
Fernandes-Affäre: Wenn ein Instagram-Quiz die eigene Glaubwürdigkeit zerlegt

Was als vermeintlicher Skandal um sexualisierte Deepfakes begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Lehrstück darüber, wie persönliche Rosenkriege, willfährige Medien und politische Agenda-Setter ein explosives Gemisch bilden können. Die Fernsehdarstellerin Collien Fernandes hat mit einem neuen Instagram-Beitrag die ohnehin schon verwirrende Gemengelage um die Vorwürfe gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen noch weiter verkompliziert – und dabei ihre eigene Glaubwürdigkeit erheblich beschädigt.
Deepfake oder doch nicht? Die wundersame Wandlung einer Anschuldigung
Der Reihe nach: Fernandes hatte ihrem früheren Ehemann vorgeworfen, pornografisches Bildmaterial unter ihrem Namen an andere Männer verschickt zu haben. In einem Statement gegenüber dem Nachrichtenportal Nius hatte sie noch ausdrücklich klargestellt, dass es sich dabei nicht um KI-generierte Deepfakes handele, sondern um reale pornografische Videos. Ein wesentlicher Unterschied, der in der öffentlichen Debatte jedoch geflissentlich untergegangen war.
Nun jedoch die Kehrtwende. In einem als rhetorisches Quiz verpackten Instagram-Post stellte Fernandes plötzlich in den Raum, dass es sich bei dem fraglichen Material doch um Deepfakes gehandelt haben könnte. Ihre Argumentation: Wenn ihr Männer berichteten, sie hätten ein „Gangbangvideo" von ihr gesehen – und zwar tatsächlich von ihr und nicht von Frauen, die ihr lediglich ähnlich sähen –, dann gebe es nur zwei Möglichkeiten. Entweder habe bei ihrem „letzten Gangbang" eine Kamera mitgelaufen, oder es handele sich um einen Deepfake. Die rhetorische Frage, was wohl wahrscheinlicher sei, ließ sie unbeantwortet im Raum stehen.
Ein gefundenes Fressen für die Regulierungslobby
Dieser scheinbar beiläufige Schwenk ist alles andere als harmlos. Denn der gesamte Fall war durch eine Spiegel-Titelstory ins Rollen gebracht worden, die den Anschein erweckte, es ginge primär um das Thema Deepfakes. Genau diese Darstellung wurde von Politikern und Aktivisten dankbar aufgegriffen, um eine verschärfte Regulierung des Internets zu fordern. SPD-Justizministerin Stefanie Hubig nutzte die Gelegenheit, um ein Verbot der Erstellung sexualisierter Deepfakes auf die politische Agenda zu setzen – eine Forderung, die bereits im Februar in Form eines fertigen Gesetzentwurfsvorschlags an ihr Ministerium herangetragen worden war.
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier ein bemerkenswertes Zusammenspiel zu erkennen. Eine Spiegel-Titelstory, die den Deepfake-Aspekt in den Vordergrund rückt. Eine ad hoc genehmigte Demonstration vor dem Brandenburger Tor. Ein fertiger Gesetzentwurf, der wie bestellt aus der Schublade gezogen wird. Und mittendrin eine Protagonistin, die ihre eigenen Vorwürfe offenbar je nach Bedarf nachjustiert. Die Choreografie wirkt so perfekt, dass selbst ein wohlwollender Beobachter ins Grübeln geraten muss.
Wenn die Presse zum Feind wird, den man selbst gerufen hat
Besonders pikant ist Fernandes' Seitenhieb gegen die Medien. Sie verfluche die Presse dafür, dass sie „im 5-Minuten-Takt 30-seitige Fragebögen" erhalte, die sie bitte schnellstmöglich beantworten möge. Eine bemerkenswerte Beschwerde von jemandem, der die mediale Aufmerksamkeit zunächst aktiv gesucht und die Vorwürfe über eine der größten deutschen Nachrichtenredaktionen lanciert hatte. Wer die Geister ruft, sollte sich nicht wundern, wenn sie auch unbequeme Fragen stellen.
Christian Ulmens Anwalt, der renommierte Presserechtler Christian Schertz, hatte den Spiegel-Artikel bereits als „in großen Teilen unzulässige Verdachtsberichterstattung" bezeichnet, in der „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung" verbreitet würden. Genauere Angaben dazu blieb er bislang allerdings schuldig.
Die eigentlichen Leidtragenden bleiben unsichtbar
Was bei dieser ganzen Inszenierung auf der Strecke bleibt, ist die nüchterne Wahrheitsfindung. Gibt es diese Videos überhaupt? Wer sind die Männer, die Fernandes angeblich kontaktiert haben? Liegen den Ermittlungsbehörden Beweise vor? All diese grundlegenden Fragen verschwinden hinter einem Nebel aus rhetorischen Quiz-Spielchen, emotionalen Instagram-Posts und politischer Instrumentalisierung.
Und während sich die Republik über die Eheprobleme einer B-Prominenten echauffiert, während Demonstrationen organisiert und Gesetzentwürfe geschrieben werden, bleiben die wirklichen Opfer von Gewalt und Kriminalität in diesem Land weitgehend unsichtbar. Kein Spiegel-Titel für die Opfer von Messerattacken. Keine Demonstration vor dem Brandenburger Tor für die Bürger, die sich in ihren eigenen Städten nicht mehr sicher fühlen. Keine fertigen Gesetzentwürfe gegen die explodierende Straßenkriminalität, die nach Meinung eines Großteils der Bevölkerung auf eine verfehlte Politik der vergangenen Jahre zurückzuführen ist.
Der Fall Fernandes-Ulmen offenbart einmal mehr, wie selektiv Empörung in Deutschland funktioniert – und wie bereitwillig sich Medien, Politik und Aktivisten zusammenfinden, wenn es darum geht, persönliche Dramen für die eigene Agenda zu instrumentalisieren. Ob am Ende dieses Schauspiels tatsächlich die Wahrheit steht oder lediglich ein weiteres Gesetz zur Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet, dürfte eine der spannendsten Fragen der kommenden Wochen sein.
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