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19.06.2026
11:16 Uhr

Wenn 50 Künstler eine demokratische Wahl kippen: Das Lehrstück von Tittmoning

Wenn 50 Künstler eine demokratische Wahl kippen: Das Lehrstück von Tittmoning

Es ist eine jener kleinen Provinzgeschichten, die mehr über den Zustand unserer politischen Kultur verraten als jede Sonntagsrede aus Berlin. In Tittmoning, einem beschaulichen 6.000-Seelen-Ort im bayerischen Voralpenland, wurde dem AfD-Stadtrat Sebastian Gruttauer das ehrenamtliche Amt des Kulturreferenten wieder entzogen. Der Grund? Keine Verfehlung, kein Skandal, kein Fehlverhalten. Sondern schlicht der Protest von über 50 lokalen Künstlern, denen die Parteizugehörigkeit des Mannes nicht in den ideologischen Kram passte.

Demokratie nach Gusto – oder wie man eine Wahl umdeutet

Gewählt worden war Gruttauer ganz regulär, mit 12 zu 9 Stimmen. Doch siehe da: Plötzlich will Bürgermeister Andreas Bratzdrum von der CSU gar nicht mehr von einer „Wahl“ sprechen. Es sei doch nur „abgestimmt“ worden, und solche Abstimmungen könne man jederzeit revidieren. Eine bemerkenswerte juristische Spitzfindigkeit, die genau dann aus dem Hut gezaubert wird, wenn das Ergebnis missfällt.

Man stelle sich diese Logik einmal in größerem Maßstab vor: Ein demokratisch zustande gekommenes Votum wird nachträglich für ungültig erklärt, weil eine lautstarke Minderheit dagegen Sturm läuft. Wer hier von einer Stärkung der Demokratie spricht, hat ihr Wesen gründlich missverstanden.

„Jetzt beginnt der Kulturkampf“, soll Gruttauer dem Bürgermeister am Telefon gesagt haben. Wie recht er damit behalten sollte, zeigte sich nur wenige Stunden später.

Wer zahlt, schafft an – und wer nimmt, protestiert

Bemerkenswert ist die Konstellation: Es waren ausgerechnet jene Künstler, die in aller Regel von kommunalen Zuschüssen, staatlichen Fördertöpfen und steuerfinanzierten Aufträgen leben, die hier ihren politischen Geschmack zum Maßstab erhoben. SPD-Stadtrat Dirk Reichenau brachte die eigentliche Sorge entwaffnend offen auf den Punkt: Man fürchte, „dass uns die Künstler nicht mehr erscheinen“.

Mit anderen Worten: Nicht das Wohl der Bürger, nicht die Pflege des bayerischen Brauchtums stand im Vordergrund, sondern die Drohkulisse einer Künstlerszene, die offenbar bereit ist, ihre Mitwirkung von der parteipolitischen Gesinnung eines Ehrenamtlichen abhängig zu machen. Brauchtumspflege als Geiselnahme – ein bemerkenswertes Demokratieverständnis.

Ein Muster, das sich wiederholt

Der Fall Tittmoning steht symptomatisch für ein Klima, in dem die Brandmauer-Rhetorik längst bis in die kleinsten Gemeinden durchgesickert ist. Der Bürgermeister selbst räumte ein, die Personalie sei „ein Fehler“ gewesen, und man habe die Debatte „unterschätzt“. Übersetzt heißt das: Man hatte schlicht den Mut nicht, einer demokratisch getroffenen Entscheidung gegen den Druck einer organisierten Minderheit standzuhalten.

Pikant ist, dass Gruttauers Parteikollege im selben Stadtrat weiterhin für die Abwasserbeseitigung zuständig sein darf. Offenbar ist der AfD-Politiker gut genug, sich um die Kanalisation zu kümmern, aber zu schlecht, um über das kulturelle Brauchtum eines bayerischen Städtchens zu wachen. Eine Logik, die sich nur ideologisch, niemals sachlich erklären lässt.

Was bleibt

Wer glaubt, mit solchen Manövern die AfD zu schwächen, dürfte sich gründlich verrechnen. Jedes nachträglich „korrigierte“ Wahlergebnis, jede ideologisch begründete Amtsenthebung liefert genau jene Steilvorlage, die der politische Gegner braucht. Denn die Botschaft, die in Tittmoning gesendet wurde, ist verheerend einfach: Wählt nur, was uns genehm ist – andernfalls drehen wir das Ergebnis schon zurecht.

Diese Haltung ist nicht die Verteidigung der Demokratie, sondern ihre stille Aushöhlung. Und sie ist nicht nur die Meinung unserer Redaktion, sondern die wachsende Überzeugung eines erheblichen Teils der Bürger, die sich fragen, was eine Wahl eigentlich noch wert ist, wenn sie nachträglich annulliert werden kann. Wer Vertrauen in unsere Institutionen zurückgewinnen will, sollte demokratische Entscheidungen respektieren – auch und gerade dann, wenn sie einem nicht gefallen.

In Zeiten, in denen selbst der Wert demokratischer Entscheidungen relativiert wird, gewinnen verlässliche und unabhängige Werte an Bedeutung. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrtausenden ein Anker der Beständigkeit – unabhängig von politischen Stimmungsschwankungen und ein sinnvoller Baustein zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens.

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