
Eklat in Lichtenberg: Femen stürmt fast die AfD-Bühne

Berlin-Lichtenberg, Freitagabend: Während die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Beatrix von Storch, bei einer Wahlkampfkundgebung spricht, versucht eine Frau mit entblößtem Oberkörper, auf die Bühne zu gelangen. Polizisten und Sicherheitskräfte stoppen die Aktion, bevor sie das Rednerpult erreicht. Die Szenen kursieren seit dem Wochenende in sozialen Netzwerken.
„AfD, alle sind dagegen!“ – der Protest war angekündigt
Nach Darstellung des Ausgangsberichts rief die Aktivistin während ihres Vorstoßes „AfD, alle sind dagegen!“. Die feministische Gruppe Femen habe die Störaktion zuvor öffentlich angekündigt. Medienberichten zufolge waren mehrere Frauen an dem Protest beteiligt.
Von Storch selbst gab sich unbeeindruckt. Sie bezeichnete die Aktion als „furchtbar armselig“ – und stellte klar, man lasse sich nicht einschüchtern.
„Wir lassen uns nicht beirren“
So zitierte die Nachrichtenagentur dpa die Politikerin.
Warum ausgerechnet Lichtenberg?
Der Ort ist kein Zufall. Lichtenberg gehört zu jenen Ostberliner Bezirken, in denen sich linke Milieus und AfD-Wählerschaft auf engstem Raum begegnen – politische Reibungshitze inklusive. Wahlkampf in Berlin bedeutet seit Jahren: Gegendemonstration gehört zum Programm, oft schon bevor das erste Mikrofon eingeschaltet ist.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorfall ein Grundproblem der politischen Kultur in Deutschland: Wer die eigene Position für moralisch überlegen hält, hält die Bühne des Gegners offenbar für Freiwild. Argumente jedoch überzeugen niemanden, wenn sie durch Körpereinsatz ersetzt werden. Und die Frage drängt sich auf: Wie hätte die Öffentlichkeit reagiert, wenn Aktivisten die Bühne einer linken Partei gestürmt hätten?
Drei Wochen bis zur Wahl – und ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Der Zwischenfall fällt in die heiße Phase eines Wahlkampfs, der über die Machtverhältnisse in der Hauptstadt entscheidet. Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Derzeit regiert eine Koalition aus CDU und SPD.
Die Umfragen zeichnen ein Bild, das im Rest der Republik viele erstaunen dürfte: Die Linkspartei liegt in mehreren aktuellen Erhebungen mit rund 20 bis 22 Prozent vorn. Laut einer Forsa-Umfrage von Ende August kommt sie auf 22 Prozent, CDU und AfD jeweils auf 18 Prozent. Ein Wahltrend-Mittelwert von Ende August sieht die Linke bei 20,7 Prozent, die CDU bei 18,9, die AfD bei 17,6, die Grünen bei 16,2 und die SPD bei nur noch 13,1 Prozent.
Bemerkenswert: In einer Insa-Erhebung vom Juli lag die AfD erstmals überhaupt in einer Berliner Wahlumfrage auf Platz eins. Für eine Stadt, die jahrzehntelang als linke Bastion galt, ist das eine politische Zäsur.
Die eigentliche Nachricht steckt in den Zahlen
Dass eine Partei, die 2021 in Berlin noch bei rund acht Prozent lag, heute um Platz eins mitspielt, hat weniger mit Störaktionen zu tun als mit der Realität in der Stadt: Wohnungsnot, marode Infrastruktur, Haushaltslöcher, Sorgen um die innere Sicherheit.
Nackte Haut auf der Bühne ändert daran nichts. Wer den Aufstieg der AfD stoppen will, müsste die Probleme lösen, die sie groß gemacht haben. Diese Erkenntnis scheint in Berlin bislang niemanden zu erreichen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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