
Chinas KI-Offensive: Wenn selbst die Kommunisten kapitulieren und ihre Job-Ziele beerdigen
Es ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, das da aus dem Reich der Mitte kommt. Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten verzichtet die Volksrepublik China in ihrem neuen Fünfjahresplan bis 2030 auf feste Beschäftigungsziele. Man stelle sich das vor: Ein Staat, der seine Bürger mit Sozialkredit-Systemen und Überwachungskameras bis in den letzten Winkel kontrolliert, traut sich plötzlich nicht mehr zu, verbindliche Zahlen für neue Arbeitsplätze zu nennen. Was für ein Offenbarungseid.
Die Künstliche Intelligenz als „Terminator“ des Arbeitsmarktes
Der Grund für diesen historischen Kurswechsel trägt einen unheimlichen Namen: Künstliche Intelligenz. Was Peking offiziell mit dem Wunsch nach „flexibler, jahresbasierter Planung“ schönredet, ist in Wahrheit die blanke Angst vor einem Arbeitsmarkt, der sich in atemberaubender Geschwindigkeit verändert. Statt konkreter Zahlen stellt das Arbeitsministerium nur noch vage einen „beträchtlichen Umfang“ neuer Stellen in Aussicht. Eine Formulierung, so nebulös wie die Smog-Wolke über Shanghai.
Besonders bezeichnend: Der renommierte Arbeitsmarktforscher Cai Fang von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften bezeichne die KI als „Terminator“ des Arbeitsmarktes. Anders als frühere Automatisierungswellen ersetze diese Technologie eben nicht nur körperliche Tätigkeiten, sondern zunehmend auch geistige Routinearbeit. Zuerst würden Arbeitsplätze vernichtet, so seine düstere Prognose, lange bevor überhaupt neue Tätigkeiten entstünden.
Verwerfungen, die man sich in Peking nicht mehr schönrechnen kann
Ein Blick auf die nackten Fakten offenbart die Misere. Eine Jugendarbeitslosigkeit von über 16 Prozent, rund 300 Millionen Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen und ein zusammengebrochener Immobilienmarkt, der das Land in die Deflation treibt. Wer glaubt, die offizielle Arbeitslosenquote von maximal 5,5 Prozent bilde die Realität ab, der glaubt vermutlich auch, dass in kommunistischen Statistiken die Sonne über Peking immer scheint.
Denn in China gilt nur als arbeitslos, wer in der Stadt seines Arbeitsplatzes auch sein „Hukou“, also seine offizielle Meldung, besitzt. Millionen Wanderarbeiter fallen so durch das statistische Raster – sie existieren schlicht nicht.
Die Absolventen trifft es zuerst
Eine Untersuchung von rund 1,6 Millionen Stellenanzeigen zeige, welche Berufe am stärksten unter Druck geraten. Ausgerechnet die Einstiegspositionen für Hochschulabsolventen. Texterstellung, Übersetzungen, Kundenservice, juristische Dokumentation und einfache Programmieraufgaben – genau jene Stellen, über die junge Menschen bislang Berufserfahrung sammelten, verschwänden nun als erste. Die Konkurrenz um die wenigen verbleibenden Positionen verschärft sich dramatisch.
Vom Marktversagen und dem Zynismus der Effizienz
Chinesische Ökonomen sprechen mittlerweile offen von einem Marktversagen. Jedes Unternehmen profitiere zwar von geringeren Personalkosten, doch die entlassenen Arbeitnehmer konsumierten weniger, wodurch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage einbreche. Was für den einzelnen Betrieb sinnvoll erscheine, erweise sich für die Volkswirtschaft als Bumerang. Ein Lehrstück darüber, dass grenzenlose Technikgläubigkeit einen hohen Preis fordert.
Und dennoch hält Peking eisern an seiner AI+-Initiative fest, die bis 2030 über 90 Prozent der Bevölkerung erreichen soll. Der Grund ist zynisch nüchtern: Die schrumpfende Erwerbsbevölkerung soll durch Maschinen kompensiert werden. Parallel baut man Frühwarnsysteme und Sozialleistungen aus – man rüstet sich also gegen die eigenen Geister, die man rief.
Was das für uns bedeutet
Die Vorgänge in China sind ein Warnsignal für die gesamte Welt und insbesondere für Deutschland. Während in Fernost immerhin über Frühwarnsysteme und soziale Abfederung nachgedacht wird, taumelt unsere Wirtschaft mit horrenden Energiepreisen, überbordender Bürokratie und ideologiegetriebener Politik ohnehin schon am Abgrund. Wenn die KI-Welle auch unsere Arbeitsmärkte erreicht, dürfte die politische Antwort hierzulande vermutlich in weiteren Umverteilungsprogrammen und neuen Schulden bestehen.
Gerade in Zeiten solch tiefgreifender struktureller Umbrüche zeigt sich der Wert beständiger Sachwerte. Physisches Gold und Silber kennen keinen Algorithmus, der sie ersetzt, keine Deflation, die sie wertlos macht, und keine Statistik, die sie schönrechnet. Als krisenfeste Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bewahren Edelmetalle ihre Substanz – unabhängig davon, ob Maschinen oder Menschen die Wirtschaft von morgen tragen.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für konkrete rechtliche oder steuerliche Fragen konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Fachberater.
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