
Während die Welt auf den Iran starrt, schafft Israel im Stillen Fakten
Es ist ein altbekanntes Muster der Geopolitik: Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf den einen Krisenherd blickt, werden anderswo vollendete Tatsachen geschaffen. Genau dieses Spiel läuft derzeit im Nahen Osten – und die Akteure könnten zynischer kaum agieren.
Diplomatisches Schattenboxen zwischen Washington und Teheran
Die Signale aus Washington und Teheran könnten widersprüchlicher kaum sein. Nachdem die US-Marine einen iranischen Tanker festgesetzt hatte, drohte Teheran zunächst mit Vergeltung. Doch der iranische Präsident Masoud Pezeshkian, seit langem als Befürworter einer Westbindung bekannt, ließ verlauten, er wolle die neuesten „Vorschläge" der amerikanischen Seite prüfen, da der Krieg niemandem nütze. Ein bemerkenswerter Schwenk – oder bloß taktisches Kalkül?
Donald Trump seinerseits verkündete auf seiner Plattform Truth Social, seine Vertreter würden nach Pakistan reisen, „um zu verhandeln". Vizepräsident JD Vance solle die Delegation leiten – obwohl es ursprünglich geheißen hatte, dieser solle aus „Sicherheitsgründen" zu Hause bleiben. In einem Interview mit der New York Post erklärte Trump, er sei offen für direkte diplomatische Kontakte mit der iranischen Führung. Nur einen Tag zuvor hatte er noch gedroht, das gesamte Stromnetz und sämtliche Brücken des Iran zu zerstören, sollte es keinen Deal geben. Man fragt sich unwillkürlich: Ist das Diplomatie oder Schizophrenie?
Immobilienmakler als Friedensstifter
Besonders pikant ist die Zusammensetzung der amerikanischen Verhandlungsdelegation. Neben Vance sollen Steve Witkoff und Jared Kushner – Trumps Schwiegersohn – die Gespräche führen. Keiner der beiden verfügt über eine politische Legitimation im klassischen Sinne. Beide sind jedoch Trump privat und geschäftlich eng verbunden. Beide sind Experten für eines: Immobiliendeals.
Die Verflechtungen sind dabei so offensichtlich, dass sie fast schon dreist anmuten. Witkoffs Söhne Alex und Zach sind Geschäftspartner von Trumps Söhnen Donald Jr. und Eric. Letztere reisen seit der Wiederwahl ihres Vaters durch Europa und den Nahen Osten, um Geschäfte zu tätigen, die Marke Trump zu fördern und ihr Kryptowährungsimperium auszubauen. Wo die Grenze zwischen Staatsgeschäft und Privatgeschäft verläuft, scheint in der Trump-Ära eine zunehmend philosophische Frage zu sein.
Israels schleichende Landnahme im Südlibanon
Während die Welt auf das diplomatische Hin und Her zwischen Washington und Teheran starrt, nutzt Israel die Gunst der Stunde mit einer Konsequenz, die an Brutalität grenzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ über die israelische Zeitung Ha'aretz verlauten, der Krieg gegen den Iran sei noch nicht beendet. Gleichzeitig warnte das israelische Militär die Bewohner des Südlibanon davor, in die Gebiete innerhalb der angestrebten „Sicherheitszone" zurückzukehren.
Die Dimensionen dieser Zone sind bemerkenswert: Sie erstreckt sich über mehrere hundert Quadratkilometer, umfasst Dutzende von Städten und Dörfern – und reicht sogar nördlich des Litani-Flusses. Trotz einer zehntägigen Waffenruhe stationiert Israel weiterhin Truppen in der Region. Laut einem Reuters-Bericht haben israelische Militäroperationen seit Inkrafttreten der Waffenruhe 39 Siedlungen im Südlibanon zerstört. Der libanesische Abgeordnete Ali Hassan Khalil bestätigte demnach die Zerstörung von Wohnhäusern durch israelische Angriffe.
Libanesische Zivilisten, die in ihre weiter nördlich gelegenen Dörfer zurückkehren wollten, dürfen die von Israel gezogene Demarkationslinie nicht überschreiten. Über eine Million Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Was mit ihnen im Falle eines erneuten Aufflammens des Krieges geschieht, bleibt völlig offen. Eine humanitäre Katastrophe, die in der westlichen Berichterstattung erstaunlich wenig Beachtung findet.
Religiöse Radikale feiern im Westjordanland
Noch deutlicher wird Israels Strategie der vollendeten Tatsachen im Westjordanland. Am Sonntag feierten Kabinettsmitglieder, Knesset-Abgeordnete, Lokalpolitiker und Hunderte von Siedleraktivisten die Wiederinbetriebnahme und Neubesiedlung der Siedlung Sa-Nur im nördlichen Westjordanland – fast 21 Jahre nach ihrer Evakuierung. Verteidigungsminister Israel Katz bekräftigte bei der Zeremonie, dass die Regierung an der Legalisierung von 140 illegal errichteten landwirtschaftlichen Außenposten arbeite.
Finanzminister Bezalel Smotrich, ein religiöser Hardliner, bezeichnete die Wiedererrichtung von Sa-Nur als „nationalen Feiertag" und „historische Wiedergutmachung" der „sündhaften Vertreibung aus Nordsamaria". Mehr noch: Er forderte Netanjahu auf, die israelischen Streitkräfte anzuweisen, sich auf eine „vollständige Besetzung" des Gazastreifens vorzubereiten und dort ebenfalls Siedlungen wiederzuerrichten. Man muss kein Nahostexperte sein, um zu erkennen, dass hier nicht Sicherheitspolitik betrieben wird, sondern religiös motivierte Expansionspolitik.
Kushners „Riviera des Nahen Ostens" – Luxusresorts auf Trümmern
Die vielleicht verstörendste Entwicklung betrifft den Gazastreifen selbst. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar hatte Jared Kushner KI-generierte Visionen eines „neuen Rafah" mit Wolkenkratzern und Luxusresorts präsentiert. Rafah – eine Stadt, die durch zweijährige israelische Bombardierungen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Trump bewarb diese „Riviera des Nahen Ostens" mit einem 20-Punkte-Plan und versprach zehn Milliarden US-Dollar an Fördermitteln über seinen eigens gegründeten Friedensrat, der als potenzieller Konkurrent der Vereinten Nationen positioniert sei.
Die Realität sieht freilich anders aus. Laut Berichten von Al Jazeera wurden die Aufräumarbeiten in Beit Hanoon im Norden und in Rafah zwar weitgehend eingestellt, doch israelische Streitkräfte etablieren systematisch eine dauerhafte militärische Präsenz in dem verwüsteten Gebiet. Die in Genf ansässige Menschenrechtsorganisation Euro-Med Human Rights Monitor warnte, der Plan für das „Neue Rafah" sei in Wahrheit ein Mechanismus zur demografischen Umgestaltung und zur Vertreibung von Palästinensern. Der Plan sehe die Aufteilung des Gazastreifens in Bevölkerungsblöcke und militärische Sperrzonen vor. Die Palästinenser sollten in sogenannten „Städten" aus Wohnwagen zusammengepfercht werden – jeweils etwa 25.000 Menschen auf einem Quadratkilometer, umgeben von Zäunen und Kontrollpunkten.
China nutzt das Machtvakuum
Während der Westen diese Entwicklungen mit bemerkenswerter Zurückhaltung diskutiert, schmiedet China seine eigenen Allianzen in der Region. Der chinesische Präsident Xi Jinping erklärte im Rahmen eines Telefongesprächs mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, China sei bereit, das strategische Vertrauen mit den Saudis zu vertiefen. Riad signalisierte seinerseits Bereitschaft, die Kommunikation und Koordination mit Peking zu intensivieren. Die geopolitischen Tektonik-Platten verschieben sich – und Europa steht einmal mehr nur daneben.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Für Deutschland und Europa sollten diese Entwicklungen ein Weckruf sein. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz täte gut daran, die Lage im Nahen Osten nicht nur als fernes Krisengebiet zu betrachten, sondern als unmittelbare Bedrohung für die europäische Sicherheitsarchitektur. Jede Eskalation in der Region treibt Flüchtlingsströme an, destabilisiert Energiemärkte und gefährdet die ohnehin fragile Weltwirtschaft. In Zeiten, in denen Deutschland bereits mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen seine eigene Infrastruktur zu retten versucht und die Inflation den Bürgern das Leben schwer macht, kann sich Europa keine weitere Krise leisten.
Die Tatsache, dass Immobilienmakler und Familienangehörige des US-Präsidenten die Außenpolitik der mächtigsten Nation der Erde gestalten, während religiöse Extremisten in Israel die Gunst der Stunde für ihre Siedlungspolitik nutzen, sollte jeden nachdenklich stimmen. Die „Ruhe vor dem Sturm" könnte sich als trügerisch erweisen – und wenn der Sturm kommt, werden es wieder die einfachen Menschen sein, die den Preis zahlen. In solchen Zeiten der geopolitischen Unsicherheit erweisen sich übrigens physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung – ein Baustein, den jeder kluge Anleger in seinem Portfolio berücksichtigen sollte.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.
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