
Washingtons Machtpoker im Irak: Trump droht Maliki mit Sanktionen â und scheitert krachend

Es ist ein Schauspiel, das man aus der amerikanischen AuĂenpolitik nur allzu gut kennt: Washington stellt Ultimaten, droht mit Konsequenzen â und steht am Ende mit leeren HĂ€nden da. Im aktuellen Fall geht es um die irakische Regierungsbildung, bei der die USA mit aller Macht versuchen, den ehemaligen Premierminister Nouri al-Maliki von einer erneuten AmtsĂŒbernahme abzuhalten. Doch Bagdad denkt gar nicht daran, sich dem Diktat aus Ăbersee zu beugen.
Ultimatum um Ultimatum â und niemand zuckt
Das sogenannte Koordinierungsrahmenwerk, die gröĂte Fraktion im zersplitterten irakischen Parlament, hĂ€lt unbeirrt an Malikis Kandidatur fĂŒr das Amt des Premierministers fest. PrĂ€sident Trump hatte lautstark und wiederholt gefordert, die Nominierung zurĂŒckzuziehen. Maliki habe âwahnsinnige Politiken und Ideologien" und dĂŒrfe keinesfalls an die Macht zurĂŒckkehren, so der US-PrĂ€sident. Die Amerikaner setzten zunĂ€chst eine Frist bis zum vergangenen Wochenende â die verstrich folgenlos. Dann wurde ein neues Ultimatum bis zum 27. Februar gesetzt. Auch dieses scheint ins Leere zu laufen.
Die irakische Seite reagierte mit bemerkenswerter Gelassenheit. Man gedenke nicht, den Vereinigten Staaten die Entscheidung zu ĂŒberlassen, wer Premierminister des Irak werde, hieĂ es aus dem Koordinierungsrahmenwerk. Mehr noch: Eine weitere Sitzung zur Premierfrage sei erst fĂŒr die kommende Woche geplant â also weit nach Ablauf der amerikanischen Frist. Eine diplomatische Ohrfeige, die es in sich hat.
Der US-Gesandte mit dem âgoldenen Ticket"
Berichten zufolge soll der US-Gesandte Tom Barrack Maliki persönlich ein Ultimatum ĂŒberbracht haben: RĂŒckzug der Kandidatur bis Montag, im Gegenzug ein sicherer Abgang samt persönlicher ImmunitĂ€t. Andernfalls drohten âlĂ€hmende Sanktionen". Man fĂŒhlt sich unweigerlich an die Methoden erinnert, mit denen Washington seit Jahrzehnten versucht, souverĂ€ne Nationen nach eigenem GutdĂŒnken umzugestalten â mit wechselhaftem Erfolg, um es diplomatisch auszudrĂŒcken.
Maliki: Vom Langzeitpremier zum Comeback-Kandidaten
Nouri al-Maliki regierte den Irak bereits von 2006 bis 2014 und strebt seit Jahren eine RĂŒckkehr an die Macht an. Obwohl seine Partei âStaat des Rechts" bei den letzten Wahlen nur rund sechs Prozent der Parlamentssitze errang, verfĂŒgt er ĂŒber die UnterstĂŒtzung kurdischer Fraktionen. Zudem hat die gröĂte Partei innerhalb des Koordinierungsrahmenwerks â jene des amtierenden Premierministers Mohammed al-Sudani â Malikis Kandidatur offenbar akzeptiert, nachdem Sudani erklĂ€rt hatte, keine weitere Amtszeit anzustreben.
Es gibt schlicht keinen ernsthaften Alternativkandidaten. Und genau das ist Washingtons Dilemma: Man kann laut âNein" rufen, aber wenn kein anderer Kandidat in der Lage ist, eine tragfĂ€hige Koalition zu schmieden, bleibt das amerikanische Veto ein zahnloser Tiger.
Ein Muster amerikanischer Hybris
Die Regierungsbildung im Irak war schon immer ein langwieriger, zĂ€her Prozess. In einem Parlament, das aus unzĂ€hligen Fraktionen, ethnischen und konfessionellen Gruppen besteht, gleicht die Koalitionsbildung einem diplomatischen Hochseilakt. Einen Kandidaten zu finden, der fĂŒr genĂŒgend Parteien akzeptabel ist, dauert Monate â manchmal Jahre. Dass Washington glaubt, diesen Prozess mit Fristen und Drohungen steuern zu können, zeugt von einer bemerkenswerten RealitĂ€tsferne.
Man darf sich durchaus die Frage stellen, mit welchem Recht die Vereinigten Staaten einem souverĂ€nen Staat vorschreiben wollen, wen er als Regierungschef wĂ€hlt. Dieselbe Nation, die 2003 unter falschen VorwĂ€nden in den Irak einmarschierte und das Land in ein Chaos stĂŒrzte, das bis heute nachwirkt, maĂt sich nun an, ĂŒber die demokratische Willensbildung in Bagdad zu bestimmen. Die Ironie könnte kaum bitterer sein.
Vor dem Hintergrund der jĂŒngsten amerikanischen Angriffe auf den Iran verschĂ€rft sich die Lage zusĂ€tzlich. Was als nĂ€chstes geschieht, vermag derzeit niemand mit Sicherheit vorherzusagen. Eines jedoch steht fest: Die irakische Politik lĂ€sst sich nicht per Dekret aus Washington gestalten â und das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die diese Episode bereithĂ€lt.
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