
Zinswende in Fernost: Südkoreas Notenbank zieht die Reißleine – ein Lehrstück für Europas Geldpolitik
Während in Deutschland die Bürger unter einer schleichenden Geldentwertung ächzen und die Europäische Zentralbank sich in geldpolitischen Verrenkungen übt, zeigt ausgerechnet eine asiatische Volkswirtschaft, wie entschlossenes Handeln aussieht. Die Bank of Korea hat am Donnerstag ihren Leitzins angehoben – zum ersten Mal seit Januar 2023. Der Sprung um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent mag auf den ersten Blick bescheiden wirken, doch das Signal dahinter ist gewaltig.
Die Inflation lässt sich nicht kleinreden
Der Grund für diesen Schritt ist so alt wie ärgerlich: Die Teuerung frisst sich durch die südkoreanische Wirtschaft. Im Juni kletterte die Inflationsrate auf 3,2 Prozent – der höchste Stand seit 2023. Damit liegt die Preissteigerung deutlich über dem selbst gesteckten Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Und die Währungshüter machen sich keine Illusionen: Die Inflation werde, so heißt es in der Erklärung der Bank, "noch für geraume Zeit erhöht bleiben".
Verantwortlich seien insbesondere die gestiegenen Energiepreise, deren Wirkung sich mit zeitlicher Verzögerung durch die gesamte Wirtschaft fresse. Ein Phänomen, das auch hierzulande wohlbekannt sein dürfte – man denke nur an die energiepolitischen Irrwege, die uns in den vergangenen Jahren teuer zu stehen kamen.
Wenn die eigene Währung zum Spielball wird
Besonders schmerzhaft für Südkorea: der dramatische Wertverfall der eigenen Währung. Der Won war am 5. Juni auf ein 17-Jahres-Tief von 1.561,5 gegenüber dem US-Dollar gestürzt. Ein Alarmsignal, das die Notenbank nicht länger ignorieren konnte. Denn höhere Zinsen locken ausländisches Kapital an und stützen so die Währung. Inzwischen hat sich der Won auf 1.484,86 erholt.
Notenbank-Gouverneur Shin Hyun Song habe dem Parlament in Seoul erklärt, es gebe "reichlich Spielraum für eine weitere Erstarkung des Won", schließlich häufe das Land derzeit "einen sehr großen Leistungsbilanzüberschuss" an.
Man höre und staune: Ein Land, das einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet und daraus geldpolitische Handlungsfähigkeit gewinnt. Ein Konzept, von dem Deutschland – einst stolze Exportnation – sich offenbar zunehmend verabschiedet.
Eine Wirtschaft, die trotz Zinsanhebung floriert
Bemerkenswert ist, dass sich Südkorea diese Straffung überhaupt leisten kann. Die Volkswirtschaft wuchs im ersten Quartal um 3,8 Prozent – das stärkste Plus seit dem vierten Quartal 2021. Die Exporte legten im Juni um sagenhafte 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, gemessen in Dollar der schnellste Anstieg seit 1978. Zahlen, von denen die kränkelnde deutsche Industrie derzeit nur träumen kann.
Analysten der Fachwelt gehen davon aus, dass weitere Zinsanhebungen auf dem Tisch lägen. Die Wirtschaft sei bestens positioniert, um höhere Zinsen zu verkraften, hieß es. Für das laufende Jahr wird gar ein Wachstum von vier Prozent erwartet.
Turbulenzen an der Börse als mahnendes Beispiel
Doch die Zinsanhebung fällt in eine unruhige Phase an den Märkten. Der Leitindex Kospi stürzte um über sechs Prozent ab, getrieben von den heftigen Kursverlusten der Halbleitergiganten Samsung Electronics und SK Hynix. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie schnell papierne Vermögenswerte an der Börse ins Wanken geraten können – abhängig von Launen der Weltmärkte und von Notierungen jenseits des Atlantiks.
Die Lehre für den vorsichtigen Anleger
Was zeigt uns dieser Blick nach Fernost? Dass Inflation kein regionales Problem ist, sondern ein globaler Dauerbrenner, der das mühsam ersparte Vermögen der Bürger auffrisst. Während Aktienmärkte in wenigen Stunden zweistellige Verluste einfahren und Währungen auf Jahrzehnttiefs abstürzen, behält physisches Gold und Silber seit Jahrtausenden seine Kaufkraft. Eine solide Beimischung von Edelmetallen in ein breit gestreutes Portefeuille bleibt daher ein bewährter Anker gegen die Stürme der Geldpolitik – gerade in Zeiten, in denen Notenbanken weltweit zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumssicherung hin- und hergerissen sind.
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