
Chinas Aufstieg zur Qualitätsmacht: Deutschlands Mittelstand gerät in die Zange
Es war einmal ein Land, das als „Werkbank der Welt" belächelt wurde – billig, aber minderwertig. Diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei. China hat sich in atemberaubendem Tempo vom Kopisten zum ernstzunehmenden Konkurrenten gewandelt, und der deutsche Mittelstand bekommt dies nun mit voller Wucht zu spüren. Eine aktuelle Sonderbefragung der staatlichen Förderbank KfW zeichnet ein Bild, das manchem Unternehmer schlaflose Nächte bereiten dürfte.
Jeder fünfte Mittelständler spürt den Druck aus Fernost
Fast 19 Prozent der rund 3,9 Millionen deutschen Mittelständler sehen sich laut der KfW-Erhebung einem wachsenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter ausgesetzt. Rund 2.500 Unternehmen nahmen an der Befragung im September 2025 teil. Das Ergebnis ist ernüchternd – und sollte als Weckruf verstanden werden. Denn die chinesische Konkurrenz punktet längst nicht mehr nur über den Preis. Die Förderbank stellt unmissverständlich fest, dass chinesische Wettbewerber mittlerweile auch mit steigender Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen auf den Weltmärkten reüssierten.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage in der deutschen Industrie dar. Dort berichten 34 Prozent der Unternehmen von zunehmendem Preisdruck durch chinesische Anbieter, während 28 Prozent einen wachsenden Qualitätswettbewerb konstatieren. Auch der Groß- und Einzelhandel bleibt nicht verschont. Insgesamt bezeichnen 29 Prozent der Industrieunternehmen und 24 Prozent der Handelsfirmen die chinesische Konkurrenz als eine ihrer zentralen Herausforderungen.
Bürokratie, Steuern, Energiekosten – Deutschlands selbstgemachte Fesseln
Doch hier wird es wirklich interessant. Denn die eigentliche Tragödie liegt nicht in der Stärke Chinas, sondern in der Schwäche Deutschlands. Was die international aufgestellten Mittelständler als größtes Risiko für ihre Wettbewerbsfähigkeit identifizieren, ist nicht etwa die technologische Überlegenheit der Chinesen – es ist die erdrückende Bürokratie im eigenen Land. Sage und schreibe 65 Prozent der Unternehmen halten sie für problematisch. Dahinter folgen hohe Steuern mit 60 Prozent und teure Energie mit 41 Prozent. Alle drei Werte liegen deutlich über dem Niveau von 2023.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Während China seine Industrie mit staatlicher Unterstützung, günstiger Energie und schlanken Genehmigungsverfahren auf Weltmarktniveau trimmt, fesselt Deutschland seine Unternehmer mit Formularen, Auflagen und einer Steuerlast, die ihresgleichen sucht. Jahrelang hat die Politik – allen voran die gescheiterte Ampelkoalition – den Standort Deutschland systematisch geschwächt. Überbordende Regulierung, ideologiegetriebene Energiepolitik und eine Steuerpolitik, die Leistungsträger bestraft statt belohnt: Das sind die wahren Ursachen dafür, dass der Mittelstand im internationalen Wettbewerb zunehmend ins Hintertreffen gerät.
Merz sucht die Nähe zu Peking – ein zweischneidiges Schwert
Bundeskanzler Friedrich Merz versucht derweil, die wirtschaftlichen Beziehungen zu China wieder zu vertiefen. Bei seinen Treffen mit Ministerpräsident Li Qiang und Staatspräsident Xi Jinping in Peking betonte er die Bedeutung der bilateralen Handelsbeziehungen. Tatsächlich ist China – gemessen an der Summe von Importen und Exporten – nach wie vor Deutschlands wichtigster Handelspartner, noch vor den Vereinigten Staaten.
Doch die Zahlen sprechen eine unbequeme Sprache. Die deutschen Exporte nach China brachen 2025 laut Statistischem Bundesamt um gut neun Prozent ein, während die Importe aus Fernost kräftig zulegten. Ökonomen vermuten, dass China infolge des eskalierenden Zollstreits mit den USA – Donald Trump hat bekanntlich Zölle von 34 Prozent auf chinesische Waren verhängt – seine Warenströme verstärkt nach Europa und insbesondere nach Deutschland umleitet. Deutschland wird damit zum Auffangbecken für chinesische Überproduktion.
Fairerweise muss man anerkennen, dass nicht alle Mittelständler unter der chinesischen Konkurrenz leiden. Rund 19 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen nutzen chinesische Importe, um ihre eigenen Kosten zu senken oder ihr Produktangebot zu erweitern. Doch diese Medaille hat zwei Seiten: Wer heute von günstigen chinesischen Vorprodukten profitiert, könnte morgen feststellen, dass der Lieferant zum Konkurrenten geworden ist.
Die KfW warnt unmissverständlich
„Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen ihre Zukunft pessimistisch beurteilen, steigt stark, wenn sie direkte Wettbewerber in China haben oder wenn sie besonders energieintensiv produzieren."
Diese Feststellung der Förderbank sollte jedem Wirtschaftspolitiker in Berlin die Augen öffnen. Denn sie offenbart das Kernproblem: Deutschland verliert seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht primär, weil China so stark geworden ist, sondern weil die deutsche Politik es versäumt hat, die Rahmenbedingungen für den Mittelstand zu verbessern. Schlüsselindustrien wie Maschinenbau, Chemie und Automobilbau – einst unangefochtene Domänen deutscher Ingenieurskunst – stehen unter massivem Druck.
Was Deutschland jetzt braucht, ist keine weitere Annäherung an Peking um jeden Preis, sondern eine radikale Stärkung des eigenen Standorts. Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energiepreise, eine Steuerpolitik, die Unternehmer nicht vertreibt, und eine Rückbesinnung auf das, was dieses Land einst groß gemacht hat: Fleiß, Innovation und unternehmerische Freiheit. Ob die neue Große Koalition aus CDU/CSU und SPD den Mut für diese überfällige Kurskorrektur aufbringt, darf angesichts des geplanten 500-Milliarden-Euro-Schuldenpakets bezweifelt werden. Denn neue Schulden haben noch nie strukturelle Probleme gelöst – sie haben sie nur vertagt.

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