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Kettner Edelmetalle
12.06.2026
13:14 Uhr

Vom AfD-Feindbild zur Grundsatzreferentin? Eine Personalie, die Fragen aufwirft

Es ist eine Geschichte, die selbst der erfahrenste Politikbeobachter zweimal lesen muss, um sie zu glauben. Jahrelang teilte die ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linkspartei und späteren BSW, Żaklin Nastić, verbal gegen die AfD aus, als gäbe es kein Morgen. Und nun, so berichten übereinstimmende Quellen, sollte ausgerechnet sie eine Führungsposition im Bundestag jener Partei übernehmen, die sie öffentlich als „Partei der Messerstecher und der entfesselten Gewalt" verunglimpfte. Politik kann ein bizarres Theater sein – aber dieser Akt sprengt selbst den Rahmen des Gewohnten.

Wenn der Fraktionsvorsitzende gegen die eigenen Reihen aufläuft

Nach Informationen, die nun an die Öffentlichkeit gelangt sind, soll AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla versucht haben, Nastić als Grundsatzreferentin im Vorstand der Bundestagsfraktion zu installieren. Doch der Plan scheiterte – und zwar gründlich. Der Betriebsrat der Fraktion lehnte die Beschäftigung ab, mit Verweis auf den gefährdeten Betriebsfrieden. Die Entscheidung soll einstimmig gefallen sein. Einstimmig! Ein deutlicheres Signal kann man kaum senden.

Und auch unter den Abgeordneten machte sich Unmut breit. „Zum Glück ist daraus nichts geworden", soll ein Abgeordneter geäußert haben. Ein anderer brachte die Verwunderung auf den Punkt: Er verstehe nicht, was in Chrupalla gefahren sei, eine solche Personalie überhaupt nur zu erwägen. Hinter vorgehaltener Hand zeigten sich weitere Parlamentarier kritisch. Chrupalla selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern – ein vielsagendes Schweigen.

Eine Vergangenheit voller verbaler Geschosse

Die Liste der Angriffe Nastićs gegen die AfD liest sich wie ein Kompendium linker Empörungsrhetorik. Bereits im Februar 2020 brandmarkte sie die Partei auf der Plattform X als „Partei der Messerstecher und der entfesselten Gewalt". Im selben Monat stellte sie das Attentat von Hanau in einen direkten Zusammenhang mit der AfD und teilte Bilder einer Demonstration „gegen rechten Terror".

„Kein Fußbreit den Nazis! Kein Fußbreit dem Faschismus! Kein Fußbreit der AfD" – so lautete einst die Parole jener Frau, die später eine Spitzenstelle in genau dieser Partei anstrebte.

2022, zu Zeiten der inzwischen zerbrochenen Ampel-Koalition, bezeichnete sie die AfD unter Berufung auf Sahra Wagenknecht als „die abscheulichste Partei im Parlament". Sie solidarisierte sich mit „Fridays for Future" und warnte vor einer angeblichen „Gefahr von rechts". Es ist diese Bilanz an verbaler Feindseligkeit, die die Personalie so brisant macht.

Eine Karriere mit lauten Brüchen

Nastić, Gründungsmitglied der Wagenknecht-Partei mit der Mitgliedsnummer elf, trat Ende März dieses Jahres aus dem BSW aus. Ihr Abgang verlief alles andere als leise: Sie warf ihren früheren Mitstreitern „Katzbuckelei" und „Kadavergehorsam" vor und sprach von „postengierigen Mitläufern", die einen „Hofstaat" um die BSW-Vorsitzende Amira Mohamed Ali gebildet hätten. Damals wies sie noch jeden Verdacht zurück, sie könne zur AfD überlaufen.

Was diese Episode wirklich offenbart

Diese Personalie ist mehr als nur eine kuriose Randnotiz des Berliner Politikbetriebs. Sie wirft ein grelles Licht auf die Frage, wie viel Beliebigkeit politische Überzeugungen heute noch besitzen. Wer gestern noch von „Faschismus" und „Messerstechern" schwadronierte, soll heute plötzlich als Grundsatzreferentin im Maschinenraum der politischen Gegenseite arbeiten? Die Kommentatoren des Originalberichts brachten es treffend auf den Punkt: Man fragt sich, ob hier eine echte Läuterung stattfand, ob das schiere Geld lockte – oder ob aus 180 Grad eines Tages wieder 360 Grad werden.

Es bleibt die Erkenntnis: Politische Glaubwürdigkeit ist ein kostbares Gut, das durch solche Manöver verspielt wird. Dass der Betriebsrat und die Abgeordneten der Fraktion hier klare Kante zeigten, verdient durchaus Anerkennung. Wer jahrelang gegen eine Partei und ihre Wähler agitiert hat, der sollte nicht über Nacht zur Vordenkerin ebendieser Partei aufsteigen. In einer Zeit, in der politische Verlässlichkeit ohnehin zur Mangelware geworden ist, wäre eine solche Personalie ein fatales Signal gewesen.

Am Ende dieser Geschichte steht eine simple Wahrheit: Charakter und Überzeugung lassen sich nicht beliebig wie ein Mantel wechseln. Und ein Volk, das längst genug von wendehälsischen Politikern hat, durchschaut solche Spielchen schneller, als es den Akteuren lieb sein kann.

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