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Kettner Edelmetalle
25.06.2026
09:30 Uhr

Während Deutschland über Wintermärkte debattiert, schützt Dänemark seine Identität – Kopenhagen prüft Verbot von Muezzinrufen

Es ist ein bemerkenswerter Kontrast, der sich da im hohen Norden Europas abspielt. Während hierzulande mancher Kommunalpolitiker ernsthaft darüber sinniert, ob ein St.-Martins-Umzug nicht doch zu „befremdlich“ für Neuankömmlinge sein könnte, geht das kleine Königreich Dänemark einen radikal anderen Weg. Der neue Einwanderungs- und Integrationsminister Morten Bødskov will prüfen lassen, ob öffentliche islamische Gebetsrufe verboten oder zumindest gesetzlich beschränkt werden können. Und er findet dabei Worte, die in einem deutschen Ministerium wohl umgehend einen Aufschrei der üblichen Verdächtigen provozieren würden.

„Keine Gebetsrufe über dänische Dächer“

Bødskov, seit Anfang Juni im Amt der sozialdemokratisch geführten Regierung von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, ließ an Deutlichkeit nichts vermissen. Öffentliche Gebetsrufe gehörten, so der Minister laut der Nachrichtenagentur Ritzau, „in keiner Weise nach Dänemark“. Wer durch das Land spaziere, solle nicht den Eindruck gewinnen, in einem Vorort von Islamabad gelandet zu sein. Dänemark, so seine unmissverständliche Botschaft, müsse vor einer Islamisierung geschützt werden, die im öffentlichen Raum ohnehin schon „zu viel Platz“ einnehme.

Es sollen keine Gebetsrufe über die dänischen Dächer schallen.

Man stelle sich vor, ein deutscher Minister äußerte derlei Sätze. Die Empörungsmaschinerie liefe heiß, von „Spaltung der Gesellschaft“ wäre die Rede, vielleicht würde gar der Verfassungsschutz bemüht. In Dänemark hingegen ist eine solche Haltung schlicht parteiübergreifender Konsens – und das, wohlgemerkt, in einer sozialdemokratisch geführten Regierung.

Der dritte Anlauf einer hartnäckigen Linie

Bemerkenswert ist, dass Bødskov bereits der dritte sozialdemokratische Integrationsminister in Folge sei, der eine gesetzliche Regelung gegen öffentliche Gebetsrufe auf den Weg bringen wolle. Schon 2020 habe Mattias Tesfaye eine entsprechende Prüfung begonnen, die jedoch nicht abgeschlossen worden sei. Im Oktober 2025 habe dann Rasmus Stoklund den Faden wieder aufgenommen – mit der prägnanten Feststellung, Gebetsrufe von Minaretten gehörten „in keiner Weise nach Dänemark“. Es gebe genug Möglichkeiten, so etwas im Nahen Osten zu erleben. Dänemark aber sei nicht der Nahe Osten und werde es auch nie sein.

Im Folketing liegt zudem ein Antrag der konservativen Dansk Folkeparti vor, der die Regierung verpflichten soll, bis Ende 2026 einen Gesetzentwurf zur Untersagung lautsprecherverstärkter Gebete im öffentlichen Raum vorzulegen. Eingebracht am 9. Juni, stand der Antrag jüngst zur ersten Lesung auf der Tagesordnung.

Eine Frage der Machtdemonstration?

Worum geht es bei diesen über Lautsprecher verstärkten Rufen eigentlich wirklich? Wer ehrlich ist, erkennt: Es handelt sich nicht um eine harmlose religiöse Folklore, sondern um die hörbare Markierung von Territorium. Eine Befragung aller 98 dänischen Kommunen ergab, dass drei Städte – Kopenhagen, Odense und Brøndby – Beschwerden über Gebetsrufe oder lautes Gebet meldeten. Genannt werden konkrete Beispiele: ein Gebetsruf in einem Vorort von Aarhus, Koranrezitationen über Lautsprecher in Kopenhagen rund um Weihnachten 2025 sowie islamische Gemeinschaftsgebete in einem Kopenhagener Park im Mai 2026, bei denen sich Anwohner über eine größere Lautsprecheranlage beschwert hätten.

Warum Dänemark seit Jahrzehnten klarer sieht

Der nordische Nachbar war beim Thema Migration und Integration der Bundesrepublik immer um Längen voraus. Schon in den 1990er-Jahren begann Kopenhagen damit, seine Asyl- und Zuwanderungsregeln konsequent zu verschärfen. Multikulti wurde dort nie zur Staatsräson erhoben, das eigene Volk und die eigene Nation behielten ihren selbstverständlichen Stellenwert. Das Ziel lautet mittlerweile „null Asyl“ – ein Wert, von dem Deutschland unter wechselnden Regierungen leider Lichtjahre entfernt geblieben ist.

Auch die Gesichtsverschleierung ist in Dänemark seit August 2018 im öffentlichen Raum untersagt. Und während man hierzulande den Bau von Minaretten meist anstandslos durchwinkt, greifen in Dänemark strikte lokale Bebauungspläne, die solche Bauwerke aus ästhetischen Gründen oder zum Schutz des traditionellen Stadtbildes regelmäßig verhindern.

Die juristische Hürde – und der politische Wille

Freilich gibt sich der dänische Staat keinen Illusionen hin. Bereits 2020 erklärte die damalige Regierung dem Folketing, ein Verbot, das sich ausschließlich gegen muslimische Glaubensgemeinschaften richte, sei mit dem Diskriminierungsverbot der Verfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention kaum vereinbar. Möglich wäre allenfalls eine allgemeine, religionsneutrale Regelung. Doch genau hier zeigt sich der entscheidende Unterschied zu Deutschland: In Kopenhagen sucht man nach Wegen, das Problem zu lösen – nicht nach Ausreden, warum man nichts tun könne.

Ein Blick über die Grenze, der nachdenklich macht

Es ist nach Auffassung unserer Redaktion – und, das darf man getrost annehmen, eines erheblichen Teils der deutschen Bevölkerung – ein wohltuendes Schauspiel, einem Land beim Aufwachen zuzusehen, während man im eigenen über Poller-Choreografien auf Weihnachtsmärkten und die Umbenennung christlicher Traditionen diskutiert. Dänemark zeigt, dass eine selbstbewusste Politik zum Schutz der eigenen Kultur und Identität keineswegs „rechtsextrem“ ist, sondern schlicht vernünftig. Es ist die Politik einer sozialdemokratischen Regierung – ein Detail, das jenen zu denken geben sollte, die hierzulande jede Verteidigung des Eigenen reflexhaft skandalisieren.

Ob der dänische Vorstoß diesmal tatsächlich ins Ziel kommt oder, wie schon zweimal zuvor, im Prüfungsmodus versandet, bleibt abzuwarten. Doch allein die Tatsache, dass führende Politiker so klar und unverblümt sprechen dürfen, ohne berufliche oder gesellschaftliche Ächtung fürchten zu müssen, markiert einen Unterschied, der Bände spricht. Vielleicht braucht Deutschland nicht mehr Integrationsminister, sondern weniger – und dafür Politiker, die wieder für ihr Land regieren statt gegen es.

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