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25.03.2026
05:54 Uhr

Wirtschaft im Abseits: Öffentlich-rechtliche Talkshows ignorieren Deutschlands Kernproblem

Wirtschaft im Abseits: Öffentlich-rechtliche Talkshows ignorieren Deutschlands Kernproblem

Deutschland steckt in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Nachkriegszeit. Unternehmen wandern ab, der Mittelstand ächzt unter Bürokratie und Energiekosten, alle zwanzig Minuten meldet hierzulande eine Firma Insolvenz an. Doch wer glaubt, die großen Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würden sich diesem existenziellen Thema mit der gebotenen Ernsthaftigkeit widmen, der irrt gewaltig. Eine exklusive Auswertung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) offenbart ein erschreckendes Bild der Realitätsverweigerung in den Redaktionsstuben von ARD und ZDF.

Nur jede fünfte Sendung befasst sich mit Wirtschaft

Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Von insgesamt 284 ausgestrahlten Sendungen der fünf großen Talkshowformate im Jahr 2025 behandelten gerade einmal 56 wirtschaftspolitische Themen. Das entspricht einem kläglichen Anteil von rund 20 Prozent. Zum Vergleich: 2023 lag dieser Wert noch bei etwa 33 Prozent. Während die wirtschaftliche Lage sich also dramatisch verschlechtert hat, sinkt das Interesse der öffentlich-rechtlichen Redaktionen an genau diesem Thema. Man könnte meinen, die Programmverantwortlichen lebten in einer Parallelwelt.

Besonders auffällig ist die Sendung „Maischberger", die es auf einen geradezu beschämenden Wirtschaftsanteil von lediglich acht Prozent bringt. Acht Prozent – in einer Zeit, in der die deutsche Industrie um ihr Überleben kämpft, in der traditionsreiche Unternehmen reihenweise die Segel streichen und in der die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland in freiem Fall begriffen ist.

Journalisten statt Unternehmer: Die absurde Gästepolitik

Doch es wird noch grotesker. Selbst wenn wirtschaftspolitische Themen tatsächlich einmal auf der Agenda standen, kamen in einem Drittel der Fälle überhaupt keine Wirtschaftsvertreter zu Wort. Stattdessen dominieren Berufspolitiker mit einem Gästeanteil von 41 Prozent die Diskussionsrunden – also genau jene Akteure, die für die Misere maßgeblich mitverantwortlich sind. Auf Platz zwei folgen Journalisten mit 27 Prozent, die über wirtschaftliche Zusammenhänge philosophieren, ohne je einen Betrieb geführt, eine Bilanz gelesen oder einen Mitarbeiter eingestellt zu haben.

Echte Ökonomen kommen auf magere 14 Prozent. Und die Menschen, die tatsächlich wissen, wovon sie reden – Unternehmer und Vertreter von Wirtschaftsverbänden – müssen sich mit einem kümmerlichen Gesamtanteil von sieben Prozent begnügen. Sieben Prozent! In einem Land, dessen Wohlstand auf der Leistung genau dieser Menschen aufgebaut wurde.

Die AfD: Komplett ausgesperrt bei Wirtschaftsthemen

Ein besonders pikantes Detail der INSM-Auswertung betrifft die parteipolitische Zusammensetzung der eingeladenen Politiker. Die AfD, die in Umfragen zur Wirtschaftskompetenz regelmäßig auf dem zweiten Platz hinter der CDU rangiert, wurde in keiner einzigen Sendung mit wirtschaftspolitischem Bezug eingeladen. Kein einziges Mal. Null. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Eine Partei, der Millionen Bürger in diesem Land zutrauen, die wirtschaftlichen Probleme besser zu lösen als SPD, Grüne oder FDP, wird systematisch von der Debatte ausgeschlossen.

Stattdessen durften Unionspolitiker mit 37 Prozent den Löwenanteil der Politikergäste stellen, gefolgt von der SPD mit 28 Prozent. Selbst die Grünen kamen auf 14 Prozent und die Linke auf zehn Prozent – Parteien, deren wirtschaftspolitische Vorstellungen maßgeblich zur aktuellen Krise beigetragen haben dürften. Die FDP, einst selbsternannte Partei der Wirtschaft, brachte es auf gerade einmal fünf Prozent.

INSM-Chef spricht Klartext: „Blinde reden von der Farbe"

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben fand für diese Zustände deutliche Worte. Die großen Talkshows von ARD und ZDF würden die deutsche Wirtschaft schlichtweg ignorieren und damit ihren Programmauftrag verletzen. Anstatt mit echten Unternehmern zu sprechen, ließen die Redaktionen lieber Journalisten-Kollegen über Themen schwadronieren, von denen diese keine Ahnung hätten. Diese Einseitigkeit sei, so Alsleben, „brandgefährlich für die Meinungsbildung".

„In den Studios reden viel zu oft Blinde von der Farbe."

Ein vernichtendes Urteil – und doch eines, das kaum jemanden überraschen dürfte, der die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat. Die Sender, die sich selbst gerne als unverzichtbare Säulen der Demokratie inszenieren und dafür jährlich Milliarden an Zwangsgebühren kassieren, versagen ausgerechnet dort, wo es am meisten darauf ankäme: bei der ehrlichen, ausgewogenen Abbildung der drängendsten Probleme dieses Landes.

Ein Systemversagen mit Ansage

Was wir hier beobachten, ist kein Zufall und kein Versehen. Es ist das Ergebnis einer jahrelangen ideologischen Verengung in den Redaktionen, die bestimmte Themen und Perspektiven systematisch bevorzugt und andere ebenso systematisch ausblendet. Während über Gendersprache, Klimakleber und identitätspolitische Befindlichkeiten ausgiebig debattiert wird, bleibt für die existenziellen Fragen der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands offenbar kaum Sendezeit übrig.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat mit ihrem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen zwar ein gewaltiges Schuldenpaket geschnürt, das künftige Generationen belasten wird. Doch ob diese Politik tatsächlich die richtigen Weichen stellt, wird in den Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kaum kritisch hinterfragt – schon gar nicht von jenen, die es am besten beurteilen könnten: den Unternehmern und Wirtschaftsexperten selbst.

Der deutsche Bürger, der jeden Monat seinen Rundfunkbeitrag entrichtet, hat ein Recht darauf, dass die drängendsten Probleme seines Landes angemessen diskutiert werden. Er hat ein Recht darauf, dass nicht nur Politiker und Journalisten unter sich debattieren, sondern dass auch jene zu Wort kommen, die tagtäglich die wirtschaftliche Realität erleben. Solange ARD und ZDF dieses Recht mit Füßen treten, darf man sich über den fortschreitenden Vertrauensverlust in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht wundern. Die Quittung kommt – sie kommt immer.

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