
4,6 Millionen Dollar für eine Abkürzung: Panama-Kanal am Limit!

Ein leerer Gastanker zahlt 4,6 Millionen Dollar – nur, um sich an einer Schiffsschlange vorbeizudrängeln. Am Panama-Kanal sind die Auktionspreise für Durchfahrtsslots auf Rekordniveau explodiert. Schuld sind laut Medienberichten zwei Kräfte, die sich gerade zeitgleich entfalten: ein erstarkendes El-Niño-Wetterphänomen und die Störungen in der Straße von Hormus.
Der teuerste Vordrängler der Schifffahrtsgeschichte
Bloomberg zufolge sicherte sich der Flüssiggas-Supertanker "G. Arete" per Auktion für 4,6 Millionen Dollar einen früheren Transit in Richtung Karibik. Das Schiff gehört Berichten zufolge der südkoreanischen SK Shipping. Wer die Rechnung am Ende beglich, ist unklar.
Erst wenige Tage zuvor hatte ein Containerschiff rund 4 Millionen Dollar für dasselbe Privileg bezahlt. Zum Vergleich: Der bisherige Rekord aus der Dürrekrise 2023 lag bei knapp unter 4 Millionen Dollar.
Die Financial Times berichtet unter Berufung auf Argus Media, dass die täglichen Auktionen für die stark frequentierten Schleusen im August im Schnitt bei rund 1,1 Millionen Dollar lagen – mehr als das 16-Fache des Vorjahreswerts. Für die großen Neopanamax-Schleusen wurden zuletzt im Schnitt rekordverdächtige 2,5 Millionen Dollar aufgerufen.
Wenn der See schrumpft, wird die Weltwirtschaft teuer
Der Panama-Kanal ist keine Meerenge, sondern ein Süßwassersystem. Jede Schleusung verbraucht gewaltige Mengen Wasser aus dem Gatúnsee – und dessen Pegel liegt Berichten zufolge unter dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1965 bis 2022.
Die Kanalbehörde reagiert mit Tiefgangsbeschränkungen: ab dem 26. August 48 Fuß, ab dem 3. September nur noch 47,5 Fuß. Weniger Tiefgang heißt weniger Ladung pro Schiff. Weniger Ladung heißt höhere Frachtraten. Ein Sprecher der Behörde betonte, die Anpassungen würden die Zahl der täglichen Transits nicht senken; die Millionenzahlungen seien "vorübergehende Marktschwankungen" und kein von der Behörde festgelegter Tarif.
"Das Problem ist im Moment, dass die Wasserstände stetig sinken – und das sollten sie von Mai bis Dezember eigentlich nicht tun."
So zitiert die FT Ross Griffith, Frachtpreis-Experte bei Argus.
Hormus lenkt die Ströme um – Asien kauft am Golf von Mexiko
Parallel dazu treibt die Lage an der Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Ölverschiffungen läuft, asiatische Käufer an die US-Golfküste. Mehr Ladung aus Texas und Louisiana bedeutet mehr Verkehr durch Panama – ausgerechnet dann, wenn der Kanal am wenigsten kann.
Ein HSBC-Analyst warnte Kunden dieser Tage, El Niño erhöhe zugleich Dürre- und Flutrisiken, senke Flusspegel an Nadelöhren wie Panamakanal und Rhein und drücke Ernten in Asien und Südamerika. Auch Rhein und Donau sind in diesem Jahr betroffen – mit abgesagten Kreuzfahrten und umgeleiteten Frachten.
Was das für deutsche Verbraucher bedeutet
Für eine Exportnation mit langen Lieferketten ist das eine unangenehme Rechnung. Steigende Frachtkosten wandern erfahrungsgemäß mit Verzögerung in die Regalpreise – und treffen Haushalte, die von hohen Energiepreisen und Abgaben ohnehin ausgezehrt sind.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang, wie verwundbar eine hochgradig arbeitsteilige Weltwirtschaft an wenigen physischen Nadelöhren ist. Wetter, Krieg, Wartungsarbeiten – drei Störungen genügen, und die Kalkulation ganzer Branchen wackelt. Physische Edelmetalle können in solchen Phasen eine sinnvolle Ergänzung zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens sein, weil sie keinem Lieferkettenrisiko unterliegen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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