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Kettner Edelmetalle
03.07.2026
09:13 Uhr

Europas Gasspeicher gähnen leer: Warum uns die Politik erneut in einen riskanten Winter schlittern lässt

Europas Gasspeicher gähnen leer: Warum uns die Politik erneut in einen riskanten Winter schlittern lässt

Es ist ein Déjà-vu der unangenehmen Sorte. Kaum sind die letzten Sommertage gezählt, richtet sich der Blick der Nation wieder ängstlich auf jene unterirdischen Kavernen, in denen unser Erdgas lagert – oder eben nicht lagert. Europas Gasspeicher füllen sich in einem Tempo, das an gemächliches Tröpfeln erinnert, und ausgerechnet vor dem nächsten Winter drohen die niedrigsten Reserven seit fünfzehn Jahren. Man reibt sich die Augen: Haben wir aus der Energiekrise wirklich nichts gelernt?

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Nach Einschätzung von Wood Mackenzie dürften die Speicher der EU zum Ende der üblichen Befüllungsperiode im Oktober lediglich zu 76 Prozent gefüllt sein. Nach Daten von Gas Infrastructure Europe wäre das der schwächste Stand mindestens seit 2011. Derzeit dümpeln die Speicher bei durchschnittlich 48 Prozent Füllstand. Zum Beginn der Befüllung nach einem ungewöhnlich kalten Winter waren es magere 28 Prozent – deutlich weniger als in normalen Jahren.

„Wir befinden uns in einer kritischen Phase des Sommers, was die Befüllung der europäischen Gasspeicher betrifft", warnt Natasha Fielding, Analystin bei Argus Media. Das begrenzte LNG-Angebot bedeute niedrigere Vorräte zu Winterbeginn und ein steigendes Risiko von Preissprüngen.

Ein Konflikt am anderen Ende der Welt – und wir zittern

Der Grund für die klammen Reserven liegt weit entfernt: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran habe die Produktion in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten gedrosselt. Durch die Straße von Hormus, jene strategisch brisante Meerenge, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Gases fließt, wurden Lieferungen von verflüssigtem Erdgas unterbrochen. Am Donnerstag traf es dort erneut ein Schiff – ein weiterer Rückschlag.

Was uns diese Entwicklung schmerzhaft vor Augen führt: Deutschland und Europa haben sich in eine gefährliche Abhängigkeit manövriert. Erst schaltete man die eigenen Kernkraftwerke ab, dann verabschiedete man sich vom russischen Gas, und nun hängt unsere Versorgung an tropfenden LNG-Terminals in der Wüste, deren Betrieb von geopolitischen Krisen abhängt, die niemand in Berlin oder Brüssel kontrollieren kann. Wer sein Schicksal derart aus der Hand gibt, darf sich über kalte Wohnzimmer und explodierende Rechnungen nicht wundern.

Brüssel senkt die Latte – ist das Vorsicht oder Kapitulation?

Bemerkenswert ist die Reaktion der Europäischen Kommission. Statt auf höhere Reserven zu drängen, senkt man kurzerhand die Zielmarke. Eine Füllung von 80 Prozent, so heißt es aus Brüssel, sei ausreichend. Manchen Mitgliedstaaten empfiehlt man gar nur noch 75 Prozent. In früheren Jahren lag das Ziel bei stattlichen 90 Prozent.

„Wir brauchen ein hohes Niveau, um auf den nächsten Winter vorbereitet zu sein. Aber wir wollen dieses Niveau auf eine Weise erreichen, die kurzfristig nicht die Preise nach oben treibt", erklärte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen.

Man muss diese Logik erst einmal begreifen: Weil man die Preise fürchtet, senkt man die Sicherheitsreserve. Ein Spieler, der weniger Chips auf den Tisch legt, damit das Spiel billiger wird – und dabei völlig ausblendet, dass ihn ein einziger harter Winter alles kosten kann. Nach Berechnungen von Goldman Sachs könnten die Speicher bei ungünstigem Verlauf sogar nur zu 70 Prozent gefüllt in den Winter gehen.

Und als wäre das nicht genug: das Russland-Verbot

Ein zusätzliches Risiko kommt hausgemacht daher. Ab dem 1. Januar will die EU den Import von russischem LNG vollständig verbieten. Dieses macht derzeit immerhin rund 14 Prozent der gesamten europäischen LNG-Einfuhren aus. Ein weiterer Baustein wird also aus dem ohnehin wackeligen Fundament der Versorgung gebrochen – im Namen der Prinzipientreue, während die Rechnung am Ende der deutsche Bürger und der deutsche Mittelständler zahlen.

Deutschland als Leidtragender einer verfehlten Energiepolitik

Für unser Land ist diese Gemengelage besonders brisant. Steigende Gaspreise treffen nicht nur den privaten Haushalt, der schon jetzt unter der Last von Steuern, Abgaben und Inflation ächzt. Sie treffen vor allem die energieintensive Industrie – jenes Rückgrat unserer Wirtschaft, das ohnehin unter Deindustrialisierung, überbordender Bürokratie und ideologiegetriebener Klimapolitik leidet. Die Referenzpreise liegen aktuell bei etwa 40 Euro je Megawattstunde, noch in einer üblichen Spanne. Doch die Ruhe könnte trügerisch sein.

Man erinnere sich an den Höchststand von 342 Euro je Megawattstunde nach dem russischen Einmarsch 2022. So schnell kann es gehen, wenn die Politik auf Hoffnung statt auf Vorsorge setzt. Die deutsche Wirtschaft wird für Fehler bezahlen, deren unmittelbare Ursache zwar außerhalb Europas liegt, deren wahre Wurzel aber in einer jahrelangen Energiepolitik zu suchen ist, die Versorgungssicherheit dem grünen Wunschdenken geopfert hat.

Was der kluge Bürger daraus lernt

Wenn die Speicher leer sind, die Preise unberechenbar und die Politik erneut auf Sicht fährt, dann zeigt sich einmal mehr, wie fragil unsere vermeintliche Sicherheit tatsächlich ist. In solchen Zeiten der Unwägbarkeit besinnen sich kluge Menschen auf Werte, die über Jahrhunderte Bestand hatten. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber unterliegen keinem politischen Beschluss aus Brüssel, keiner Waffenruhe am Persischen Golf und keiner ideologisch motivierten Zielmarken-Senkung. Sie sind seit jeher ein bewährter Anker zur Vermögenssicherung und gehören als solide Beimischung in jedes breit gestreute, krisenfeste Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt die Meinung unserer Redaktion dar und dient ausschließlich zu Informationszwecken. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Die getroffenen Aussagen basieren auf den uns vorliegenden Informationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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