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Kettner Edelmetalle
30.07.2026
09:17 Uhr

Feuer am Golf: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt

Feuer am Golf: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt

Die kurze Atempause im Nahen Osten war offenbar nur eine Verschnaufpause zum Nachladen. Nach knapp zwei Wochen amerikanischer Luftschläge gegen den Iran und einer Handvoll ruhiger Tage lodert der Krieg nun an gleich mehreren Fronten wieder auf – und zieht dabei Staaten in den Sog, die eigentlich Zuschauer bleiben wollten. Der Irak, Jordanien, Saudi-Arabien, das Rote Meer, die Straße von Hormus: Die Landkarte des Konflikts wird mit jedem Tag größer, die Zahl der Beteiligten unübersichtlicher.

Raketen, Drohnen und ein „versuchter Überraschungsangriff“

Am Dienstag feuerten die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben ballistische Raketen auf amerikanische Streitkräfte in der Region. Das US-Regionalkommando Centcom sprach von einem versuchten Überraschungsangriff und erklärte, sämtliche Geschosse seien abgefangen worden. Ziel seien nach iranischer Darstellung ein US-Luftwaffenstützpunkt sowie ein Centcom-Zentrum in Jordanien gewesen. Unabhängig überprüfen lässt sich das alles nicht – wie so vieles in diesem Krieg, in dem Pressemitteilungen längst zur Munitionsgattung geworden sind.

Jordanien, jener Staat, der sich in der Region seit Jahrzehnten mühsam als Puffer behauptet, meldete den Abschuss von fünf Raketen durch die eigene Luftabwehr. Wenige Stunden später flogen amerikanische und – ein Novum – saudische Kampfjets Angriffe auf Waffenlager und Logistikstandorte im Osten des Irak. Begründung: Mehr als dreißig Drohnenattacken innerhalb von 72 Stunden gegen US-Truppen und saudische Energieanlagen, gesteuert aus Teheran. Belege für diese Steuerung? Wurden nicht vorgelegt. Man kennt das Muster aus früheren Kriegen dieser Region, und es hat selten zu Frieden geführt.

Bagdad zwischen Hammer und Amboss

Die irakischen Volksmobilisierungskräfte, die formal zum Sicherheitsapparat des Landes gehören, meldeten Tote und Verletzte sowie zerstörte Gebäude. Ein Dachverband schiitischer Milizen wies jede Verantwortung für die Drohnenangriffe zurück und nannte die Vorwürfe Erfindungen; die Flugkörper könnten ebenso von der Huthi-Miliz im Jemen gestartet worden sein. Die Regierung in Bagdad ordnete Ermittlungen an und erklärte, das eigene Staatsgebiet werde nicht als Startbahn für Angriffe auf Nachbarn dienen. Ein tapferer Satz – nur fehlt dem irakischen Staat seit Jahren die Kraft, ihn durchzusetzen.

Wer im Nahen Osten von Souveränität spricht, meint meist die Hoffnung darauf. Faktisch entscheiden Milizen, Öltanker und Satellitenbilder, wer wo das Sagen hat.

Der eigentliche Kriegsschauplatz heißt Energie

Interessant ist, wohin die Drohnen fliegen: in die saudische Ostprovinz, in das Herz der globalen Erdölförderung. Zwei Tage in Folge fing Riad Flugkörper ab, die es aus dem Irak kommend meldete. Parallel erklärte die Huthi-Miliz, einen saudischen Tanker mit Raketen zur Umkehr gezwungen zu haben; eine Blockade saudischer Schiffe hatte sie bereits angekündigt. Die britische Seefahrtsbehörde registrierte Explosionen nahe einem Tanker im südlichen Roten Meer.

Und in der Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases lief, melden die Revolutionsgarden das Anhalten von drei Tankern. Man beansprucht die Kontrolle über die Meerenge und lässt keinen Zweifel, dass amerikanische Anweisungen an Reedereien nicht unbeantwortet blieben. Der Oman versucht zu vermitteln, mit einem Modell gemeinsamer Überwachung und freiwilliger Beiträge der Reeder. Washington lehnt Gebühren ab. Verhandlungspositionen, die weiter auseinanderliegen als die beiden Ufer der Meerenge.

87 Dollar – und das ist erst der Anfang der Rechnung

Die Märkte reagierten prompt: Brent kletterte zeitweise um mehr als drei Dollar auf 87,39 US-Dollar je Barrel. Für Deutschland ist das keine Randnotiz aus dem Wirtschaftsteil, sondern eine Nachricht, die in jeder Heizkostenabrechnung und an jeder Tankstelle ankommt. Ein Industrieland, das seine Kernkraftwerke aus ideologischer Verbohrtheit abgeschaltet hat, dessen Energiepolitik jahrelang von moralischer Selbstvergewisserung statt von Versorgungssicherheit getrieben wurde, steht in solchen Momenten besonders nackt da. Wer Grundlast durch Hoffnung ersetzt, importiert am Ende die Risiken fremder Kriege.

Und die Berliner Politik? Die Große Koalition unter Kanzler Merz beschäftigt sich lieber mit Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe, mit Klimazielen im Grundgesetz und mit der Verwaltung ihrer eigenen Widersprüche. Eine strategische Energiereserve, robuste Lieferketten, eine ehrliche Debatte über Kernenergie – das wäre Vorsorge. Stattdessen bleibt Deutschland Preisnehmer und Bittsteller, während andere Staaten Fakten schaffen.

Was der Bürger daraus lernen kann

Der Krieg begann Ende Februar mit gemeinsamen Angriffen Israels und der USA auf den Iran; Israel war an den jüngsten Schlägen im Irak nach bisherigen Angaben nicht beteiligt, wohl aber fiel die Eskalation mit einem Besuch Netanjahus im Weißen Haus zusammen. Ob Trumps Wechselspiel aus Bombardierung und angekündigten Gesprächen aufgeht, ist offen – Teheran bestreitet, überhaupt verhandeln zu wollen.

Für Sparer und Anleger bleibt eine Erkenntnis, die keine Nachrichtenlage entkräftet: In Zeiten, in denen Seewege zur Verhandlungsmasse und Energiepreise zur Waffe werden, zeigt sich der Wert von Vermögen, das keine Gegenpartei, kein Emittent und keine Zentralbank ausfallen lassen kann. Physisches Gold und Silber sind kein Renditeversprechen, sondern eine Versicherung gegen genau jene Nächte, in denen Raketen fliegen und Kurse zittern. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Portfolios haben Edelmetalle in einer Welt, die täglich unruhiger wird, ihre Rolle nie eingebüßt.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar und beruht auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie der Einschätzung unserer Redaktion. Er begründet keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten, Rohstoffen oder sonstigen Vermögenswerten. Märkte unterliegen Kursschwankungen, Verluste sind möglich. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und Entscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen; im Zweifel sollte fachkundiger Rat eingeholt werden. Eine Haftung für Vermögensdispositionen, die auf Grundlage dieses Textes getroffen werden, ist ausgeschlossen.

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