
Alarmstufe Rot in der Metallindustrie: „Die Lage ist dramatisch" – und Berlin schaut tatenlos zu

Wer noch immer glaubt, die deutsche Industrie könne sich auf wundersame Weise selbst aus dem Sumpf ziehen, dem sei ein Blick auf die jüngsten Worte des neuen Gesamtmetall-Präsidenten Udo Dinglreiter empfohlen. Der studierte Maschinenbauer, seit Anfang des Jahres an der Spitze des bedeutenden Industrieverbands, fand in einem Gespräch mit dem Handelsblatt erschreckend deutliche Worte. Sein Befund: eine Strukturkrise, die sich grundlegend von allem unterscheidet, was die Branche in den vergangenen Jahrzehnten durchgestanden habe.
Die nackten Zahlen entlarven das Versagen
Seit 2019 habe die Metall- und Elektroindustrie rund 300.000 Arbeitsplätze verloren. Die Belegschaft sei mittlerweile unter die Marke von 3,8 Millionen gerutscht. Und es drohe noch schlimmer zu kommen: Weitere 300.000 Stellen stünden auf der Kippe. Sollte dieses Szenario Realität werden, hätte die Branche dann weniger Beschäftigte als zum tiefsten Tiefpunkt nach der Wiedervereinigung. „Ich empfinde das schon als dramatisch", konstatierte Dinglreiter trocken – eine Untertreibung angesichts der historischen Dimension dieses industriellen Aderlasses.
Besonders besorgniserregend seien die Investitionszahlen: Die Nettoinvestitionen seien negativ, die Ausrüstungsinvestitionen lägen unter den Abschreibungen. Was das im Klartext bedeutet? Deutschlands industrielles Tafelsilber wird systematisch verschlissen, ohne dass nachgerüstet würde. Energiekosten in absurder Höhe, eine Unternehmensbesteuerung im internationalen Spitzenfeld, Sozialabgaben, die jedem Mittelständler den Schweiß auf die Stirn treiben, und eine Bürokratie, die selbst Kafka vor Neid hätte erblassen lassen – das ist das deutsche Standortpaket im Jahr 2025.
Wenn selbst die Forschung das Land verlässt
Was Dinglreiter über Standortverlagerungen sagte, lässt aufhorchen. Es gehe längst nicht mehr nur darum, dass Produktionslinien ins Ausland wanderten. Inzwischen verlagerten Unternehmen auch ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Und wo die Forschung sitze, dort entstünden auch die Investitionen und Folgeinvestitionen. Eine Abwärtsspirale, die das Fundament der deutschen Wettbewerbsfähigkeit untergrabe. Viele Mittelständler, so der Verbandschef, könnten und wollten gar nicht ins Ausland fliehen. Für sie sei es überlebenswichtig, dass die Bedingungen hierzulande zumindest erträglich blieben – ein bescheidener Wunsch, dem Berlin offenbar nicht nachzukommen vermag.
Politische Versprechen, politisches Versagen
Die im Mai 2025 angetretene Große Koalition unter Friedrich Merz war mit dem Versprechen einer wirtschaftspolitischen Wende gestartet. Doch von der versprochenen Geschwindigkeit fehlt jede Spur. Dinglreiter zeigte sich verständnisvoll für den Zorn der Unternehmer: „Auch ich wünsche mir deutlich mehr Geschwindigkeit." Die Probleme seien bekannt, die notwendigen tiefgreifenden Reformen aber nicht umgesetzt. Das Ergebnis: weiter Arbeitsplatzabbau, weiter Verlagerungen, weniger Steuereinnahmen, weniger Sozialabgaben. Eine Spirale nach unten – und die Politik schaue zu.
Sein konkretes Beispiel für die Untätigkeit: das Lieferkettengesetz. Hier könne man unkompliziert die europäische Schwelle übernehmen, die erst ab 5.000 Mitarbeitern greift. Ein einfacher, schneller Schritt, der Signalwirkung hätte. „Aber die Regierung tut es nicht." Stattdessen wird ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen geschnürt, das künftige Generationen knebeln wird – während die akuten Standortprobleme weiter eitern.
Ein Land verkauft sein Erbe
Die Metall- und Elektroindustrie war über Jahrzehnte das Rückgrat des deutschen Wohlstands. Sie finanzierte den Sozialstaat, sie ernährte ganze Regionen, sie machte „Made in Germany" zum Gütesiegel der Welt. Heute wirkt sie wie ein Patient auf der Intensivstation, dem die Ärzte zwar besorgte Diagnosen stellen, aber die rettende Behandlung verweigern. Wer geglaubt hatte, mit dem Ende der Ampel-Koalition sei automatisch ein Neuanfang verbunden, sieht sich getäuscht. Die wirtschaftspolitischen Reflexe der Hauptstadt scheinen fest verankert: viel Geld umverteilen, wenig grundsätzlich ändern.
Während die deutsche Industrie in dieser Verfassung dahinsiecht, suchen immer mehr Bürger nach Möglichkeiten, ihr Vermögen vor dem schleichenden Wertverlust zu schützen. Wer auf Dauer auf reine Papierwerte, Aktien oder die Versprechen einer schwächelnden Volkswirtschaft setzt, geht ein erhebliches Risiko ein. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in Krisenzeiten immer wieder ihre Funktion als Anker der Vermögenssicherung bewiesen – nicht als Allheilmittel, aber als bewährter Baustein eines breit gestreuten Portfolios.
Fazit: Wer rettet den Industriestandort?
Die Worte des Gesamtmetall-Präsidenten sollten in Berlin als das verstanden werden, was sie sind: ein Hilferuf aus dem Herzen der deutschen Wirtschaft. Wenn nicht endlich Energiepreise gesenkt, Bürokratie zurückgeschnitten und Unternehmenssteuern wettbewerbsfähig gemacht werden, wird Deutschland in zehn Jahren ein anderes Land sein – industriell entkernt, vom Wohlstand seiner Vergangenheit zehrend. Die Mehrheit der Deutschen erwartet von ihrer Regierung, dass sie für das Land arbeitet, nicht gegen es. Diese Erwartung wird derzeit eklatant enttäuscht.
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