
Wenn der Mandant die KI-Rechnung kürzt: Wie Künstliche Intelligenz das Geschäftsmodell der Anwaltskanzleien erschüttert

Eine schlichte Excel-Tabelle per E-Mail – mehr brauchte es nicht, um die Machtverschiebung zwischen Mandanten und ihren Anwälten auf den Punkt zu bringen. Die internationale Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells wurde von einem Unternehmenskunden aufgefordert, minutiös aufzulisten, wie viel Zeit ihre Juristen für einzelne Aufgaben benötigen – und vor allem, wann dabei Künstliche Intelligenz zum Einsatz komme. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Wer Maschinen arbeiten lässt, soll nicht so tun, als hätte ein hochbezahlter Anwalt stundenlang geschwitzt.
Mandanten fordern Effizienzgewinne ein
Was zunächst wie ein Einzelfall klingen mag, ist längst zur Regel geworden. Detlef Haß, der das Deutschlandgeschäft von Hogan Lovells verantwortet, bestätigte, dass derartige Diskussionen mittlerweile zum Alltag gehörten. Die Erwartungshaltung der Mandanten sei klar: Effizienzgewinne durch KI müssten weitergegeben werden. Man stelle sich das einmal vor – jahrzehntelang haben Großkanzleien ihre Mandanten nach dem Prinzip der abrechenbaren Stunde zur Kasse gebeten. Je länger ein Jurist an einem Vertragsentwurf saß, desto höher die Rechnung. Nun droht dieses lukrative Modell wie ein Kartenhaus zusammenzufallen.
Auch bei der renommierten Kanzlei Linklaters zeichnet sich dasselbe Bild ab. Partnerin Martina Farkas berichtete, dass in sämtlichen Pitches der jüngsten Vergangenheit die Frage nach dem KI-Einsatz eine zentrale Rolle gespielt habe. Mandanten wollten wissen, wie die Kanzlei Künstliche Intelligenz bei Transaktionen und in der Beratung einsetze. Es gehe schlicht um Effizienzsteigerungen – und damit letztlich ums Geld.
Routinearbeit in halber Zeit – und bald ganz ohne Anwalt?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bei manchen Routineaufgaben – etwa der Prüfung von Verträgen, der Auswertung umfangreicher Aktenbestände oder der Übersetzung juristischer Texte – lasse sich die Arbeitszeit bereits halbieren. Und das ist erst der Anfang. Die nächste Generation juristischer KI-Systeme soll in der Lage sein, ganze Arbeitsprozesse eigenständig abzuwickeln. Was heute noch ein Team aus Associates und Referendaren erledigt, könnte morgen ein Algorithmus in Bruchteilen der Zeit bewältigen.
Für die Branche ist das ein tektonischer Wandel. Das Geschäftsmodell der Großkanzleien basiert seit jeher auf dem Verkauf von Arbeitszeit hochqualifizierter Juristen. Wenn nun eine Maschine in Minuten erledigt, wofür ein Anwalt Stunden brauchte, stellt sich die unbequeme Frage: Wofür zahlt der Mandant eigentlich noch?
Ein Strukturwandel mit weitreichenden Folgen
Man darf diese Entwicklung durchaus als Symptom eines größeren Umbruchs betrachten. Technologien wie ChatGPT oder Claude haben die Wissensarbeit in zahlreichen Branchen revolutioniert – vom Marketing über die Unternehmensberatung bis hin zur Finanzanalyse. Dass die juristische Zunft, die sich traditionell gerne als unantastbar betrachtet, nun ebenfalls unter Druck gerät, hat eine gewisse Ironie. Ausgerechnet jene Branche, die anderen Unternehmen bei der digitalen Transformation beratend zur Seite steht, muss nun selbst schmerzhafte Anpassungen vornehmen.
Für den Berufsalltag junger Juristen bedeutet dies womöglich einen fundamentalen Wandel. Die klassische Karriereleiter in einer Großkanzlei – jahrelang Akten wälzen, Due-Diligence-Prüfungen durchführen, sich durch Vertragsklauseln arbeiten – könnte in dieser Form bald der Vergangenheit angehören. Wer als Anwalt künftig bestehen will, wird sich nicht mehr allein durch Fleiß und Fachwissen auszeichnen können, sondern vor allem durch strategisches Denken, Mandantenbeziehungen und jene Urteilskraft, die keine Maschine ersetzen kann.
Die eigentliche Frage bleibt offen
Ob die Kanzleien diesen Wandel als Chance begreifen oder ob er zu einem schmerzhaften Schrumpfungsprozess führt, wird sich zeigen. Fest steht: Die Zeiten, in denen Mandanten bereitwillig astronomische Stundensätze für Arbeiten bezahlten, die eine KI in Sekundenschnelle erledigen kann, neigen sich dem Ende zu. Der Markt wird sich bereinigen – und nur jene Kanzleien werden überleben, die den technologischen Wandel nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug begreifen.
In einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft ohnehin unter enormem Druck steht – zwischen Trumps Strafzöllen, einer schwächelnden Konjunktur und einer Bundesregierung, die mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen die Probleme von morgen mit den Schulden von übermorgen zu lösen versucht – ist jede Effizienzsteigerung willkommen. Wenn Künstliche Intelligenz dazu beiträgt, dass Unternehmen weniger für juristische Dienstleistungen ausgeben müssen, ist das zunächst einmal eine gute Nachricht. Die Frage ist nur, ob Deutschland auch bei dieser technologischen Revolution wieder den Anschluss verpasst – oder ob es diesmal gelingt, vorne mitzuspielen.
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