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09.03.2026
22:41 Uhr

FDP am Abgrund: Historisches Debakel in Baden-Württemberg – und Dürr klammert sich an den Chefsessel

FDP am Abgrund: Historisches Debakel in Baden-Württemberg – und Dürr klammert sich an den Chefsessel

Was muss eigentlich noch passieren, damit bei den Freien Demokraten die letzten Lichter ausgehen? Nach dem historischen Rauswurf aus dem baden-württembergischen Landtag mit kläglichen 4,4 Prozent klammert sich FDP-Bundesvorsitzender Christian Dürr unbeirrt an sein Amt – und spricht allen Ernstes von „Erneuerung". Man reibt sich die Augen.

Ein Traditionsbruch, der seinesgleichen sucht

Erstmals seit 1952, dem Jahr ihres erfolgreichen Antretens unter dem Namen FDP bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg, haben es die Liberalen nicht mehr ins Stuttgarter Parlament geschafft. Gerade einmal 235.599 Wähler – von über 5,4 Millionen Teilnehmenden – mochten am 8. März 2026 noch ihr Kreuz bei der Partei setzen. Ein Minus von 6,1 Prozentpunkten gegenüber 2021. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist ein Offenbarungseid.

Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke zog immerhin die einzig logische Konsequenz und kündigte noch am Wahlabend seinen Rücktritt vom Landesvorsitz an. Er wolle sich vollständig aus der Bundes- und Landespolitik zurückziehen. Ein Mann, der Verantwortung übernimmt – eine Seltenheit in der deutschen Politik dieser Tage.

Dürr träumt vom Marathon – während die Partei kollabiert

Ganz anders der Bundesvorsitzende. Christian Dürr, der nach dem Rückzug Christian Lindners im Mai 2025 die Parteiführung übernahm, philosophierte im SWR über Marathonläufe und Neuanfänge. Man müsse „bei null" starten, das Vertrauen „Schritt für Schritt zurückgewinnen". Schöne Worte, gewiss. Doch wer soll ihnen noch Glauben schenken?

Die Realität spricht eine brutale Sprache: In Rheinland-Pfalz, wo am 22. März gewählt wird, rangiert die FDP in Umfragen unter den „Sonstigen". In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, wo im Herbst Landtagswahlen anstehen, sieht es nicht besser aus. Die Fünf-Prozent-Hürde gleicht für die FDP mittlerweile dem Mount Everest.

Kubicki spricht Klartext – Dürr hört nicht zu

FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki nannte den Wahlsonntag den „wohl bittersten Tag" seines politischen Lebens. Das Ergebnis sei „desaströs" und „niederschmetternd". Er forderte, dass Führungskräfte der FDP wieder glaubhaft vermitteln müssten, eine echte Wirtschaftswende zu wollen. Personelle Konsequenzen müssten diskutiert werden. Deutlicher kann man es kaum formulieren, ohne den Parteichef direkt beim Namen zu nennen.

Auch Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Chefin im EU-Parlament, sprach von einer „knallharten Niederlage" und forderte, die Partei müsse endlich zeigen, wofür sie stehe. Der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Finn Flebbe, wurde noch deutlicher: Das „Halbjahreszeugnis" des Bundesvorstands verdiene die Note ungenügend. Es habe nach der Bundestagswahl „keinen wirklichen Neuanfang gegeben". Seine Forderung: alte Zöpfe abschneiden – und zwar sofort.

Die Mitte verliert ihre Stimme

Besonders treffend analysierte Ulf Poschardt die Lage. Wenn es nicht einmal die FDP mehr in den Landtag schaffe, sei das ein „düsteres Menetekel für die aufgeriebene Mitte des Landes". Die Fleißigen, die Mutigen, die Unternehmer und Selbstständigen hätten so gut wie keine Stimme mehr in diesem Land. Eine Beobachtung, die man nur unterstreichen kann.

Dass die AfD derweil immer stärker werde, sei eine „Sache der Logik" – in einem Land, in dem migrantische Gewalt alltäglich geworden sei, der öffentlich-rechtliche Rundfunk regelmäßig Fake News produziere und polizeiliche Ermittlungen wegen harmlosester Äußerungen zum Standard geworden seien. Wer sich Veränderung wünsche, finde derzeit nur an den Rändern Angebote. Eine bittere, aber zutreffende Diagnose.

Symbolpolitik statt Substanz

Bezeichnend für den Zustand der FDP ist die Episode um Generalsekretärin Nicole Büttner, die sich wegen einer verlorenen Wette den Kopf rasieren lassen will. Man hatte gewettet, die FDP würde es in den Landtag schaffen. Nun sollen die Haare fallen. Ein Bild, das unfreiwillig zur Metapher für den Zustand der gesamten Partei wird: Die FDP lässt Haare – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die fundamentale Frage bleibt: Braucht Deutschland eine liberale Kraft, die sich konsequent für Wirtschaftsfreiheit, Leistungsgerechtigkeit und den Mittelstand einsetzt? Unbedingt. Doch unter einer Führung, die nach jedem Debakel von „Erneuerung" faselt, ohne auch nur den Hauch einer inhaltlichen Kurskorrektur erkennen zu lassen, wird die FDP diese Rolle nicht ausfüllen können. Die Partei, die einst für wirtschaftliche Vernunft und bürgerliche Freiheit stand, droht in der politischen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden – und ihr Vorsitzender redet von Marathonläufen. Deutschland hätte eine echte liberale Alternative verdient. Was es stattdessen bekommt, ist politisches Theater auf der Intensivstation.

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