
Beben im Osten: AfD bei 45 Prozent – CDU rutscht auf Platz drei

Die Zahlen sind wuchtig: Im neuen „Trendbarometer“ von RTL und ntv kommt die AfD in Ostdeutschland auf 45 Prozent. Die CDU landet dort mit zwölf Prozent nur auf Rang drei – hinter der Linken mit 15 Prozent. Erhoben hat die Daten das Institut Forsa, veröffentlicht wurden sie am Dienstag.
SPD und Grüne liegen im Osten laut der Umfrage bei jeweils neun Prozent, das BSW bei fünf. Für Forsa umfasst „Ostdeutschland“ die neuen Bundesländer ohne Berlin.
Bundesweit zementiert sich das Rekordhoch
Auch im Bund bewegt sich wenig – und genau das dürfte die Koalition beunruhigen. Die AfD hält demnach ihr Rekordniveau von 28 Prozent, die Union verharrt bei 21 Prozent. Es folgen Grüne (16), SPD (12), Linke (11) und die FDP mit vier Prozent, die damit ebenso wie das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde.
Bemerkenswert ist das Motiv der AfD-Anhänger: 34 Prozent geben an, die Partei vertrete am besten die „Interessen des deutschen Volkes“. Jeweils gut ein Fünftel nennt Unzufriedenheit mit dem politischen System (22 Prozent) oder mit der Bundesregierung (21 Prozent).
Merz im Umfragekeller – im Osten nur noch sieben Prozent
Für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sind die Werte verheerend. Nur 13 Prozent der Bürger sind mit seiner Arbeit zufrieden, 85 Prozent nicht. In den neuen Ländern bewerten ihn ganze sieben Prozent positiv, 91 Prozent negativ. Im Westen sind es 15 zu 83 Prozent.
Noch bezeichnender ist der Kompetenz-Befund: 55 Prozent trauen keiner einzigen Partei zu, die Probleme des Landes zu lösen. Die AfD führt hier mit mageren 13 Prozent, die Union liegt bei zwölf – ihrem schlechtesten Wert seit knapp vier Jahren. Wer die Stimmung im Land verstehen will, findet hier den Kern: nicht Begeisterung, sondern Erschöpfung.
Mehrheit für Absprachen mit der Linkspartei
Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Osten befürworten 54 Prozent der Bundesbürger, dass die CDU auch Absprachen mit der Linken trifft, wenn dadurch eine Landesregierung ohne AfD möglich wird. 38 Prozent lehnen das ab. Unter Unionsanhängern sind sogar 63 Prozent dafür.
Für viele bürgerliche Wähler dürfte das ein bitterer Befund sein: Der einst eiserne Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Linkspartei wirkt in der Praxis zunehmend brüchig. Kritiker sehen darin einen Grund, warum die Union ihr Profil im Osten verloren hat.
Der Testlauf hat bereits stattgefunden
Forsa befragte vom 1. bis 7. September 2.502 Wahlberechtigte, die Fehlerquote wird mit plus/minus 2,5 Prozentpunkten angegeben – der Großteil des Zeitraums lag noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Ost-Zahlen basieren auf einer dreiwöchigen Erhebung mit insgesamt 7.500 Befragten.
Wie real der Trend ist, zeigte der 6. September: Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kam die AfD Medienberichten zufolge auf 43,8 Prozent und 39 von 83 Sitzen, die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, die Wahlbeteiligung erreichte 77,8 Prozent. Am 20. September folgen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die nächste Belastungsprobe für Berlin steht also schon im Kalender.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Anlage- noch eine Rechts- oder Steuerberatung dar.

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