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CO2-Poker in Straßburg: Brüssel dreht am Preis-Thermostat!

CO2-Poker in Straßburg: Brüssel dreht am Preis-Thermostat!
Symbolbild: KI-generiert

Die EU greift in ihren eigenen Klimamarkt ein. Unterhändler des Europaparlaments und der 27 Mitgliedstaaten haben sich am Mittwoch in Straßburg geeinigt: In der sogenannten Marktstabilitätsreserve sollen künftig bis zu 700 Millionen CO2-Zertifikate liegen dürfen, bisher waren es 400 Millionen. Damit sollen Preisspitzen beim CO2 abgefangen werden, bevor sie Stahlwerke und Chemiefabriken in die Knie zwingen.

Was genau beschlossen wurde

Bisher galt eine harte Regel. Was in der Reserve über die Marke von 400 Millionen Zertifikaten hinausging, verfiel automatisch. Diese Grenze steigt nun auf 700 Millionen. Jedes Zertifikat erlaubt den Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid.

Die zusätzlichen Zertifikate dienen als eine Art Feuerlöscher. Steigt der Preis zu stark, kann die EU sie auf den Markt bringen und den Preis so drücken. Endgültig ist das aber noch nicht: Parlament und Rat müssen die Einigung in den kommenden Wochen noch formell bestätigen.

Ein Markt mit eingebautem Regler

Der Emissionshandel ist das wichtigste Werkzeug der europäischen Klimapolitik. Seit 2005 begrenzt die EU damit, wie viel CO2 ganze Branchen ausstoßen dürfen. Betroffen sind Stahl- und Aluminiumhütten, die Chemieindustrie, Düngemittelhersteller sowie Strom- und Wärmeerzeuger. Wer CO2 ausstößt, muss dafür Zertifikate kaufen. Und die Gesamtmenge dieser Zertifikate sinkt Jahr für Jahr.

Die Reserve gibt es seit 2019. Ursprünglich sollte sie überschüssige Zertifikate vom Markt nehmen und damit den Preis stützen. Jetzt soll sie das Gegenteil leisten und den Preis bremsen. Wie stark er schwanken kann, zeigte sich im Februar 2023: Damals kostete eine Tonne zeitweise mehr als 100 Euro. Kritiker sehen in einem Markt, an dessen Angebot die Politik nach Belieben dreht, eher Planwirtschaft im Marktgewand als freie Preisbildung.

Die Industrie schlägt Alarm und Brüssel reagiert

Die größere Reserve ist nur der erste Schritt. Auf Druck der Industrie sind weitere Lockerungen geplant:

  • Die Zahl der Zertifikate soll langsamer sinken als bisher vorgesehen.
  • Firmen, die wegen der CO2-Kosten im internationalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten, sollen länger kostenlose Zertifikate bekommen.

Über diese Punkte wird allerdings voraussichtlich noch monatelang verhandelt. Schon im Mai hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, der Industrie zwischen 2026 und 2030 mehr Gratis-Zertifikate zuzuteilen. Nach Schätzung der Kommission würde das die Betriebe um rund vier Milliarden Euro entlasten. Umweltverbände halten dagegen: So viele Gratis-Zertifikate würden Investitionen in klimafreundliche Technik weniger attraktiv machen.

Späte Einsicht nach Jahren der Belastung

Für den Industriestandort Deutschland ist das ein gutes Signal, aber ein spätes. Teure Energie, schwache Nachfrage und Konkurrenz aus Asien und den USA machen Stahl, Chemie und Metallverarbeitung seit Langem zu schaffen. Dass Brüssel jetzt nachbessert, wirkt wie ein stilles Eingeständnis: Für viele Betriebe waren die Klimaregeln schlicht zu teuer.

Bleibt die Frage, warum die Korrektur erst jetzt kommt. Beobachtern zufolge stellen Teile der Schwerindustrie ihren Standort in Europa bereits offen infrage. Und wer garantiert, dass die Regeln nicht beim nächsten politischen Kurswechsel wieder umgeschrieben werden? Verlässlich planen kann so kaum ein Unternehmen.

Was Sparer daraus lernen können

Am CO2-Preis sieht man gut, wie stark politisch festgelegte Werte schwanken können. Wer sein Vermögen gegen solche Eingriffe schützen will, setzt oft auf Werte, die keine Behörde per Beschluss vermehren oder entwerten kann. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio für Stabilität sorgen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertanlagen. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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