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Kettner Edelmetalle
30.01.2026
09:57 Uhr

Verkehrschaos vorprogrammiert: Verdi-Warnstreik legt deutschen Nahverkehr lahm

Millionen Pendler müssen sich am kommenden Montag auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem flächendeckenden Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr aufgerufen, der weite Teile Deutschlands in ein Verkehrschaos stürzen dürfte. Von Stuttgart bis München, von Frankfurt bis Köln – in zahlreichen Großstädten werden Busse und Bahnen stillstehen.

Flächendeckender Stillstand in mehreren Bundesländern

Die Dimension des angekündigten Arbeitskampfes ist beachtlich. In Baden-Württemberg trifft es die kommunalen Verkehrsunternehmen in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz. Hessen bleibt ebenfalls nicht verschont: Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Gießen und Marburg werden ab der Frühschicht bestreikt. Nordrhein-Westfalen mit seinen Metropolen Köln, Düsseldorf und Bonn reiht sich nahtlos ein.

Besonders hart dürfte es Bayern treffen. München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Bamberg, Passau, Landshut und Schweinfurt – überall dort, wo der Tarifvertrag Nahverkehr gilt, rechnet die Gewerkschaft mit erheblichen Auswirkungen. Ob Notfahrpläne angeboten werden, blieb zunächst offen. Verdi selbst geht davon aus, dass der Nahverkehr in den betroffenen Städten nahezu vollständig zum Erliegen kommt.

Der Kern des Konflikts: Überstunden statt Neueinstellungen

Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Tarifkonflikt erscheint, offenbart bei genauerem Hinsehen ein strukturelles Problem des öffentlichen Nahverkehrs. Es geht nicht um höhere Grundlöhne, sondern um den Manteltarifvertrag und damit um grundlegende Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft fordert bessere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit sowie Wochenend- und Feiertagseinsätze.

Die Argumentation von Verdi ist dabei durchaus nachvollziehbar: Überstunden seien für Arbeitgeber derzeit günstiger als Neueinstellungen. Die Konsequenz? Eine zunehmende Arbeitsverdichtung für das ohnehin schon strapazierte Personal.

Höhere Zuschläge sollen nach Vorstellung der Gewerkschaft dazu beitragen, Überstunden zu begrenzen, neue Fachkräfte zu gewinnen und den öffentlichen Personennahverkehr langfristig zu stabilisieren. Ein Ziel, das angesichts des chronischen Fahrermangels durchaus berechtigt erscheint.

Kommunen in der Zwickmühle: Leere Kassen gegen berechtigte Forderungen

Die kommunalen Arbeitgeber befinden sich in einer prekären Lage. Sie legten in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vor und begründen dies mit der schwierigen Haushaltslage vieler Städte und Gemeinden. Sinkende Einnahmen, steigende Ausgaben und teils nicht genehmigte Haushalte ließen kaum Spielräume zu, so die Argumentation.

Gleichzeitig verweisen die Arbeitgeber auf bereits vereinbarte tarifliche Verbesserungen. Seit 2023 seien die Entgelte der Beschäftigten im Nahverkehr – inklusive Zuschlägen – um mehr als 20 Prozent gestiegen. Weitere Erhöhungen seien bereits beschlossen. Doch reicht das aus, um qualifiziertes Personal zu halten und neue Fachkräfte zu gewinnen?

Ein Symptom tieferliegender Probleme

Der Tarifkonflikt im Nahverkehr ist letztlich nur ein Symptom der maroden Infrastruktur und der chronischen Unterfinanzierung des öffentlichen Sektors in Deutschland. Während die Politik seit Jahren die Verkehrswende predigt und Bürger zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel auffordert, fehlt es an den grundlegenden Investitionen, um diesen Sektor attraktiv zu gestalten – sowohl für Fahrgäste als auch für Beschäftigte.

Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert betonte zwar, man habe Verständnis für die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Zugleich warnte er jedoch davor, Beschäftigte mit der Aussicht auf Leistungsabbau oder steigende Fahrpreise unter Druck zu setzen. Die Tarifverhandlungen sollen am 9. Februar fortgesetzt werden. Die Friedenspflicht war bereits zum 1. Januar ausgelaufen – ein deutliches Zeichen dafür, wie verhärtet die Fronten sind.

Für die Millionen betroffenen Pendler bleibt am Montag wohl nur eines: das Auto aus der Garage holen oder im Homeoffice bleiben. Die Verkehrswende muss warten – wieder einmal.

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