
300 Millionen Euro, fünf Funkmasten: Der Funkloch-Flop des Bundes

5.000 Mobilfunkstandorte sollten Deutschlands Funklöcher schließen. Fünf Jahre nach dem Start der bundeseigenen Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) waren im Mai 2026 nach Feststellungen des Bundesrechnungshofs ganze fünf geförderte Masten tatsächlich in Betrieb. Gefördert wurden 267 Standorte – mit knapp 300 Millionen Euro Steuergeld.
Über den Prüfbericht hatten zunächst mehrere Medien berichtet. Die Zahlen sprechen für sich: 37 Masten waren errichtet oder im Bau, 225 hatten die Bauphase noch nicht einmal erreicht.
Eine GmbH, die keinen einzigen Mast baut
Die MIG entstand 2021 als Tochter des bundeseigenen Mautunternehmens Toll Collect – ausgerechnet. Ihre Aufgabe laut Bundesfinanzministerium: den Ausbau des 4G-Netzes unterstützen und beschleunigen.
Nur: Gebaut wird dort nichts. Die Gesellschaft sucht Standorte, erteilt Förderbescheide und vermittelt zwischen Kommunen und Grundstückseigentümern. Errichtet werden die Anlagen von Turmgesellschaften wie der Deutschen Funkturm oder Vantage Towers, die Technik montieren anschließend Telekom, Vodafone, Telefónica oder 1&1.
Kritiker fragen deshalb seit Jahren, wofür es diese Zwischenebene überhaupt braucht. Schon der Start misslang: Losgehen sollte es 2020, der erste Förderbescheid kam im Oktober 2022. Der erste funkende Mast ging Medienberichten zufolge im September 2024 in einem Ortsteil der Gemeinde Lind im Kreis Ahrweiler ans Netz.
Fristen? Gab es. Eingehalten? Kein einziges Mal
Besonders pikant ist der Umgang mit den eigenen Regeln. Jeder Förderbescheid enthielt die Auflage, den Mast binnen 14 Monaten zu errichten und in Betrieb zu nehmen – sonst verfällt das Geld.
Nach den Feststellungen der Prüfer hielt kein einziges der 267 Projekte diese Frist ein. Die Reaktion der Gesellschaft: Ausnahmegenehmigungen. In allen Fällen.
Der Apparat selbst kostet unterdessen zuverlässig Geld. Zwischen 2020 und 2025 flossen 97,4 Millionen Euro in die Aufgaben der MIG, für das laufende Jahr sind weitere 20 Millionen veranschlagt, für 2027 noch einmal zwölf Millionen. Macht fast 130 Millionen Euro. Bereits 2021 wurde zudem bekannt, dass die Bezüge der beiden Geschäftsführer mit zusammen 352.000 Euro mehr als dreimal so hoch ausfielen wie ursprünglich geplant.
23.500 weiße Flecken – und ein Bürokratie-Dickicht
Am Geld scheitert der Ausbau nicht. Es sind die Verfahren: Baugenehmigung, in der Regel eine Umweltverträglichkeitsprüfung, häufig eine Altlastenprüfung. Und selbst wenn der Mast steht, fehlt oft der Strom- oder Glasfaseranschluss – fertige Masten stehen dann monatelang stumm in der Landschaft.
Nach einer Erhebung des Digitalministeriums gab es Anfang 2025 noch rund 23.500 weiße Flecken auf 7.518 Quadratkilometern – 2,1 Prozent der Bundesfläche, betroffen rund 28.500 Haushalte. Digitalminister Karsten Wildberger erklärte im vergangenen November, die Versorgung sei spürbar besser geworden, das Ziel eines flächendeckenden Netzes aber noch nicht erreicht.
Ein Lehrstück über den deutschen Staat
Aus Sicht unserer Redaktion ist dieser Vorgang mehr als eine Panne. Er zeigt ein Muster: Statt Hürden abzubauen, gründet der Staat eine Gesellschaft, die das Hürdenspringen organisieren soll – finanziert vom Steuerzahler, der am Ende trotzdem kein Netz hat.
Wer sein Vermögen vor den Folgen dauerhaft ineffizienter Staatsausgaben schützen will, setzt traditionell auch auf Sachwerte. Physische Edelmetalle können dabei als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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