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Windstrom-Irrsinn in Großbritannien: 57 Millionen Euro an einem Tag!

Windstrom-Irrsinn in Großbritannien: 57 Millionen Euro an einem Tag!
Symbolbild: KI-generiert

Großbritannien zahlt einen hohen Preis für seine Energiewende. Am 14. Oktober kostete die Stabilisierung des Stromnetzes 47,9 Millionen Pfund an einem einzigen Tag, umgerechnet rund 56,8 Millionen Euro. Der Grund ist so simpel wie absurd: Der Strom ist da, aber die Leitungen bekommen ihn nicht dorthin, wo er gebraucht wird.

Bezahlt fürs Nichtstun

Der Netzbetreiber NESO musste an diesem Tag zahlreiche Wind- und Wasserkraftwerke herunterfahren. Nach Berechnungen des Beratungshauses LCP Delta ging es um rund neun Gigawatt Erzeugungsleistung. Rechnerisch reicht das für mehr als acht Millionen Haushalte. Dabei handelt es sich allerdings um eine Leistungsangabe und nicht um die tatsächlich verlorene Strommenge.

Zur gleichen Zeit mussten im Süden Gas- und Biomassekraftwerke hochfahren, außerdem organisierte NESO zusätzliche Importe. Allein in einem einzigen halbstündigen Abrechnungszeitraum liefen so 1,6 Millionen Pfund auf. Das Land zahlt also doppelt: einmal für Windräder, die stillstehen, und einmal für fossile Kraftwerke, die einspringen.

Schottland produziert, England verbraucht

Das Problem liegt in der Geografie. Der Wind weht vor allem in Schottland, die großen Verbrauchszentren liegen dagegen im Süden Englands. Dazwischen fehlen ausreichend starke Übertragungsleitungen. Nach Angaben von Octopus Energy liefen einzelne wichtige Verbindungen in Schottland wegen Bauarbeiten zeitweise nur mit etwa 40 Prozent ihrer Kapazität.

Die Rechnung ist entsprechend hoch. Im September erreichten die Kosten für die Netzstabilisierung mit 505 Millionen Pfund (rund 599 Millionen Euro) einen historischen Monatsrekord. Damit lagen sie sogar über den Spitzenwerten der Energiekrise von 2022.

Milliarden, die niemand eingeplant hat

Octopus Energy hat nachgerechnet. Demnach summierten sich die Ausgaben für Windkraft-Abregelungen und Ersatzstrom bis Anfang Oktober auf mehr als 1,5 Milliarden Pfund (rund 1,78 Milliarden Euro). Das gesamte Vorjahresniveau von etwa 1,47 Milliarden Pfund war damit schon überschritten. Für die zwölf Monate bis Juli 2027 rechnet NESO allein beim Engpassmanagement mit rund 3,2 Milliarden Pfund.

Notruf nach Frankreich, und das im Oktober

Inzwischen geht es auch um die Versorgungssicherheit. Am 9. und am 12. Oktober musste NESO kurzfristig Hilfe aus Frankreich anfordern. Außerhalb der verbrauchsstarken Wintermonate ist das ungewöhnlich. An Kraftwerksleistung fehlte es dabei nicht. Medienberichten zufolge machten regionale Transportengpässe und kurzfristige Betriebsbedingungen die Lage schwierig.

Schon während der Hitzewelle Ende Juni war das Netz unter Druck geraten. Damals lieferten die Erneuerbaren weniger Strom, während Klimaanlagen den Verbrauch nach oben trieben. Wegen interner Vorwürfe laufen inzwischen unabhängige Untersuchungen, auch die Regulierungsbehörde Ofgem prüft die Vorgänge. NESO weist den Vorwurf zurück, das System sei grundsätzlich unsicher. Es habe weder Abschaltungen bei Verbrauchern gegeben noch seien die gesetzlichen Frequenzgrenzen verletzt worden.

Ein Lehrstück, auch für Deutschland

London will rund 150 Milliarden Pfund in seine Stromnetze stecken. Die Leitungen entstehen aber deutlich langsamer als neue Windparks. Hinter den Rekordkosten steht damit ein politischer Planungsfehler: Man hat Windräder gebaut, ohne die Leitungen mitzudenken. Die Zeche zahlen Haushalte und Unternehmen über ihre Stromrechnung.

Deutschland kennt dieses Problem gut. Auch hierzulande werden Windräder im Norden abgeregelt, während im Süden Kohle- und Gaskraftwerke hochfahren. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur kostete das Netzengpassmanagement im Jahr 2025 insgesamt rund 3,07 Milliarden Euro. Etwa 3,5 Prozent des Ökostroms wurden abgeregelt. Ein großer Teil der Kosten entfiel auf Ersatz- und Reservekraftwerke.

Ob die Bundesregierung aus dem britischen Beispiel lernt, muss sich erst noch zeigen. Eines lässt sich jedenfalls festhalten: Was Strom wirklich kostet, entscheidet sich nicht am Windrad. Es entscheidet sich im gesamten System, und dort hat die Politik den Bürgern bisher selten die ehrliche Rechnung vorgelegt.

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