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06.06.2026
17:33 Uhr

Diplomatisches Debakel in New York: Deutschland an der UN-Wahlurne abgestraft – und Wadephul will gleich nochmal

Diplomatisches Debakel in New York: Deutschland an der UN-Wahlurne abgestraft – und Wadephul will gleich nochmal

Es gibt Momente, in denen sich das ganze Elend deutscher Außenpolitik in einer einzigen Zahl verdichtet. Diese Zahl lautet 104. So viele Stimmen, und keine einzige mehr, konnte die Bundesrepublik bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat am 3. Juni auf sich vereinen. Zum Vergleich: Das beschauliche Portugal sammelte 134 Stimmen ein, das ebenfalls überschaubare Österreich immerhin noch 131. Deutschland, einst respektierte Wirtschaftsmacht und selbsternannte moralische Instanz der Weltgemeinschaft, landete abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Eine Niederlage mit historischem Gewicht

Man muss sich die Dimension dieser Blamage vor Augen führen. Über Jahrzehnte hinweg gelang es Deutschland verlässlich, etwa alle acht Jahre einen nichtständigen Sitz im wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen zu ergattern. Es galt geradezu als diplomatischer Selbstläufer. Nun reichte es nicht einmal mehr gegen zwei kleinere europäische Nachbarn. Wer hier noch von einem Betriebsunfall spricht, hat die Tragweite nicht verstanden: Dies ist die Quittung für eine Außenpolitik, die jahrelang lieber moralisierte als verhandelte und die internationale Beziehungen mit erhobenem Zeigefinger zu führen meinte.

Die Kunst, die Verantwortung von sich zu weisen

Besonders erhellend war die Reaktion von Außenminister Johann Wadephul (CDU). Statt selbstkritischer Einkehr lieferte der Chefdiplomat eine bemerkenswerte Sammlung von Ausreden. Schuld sei zum einen die späte Kandidatur Deutschlands gewesen. Man sei, so beklagte er sich gegenüber der Tagesschau, „von Anfang an im Hintertreffen" gewesen.

Wir waren von Anfang an im Hintertreffen.

Zum anderen, so der Minister weiter, trage Russland als ständiges Mitglied und erklärter Gegner Deutschlands eine Mitschuld. Die deutsche Unterstützung der Ukraine habe schlicht dazu geführt, dass man die deutsche Mitgliedschaft blockiert habe. Eine bequeme Erzählung. Denn sie verschweigt geflissentlich, dass eine erfolgreiche Diplomatie genau darin bestünde, trotz solcher Widerstände Mehrheiten zu organisieren. Portugal und Österreich haben es vorgemacht. Die Frage drängt sich auf: Wenn schon zwei kleine Nachbarn mehr internationales Vertrauen genießen als die größte Volkswirtschaft Europas – woran könnte das wohl liegen?

Und jetzt? Einfach nochmal kandidieren

Doch anstatt aus der Schmach Lehren zu ziehen, verfiel der Minister in einen Reflex, der für die gegenwärtige Berliner Politik geradezu sinnbildlich ist: Er kündigte umgehend die nächste Kandidatur an. Auf der Plattform X verkündete Wadephul, Deutschland habe seine Absicht erklärt, für die Perioden 2035/2036 sowie 2043/2044 erneut antreten zu wollen. Man wolle „weiter Verantwortung für Frieden und Sicherheit weltweit übernehmen", schrieb er, und das sei „auch im deutschen Interesse".

Was für eine merkwürdige Logik. Da hat das eigene Land gerade eine schallende Ohrfeige der internationalen Staatengemeinschaft kassiert, und die Antwort lautet nicht etwa: Wir analysieren unsere Fehler. Sondern: Wir versuchen es einfach in zehn Jahren wieder. Es ist die diplomatische Variante des Prinzips Hoffnung – garniert mit der stillen Annahme, dass schon irgendwie alles besser werde, wenn man nur lange genug wartet.

Ein Symptom, kein Einzelfall

Diese Episode steht für mehr als nur eine verlorene Wahl. Sie offenbart, wie sehr Deutschland an internationalem Ansehen eingebüßt hat. Eine Außenpolitik, die sich vorrangig als Welterzieherin versteht, die anderen Nationen gerne erklärt, wie sie zu leben hätten, darf sich nicht wundern, wenn ihr die Gefolgschaft verweigert wird. Wer ständig belehrt, erntet irgendwann nur noch Ablehnung. Die 104 Stimmen sind insofern kein Zufall, sondern ein Spiegelbild.

Vielleicht wäre es klüger gewesen, statt großspuriger Ankündigungen für das Jahr 2043 zunächst einmal die Hausaufgaben im Hier und Jetzt zu erledigen. Ein Land, das international wieder ernst genommen werden will, braucht keine vollmundigen Versprechen für die ferne Zukunft, sondern eine Politik, die das eigene Interesse, die eigene Stärke und die eigene Glaubwürdigkeit in den Mittelpunkt stellt. Doch davon ist Berlin derzeit weiter entfernt denn je.

Was bleibt

Während die deutsche Diplomatie auf der Weltbühne stolpert und die politische Verlässlichkeit Schaden nimmt, suchen immer mehr Bürger nach Beständigkeit fernab politischer Wankelmütigkeit. In Zeiten, in denen selbst die einst sicher geglaubte Stellung Deutschlands ins Wanken gerät, gewinnt die Frage nach echten, krisenfesten Werten an Bedeutung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie unabhängig von politischen Mehrheiten, diplomatischen Niederlagen oder ideologischen Moden ihren Wert bewahren. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein Anker, den keine verlorene Abstimmung in New York erschüttern kann.

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