Haushalts- und Geldpolitik verwischt werde, und stattdessen eine ernsthafte Konsolidierung der Staatsfinanzen gefordert.
Wer die deutsche Debatte um das 500-Milliarden-Sondervermögen verfolgt, kennt das Muster: Erst wird die Schuldenlast gestapelt, dann sucht man nach Wegen, sie erträglich zu machen. Für Sparer ist beides selten ein gutes Zeichen.
Warshs Warnschuss aus Jackson Hole
Für den scharfen Rücksetzer auf 4.282 US-Dollar sorgten hawkische Töne beim Notenbankertreffen in Jackson Hole. Fed-Chef Kevin Warsh bekannte sich Medienberichten zufolge Ende August klar zum Zwei-Prozent-Ziel und bezeichnete die zuletzt bei 3,7 Prozent verharrende PCE-Inflation als besorgniserregend – am Terminmarkt sprang die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September daraufhin auf rund 60 Prozent.
Doch die Käufer kamen zurück, und zwar exakt an der alten Widerstandszone zwischen 4.280 und 4.320 Dollar, die nun als Unterstützung dient. Die 200-Tage-Linie liegt bei 4.534 Dollar, die 50-Tage-Linie bei 4.240 Dollar.
Ausblick: Seitwärts mit Ausbruchsoption
Für den September rechnet die Analyse primär mit einer Pendelbewegung zwischen beiden Durchschnittslinien – mit der Option auf einen erneuten Vorstoß Richtung 4.700 US-Dollar. Bremsend wirken könnten der historische „September-Effekt“ an den Aktienmärkten und die traditionelle Nervosität vor US-Zwischenwahlen.
Unterm Strich zeigt dieser Sommer vor allem eines: Die Stützungsmechanismen des Dollar-Systems arbeiten sichtbar am Limit. Physisches Gold und Silber sind kein Renditeversprechen – aber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein bewährtes Gegengewicht zu Papierwerten und Notenbankpolitik.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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