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Kettner Edelmetalle
21.08.2026
05:01 Uhr
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5,1 Millionen im System: Sozialstaat-Insider rechnet ab

Ein früheres Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit – Sozialdemokrat, 13 Jahre lang in der Führung der Behörde – hat in einem Gastbeitrag eine schonungslose Bilanz der deutschen Grundsicherung gezogen. Das System sei in seiner heutigen Form missbrauchsanfällig, dysfunktional und überdimensioniert. Veröffentlicht wurde die Analyse am 21. August 2026, wenige Wochen nach dem Start der neuen Grundsicherung.

Die Zahlen, die keiner gern vorliest

Es geht laut dem Beitrag um 5.105.000 Menschen in 2.795.000 Bedarfsgemeinschaften, darunter 1.732.000 Kinder unter 18 Jahren. Mehr als zwei Drittel gelten als Langzeitbezieher.

Das eigentliche Problem sei nicht der Zustrom, sondern der versiegende Abfluss. Die monatliche Integrationsquote liege bei 1,5 Prozent je hundert Erwerbsfähige – vor Corona seien es über 2 Prozent gewesen. Rund die Hälfte derer, die den Sprung in reguläre Arbeit schaffen, sei nach drei Monaten wieder arbeitslos.

Besonders bitter: Einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zufolge hätten 57 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsempfänger in den vorangegangenen vier Wochen überhaupt keine Arbeit gesucht. Und nur vier von hundert Neueinstellungen kämen noch über die Arbeitsagentur zustande.

Vom Arbeitsmarktinstrument zum Migrationssystem?

Beim Start der Grundsicherung 2005 hätten 15 Prozent der Empfänger einen Migrationshintergrund gehabt, inzwischen seien es über 70 Prozent – mit Einbürgerungen vermutlich über 80. Von 1.410.000 Ukrainern in Deutschland bezögen 52 Prozent Leistungen, während in Polen 78 Prozent der Ukrainer erwerbstätig seien.

Der Autor beschreibt zudem, dass in manchen Regionen ein mafiös organisierter Sozialleistungsbetrug entstanden sei; allein in Gelsenkirchen bezögen 5000 in Schrottimmobilien untergebrachte Rumänen und Bulgaren Grundsicherung. Sein Vorschlag: Sozialleistungsbetrug solle stets zum Entzug der Aufenthaltserlaubnis führen, Nicht-EU-Bürger könnten nur befristet Anspruch haben.

Fehlanreize, die Familien bestrafen

Ein Punkt dürfte viele Leser besonders treffen: Ziehen getrennt lebende Eltern mit ihren Kindern zusammen, entfällt die Alleinerziehendenzulage, die Regelsätze sinken um zehn Prozent – ein Verlust von 180 bis 450 Euro monatlich. Der Staat bezahlt also dafür, dass Familien getrennt bleiben. 32 Prozent aller Alleinerziehenden hängen im System.

Auch die Mietregelung sei ein Kostentreiber: 17,69 Milliarden Euro für Unterkunft und Heizung im Jahr 2025, fast 38 Prozent der Gesamtkosten. Dazu 25 Millionen Bescheide pro Jahr und über 2000 Euro Verwaltungskosten je Bedarfsgemeinschaft.

Sanktionen? Auf dem Papier

Beim Übergang vom Bürgergeld zur Grundsicherung am 1. Juli 2026 seien sämtliche früheren Terminversäumnisse getilgt worden – die Zählung begann bei null. Die seit März 2024 geltende Vollsanktion für „Totalverweigerer“ laufe wegen hoher rechtlicher Hürden praktisch ins Leere.

2025 leiteten die Jobcenter 133.640 Missbrauchsverfahren ein, in rund 110.000 Fällen bestätigte sich der Verdacht oder es erging Strafanzeige. Die Dunkelziffer dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung deutlich höher liegen.

Aus Sicht unserer Redaktion ist das Bemerkenswerte an dieser Abrechnung nicht der Inhalt – sondern der Absender. Wenn ein Sozialdemokrat mit Jahrzehnten Behördenerfahrung den Sozialstaat als reformbedürftig beschreibt, wird die politische Ausrede knapp, Kritik daran sei bloß Stimmungsmache.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Rechts- oder Steuerberatung noch eine Anlageberatung dar. Für eigene Entscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich.

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