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Kettner Edelmetalle
17.07.2026
13:44 Uhr

Wasser predigen, Wein trinken: Der Fall Spahn entlarvt die moralische Doppelbödigkeit der Union

Es gibt Momente in der Politik, in denen sich die feine Fassade der Sonntagsreden abschält und darunter das nackte Prinzip zum Vorschein kommt: Was für das Volk gilt, muss noch lange nicht für die Herrschaften an der Spitze gelten. Der Fall des Unionsfraktionschefs Jens Spahn ist ein solcher Moment. Und er wirft ein grelles Licht auf eine politische Klasse, die sich längst über die eigenen Gesetze erhaben fühlt.

Die eigenen Regeln – nur für die anderen

Was war geschehen? Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten öffentlich gemacht, mithilfe einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten Eltern geworden zu sein. So weit, so privat – möchte man meinen. Doch der Haken steckt in einer Doppelmoral, die selbst hartgesottene Beobachter des Berliner Betriebs erschaudern lässt: Ausgerechnet die CDU hatte auf ihrem Bundesparteitag im Februar 2026 in Stuttgart ihre ablehnende Haltung zur Leihmutterschaft noch einmal ausdrücklich bekräftigt. Sogar die sogenannte altruistische Variante, bei der die austragende Frau keine Vergütung erhält, solle in Deutschland verboten bleiben. Begründet wurde dies mit ethischen Bedenken, der Gefahr von Ausbeutung und dem Schutz des Kindeswohls.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Fraktionschef derselben Partei, die ihren Bürgern diesen Weg mit erhobenem Zeigefinger versperrt, nutzt genau diesen Weg – nur eben jenseits der Grenze, wo die deutschen Gesetze nicht greifen. Wer das Kleingeld und die richtigen Kontakte hat, umschifft eben, was dem einfachen Bürger verwehrt bleibt.

Aufstand an der Basis

Nun regt sich in der Union endlich, was man dort viel zu selten erlebt: Widerstand von unten. Der Landesvorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, der zugleich dem Bundesvorstand angehört, erklärte laut Bild, Spahn sei als Fraktionsvorsitzender „nicht mehr tragbar“ und müsse zurücktreten. Ein Spitzenpolitiker, so Peters, könne nicht als Privatmann bewusst anders handeln, als es die von ihm vertretene politische Linie vorgebe.

Auch Marion Rosin, Thüringer Landesvorsitzende der Frauen Union, meldete sich zu Wort. Die Leihmutterschaft sei in Deutschland „aus guten ethischen Gründen verboten“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Wer den Umweg über das Ausland wähle, setze sich über den Geist der deutschen Gesetzgebung hinweg. Verliere ein Spitzenpolitiker seine Glaubwürdigkeit, sei ein Rücktritt schlicht die logische Konsequenz.

Wer als führender CDU-Politiker am Verbot der Leihmutterschaft festhalte, selbst aber den Weg über das Ausland nutze, schaffe einen Widerspruch, der Mitglieder und Wähler irritiere – das Vertrauen sei aufgebraucht.

So formulierte es der CDU-Stadtverband Hilchenbach in Nordrhein-Westfalen auf Instagram – bemerkenswert deutlich für eine Parteibasis, die es sonst gewohnt ist, brav zu kuschen. Und Hubert Hüppe, Vorsitzender der Senioren-Union, zeigte sich nach eigenen Angaben „persönlich geschockt“. Es sei problematisch, wenn Politiker mit dickem Geldbeutel und guten Kontakten Wege beschreiten könnten, die dem gewöhnlichen Bürger versperrt blieben. Hüppe forderte gar, im Ausland organisierte Leihmutterschaften nach italienischem Vorbild rechtlich stärker zu verfolgen.

Das Geschwätz von gestern

Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man in Spahns eigener Vergangenheit blättert. Im Jahr 2015 hatte er in einem Beitrag für das Magazin GQ geschrieben, er könne sich als schwuler Mann und Christ nur schwer mit der Vorstellung eines „gemieteten Mutterbauchs“ anfreunden. Es verlange Demut, so Spahn damals, zu akzeptieren, nicht auf natürlichem Weg Vater werden zu können. Demut – ein Wort, das im heutigen Berliner Politikbetrieb so selten geworden ist wie ein ausgeglichener Haushalt.

Während seiner Amtszeit als Bundesgesundheitsminister ließ die Bundesregierung 2020 zudem verlauten, eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes sei nicht vorgesehen. Man wolle das Kindeswohl und die Eindeutigkeit der rechtlichen Mutterschaft schützen. Das war die Linie, die Spahn selbst mitverantwortete. Was interessiert den Mann heute sein Geschwätz von gestern?

Zögerliche Verteidiger

Nicht alle in der Union mochten sich der Rücktrittsforderung anschließen. Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers, ebenfalls mit einem Mann verheiratet, gab sich zurückhaltend. Für ihn persönlich wäre Leihmutterschaft „nicht der richtige Weg“, sagte er dem Tagesspiegel, doch die politische Debatte sei schwierig – Männer seien womöglich nicht diejenigen, die diese Frage abschließend beantworten sollten. Ein bemerkenswertes Ausweichmanöver, das freilich den Kern der Sache verfehlt. Denn es geht hier nicht um eine abstrakte Ethikdebatte über Leihmutterschaft. Es geht darum, dass ein führender Gesetzgeber dieses Landes die selbst mitgeschriebenen Regeln für sich persönlich außer Kraft setzt.

Ein Symptom, kein Einzelfall

Der Fall Spahn ist weit mehr als eine private Verfehlung. Er ist das Sinnbild einer politischen Kaste, die sich zusehends von den Menschen entfernt hat, deren Interessen sie vertreten sollte. Wenn jene, die uns täglich Vorschriften machen, Verbote erlassen und moralische Maßstäbe predigen, sich am Ende selbst mit dem Verweis auf das eigene „persönliche Glück“ über alles hinwegsetzen – dann ist das Vertrauen der Bürger nicht nur beschädigt, sondern regelrecht verspielt. Es ist genau diese himmelschreiende Doppelmoral, die viele Deutsche längst nicht mehr hinnehmen wollen. Und es sind diese Momente, in denen sich ein wachsender Teil der Bevölkerung fragt, ob die etablierten Parteien überhaupt noch für das Land regieren – oder nur noch für sich selbst.

Ob Spahn zurücktritt? Man darf skeptisch sein. Der Mann hat in seiner Karriere schon manches Unwetter ausgesessen, das andere längst hinweggefegt hätte. Doch eines hat dieser Fall überdeutlich gemacht: Die schöne Fassade der Prinzipientreue bröckelt – und dahinter kommt das nackte Prinzip der Selbstbedienung zum Vorschein.

Was bleibt: Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit

In Zeiten, in denen das Vertrauen in Politik, Institutionen und Papiergeld gleichermaßen erodiert, lohnt sich der Blick auf beständige Werte. Wer erlebt, wie schnell moralische Grundsätze über Bord geworfen werden, sobald es den Mächtigen in den Kram passt, der ahnt, dass auch andere Versprechen dieser politischen Klasse – etwa jenes der soliden Staatsfinanzen – wenig wert sein könnten. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber unterliegen keiner Doppelmoral, keinem Parteitagsbeschluss und keinem gebrochenen Wahlversprechen. Sie sind seit Jahrtausenden ein bewährter Anker zur Vermögenssicherung und eine sinnvolle Beimischung für ein breit gestreutes, krisenfestes Portefeuille – gerade dann, wenn das Vertrauen in Berlin einmal mehr auf die Probe gestellt wird.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Leser ist aufgefordert, sich vor einer Anlageentscheidung eigenständig zu informieren und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen. Für Anlageentscheidungen und deren Folgen trägt jeder Leser die alleinige Verantwortung.

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