
21 Bomben am Stromnetz: Sachsen im Visier eines Flüchtigen

Neun weitere selbstgebaute Sprengvorrichtungen hat die Polizei südlich des Umspannwerks Graustein im Landkreis Görlitz entdeckt – direkt an Hochspannungstrassen. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden am Montag mit. Spezialkräfte des Landeskriminalamts Sachsen entschärften die Objekte. Damit steigt die Zahl der allein in Sachsen gefundenen Sprengvorrichtungen auf 21.
Zwei Umspannwerke, ein Muster
Bereits am Wochenende hatten Ermittler zwölf solcher Vorrichtungen gemeldet: acht südlich des Umspannwerks Bärwalde im Landkreis Bautzen, vier östlich von Graustein nahe Schleife. Nach Behördenangaben sollten sie Kurzschlüsse an Hochspannungsleitungen auslösen und so Stromausfälle provozieren.
Zu einem tatsächlichen Schaden sei es nicht gekommen, eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden, hieß es von den Behörden. Die Ermittlungen der Zentralstelle Extremismus Sachsen bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und des LKA laufen weiter. Die Bevölkerung wird weiterhin um Hinweise gebeten.
Bekennerschreiben, Fahndungsfotos – und ein Mann auf der Flucht
Vorausgegangen waren Angriffe auf die Stromversorgung in mehreren Bundesländern: in Brandenburg rund um die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe, in Nordrhein-Westfalen unter anderem bei Gohr, Bergheim-Rheidt, Dormagen und Weisweiler. Medienberichten zufolge fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft öffentlich mit Fotos nach einem 48-Jährigen aus dem Ruhrgebiet.
Der Mann soll sich in zwei Schreiben an Medienhäuser zu den Taten bekannt haben. Ermittler halten die Briefe für authentisch. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte dazu:
„Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen.“
Dobrindt sprach von sehr wahrscheinlich „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters. In einem der Schreiben heiße es, Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen sei ein Verbrechen. Bewiesen ist bislang nichts: Es gilt die Unschuldsvermutung. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) schließt Berichten zufolge auch eine „fremdstaatlich gesteuerte Sabotage“ nicht aus.
Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg seien sprengstoffverdächtige Gegenstände gefunden worden. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte einen zum Wohnmobil umgebauten Lastwagen in einem Wald bei Niederzier am Hambacher Forst – der Gesuchte war da schon weg.
Wie verwundbar ist Deutschlands Stromnetz wirklich?
Auffällig: Nahezu alle betroffenen Orte liegen in der Nähe aktiver Braunkohlereviere – in NRW, Südbrandenburg und in Sachsen. Ausgerechnet jene Kraftwerke also, die das Netz stabil halten, wenn Wind und Sonne schwächeln.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall eine unbequeme Wahrheit: Ein paar Kilogramm Pyrotechnik im Wald genügen offenbar, um eine Industrienation nervös zu machen. Erst der gescheiterte Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle, jetzt 21 Sprengvorrichtungen an Trassen – der Schutz kritischer Infrastruktur wurde jahrelang stiefmütterlich behandelt, während Berlin über Klimaziele im Grundgesetz debattierte.
Kritiker der Energiepolitik warnen seit Jahren: Je stärker die Versorgung von wenigen Knotenpunkten abhängt, desto größer der Hebel für Saboteure. Wer diese Debatte bislang als Panikmache abtat, dürfte sie nun neu bewerten müssen.
Was Bürger daraus lernen können
Vorsorge ist kein Alarmismus, sondern Eigenverantwortung: Wer im Ernstfall tagelang ohne Strom auskommen müsste, merkt schnell, wie wenig digitale Guthaben wert sind, wenn Kartenterminals schwarz bleiben. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als krisenfeste Ergänzung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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